1860 München nur noch 10 Millionen Euro wert

Autor : Maximilian Wessing | 22.05.2019

Als Hasan Ismaik im Jahr 2011 als Investor beim TSV 1860 München einstieg, schmiedete er große Pläne. In zehn Jahren, so sagte er, wolle man auf einer Stufe mit dem FC Bayern und dem FC Barcelona stehen.

Heute, zwei Jahre vor Ablauf dieser Laufzeit, könnte der Traditionsverein von diesem Ziel kaum weiter entfernt sein. Die „Löwen“ dümpeln in der 3. Liga herum, nachdem sie zwischenzeitlich sogar in die Regionalliga abgestürzt waren.

Damals, 2011, wusste sich 1860 aufgrund der Finanz-Not nicht mehr anders zu helfen, als Ismaik die Türen zu öffnen. Mittlerweile hat der jordanische Geschäftsmann rund 44 Mio. Euro in den Verein gepumpt. Die eine Hälfte davon wurde in Genussrechte umgewandelt, die andere sind Darlehen – und damit nichts anderes als negatives Eigenkapital.

Ismaiks Problem: Der Verein ist nach jetzigem Stand, so rechnet der Verein intern selbst, nur noch rund zehn Millionen Euro wert. 

Die sportliche Bilanz seit Ismaiks Einstieg ist katastrophal. In dieser Saison geriet der Klub nach fünf Pleiten in Serie sogar noch in Abstiegsgefahr. Dabei waren Ismaiks Absichten zuletzt eigentlich noch gut gemeint: Vor der gerade abgelaufenen Saison sicherte er dem Verein zwei Mio. Euro zu, um die Mannschaft zu verstärken. So kam es dann auch. Allerdings wurde dadurch logischerweise der Mannschaftsetat erhöht, der jetzt nicht mehr gestemmt werden kann. Mehr als eine Million Euro müssen die Kosten heruntergefahren werden, für die kommende Spielzeit sind etwas mehr als drei Mio. Euro veranschlagt.

Bei 1860 gilt nun die Devise: Es dürften keinesfalls neue Schulden gemacht werden, also keine weiteren Darlehen an Ismaik vergeben werden. Der Investor soll isoliert werden, das ist das oberste Anliegen vom Präsidenten des e.V., Robert Reisinger (55). Ismaik selbst und seine zwei Vertrauten im Aufsichtsrat der ausgegliederten Fußball-AG hören das höchst ungern. Es kracht in der Chefetage! Reisinger sagt zu SPORT BILD:

Hasan Ismaik versucht, sein Investment zu schützen. Ich schütze den Verein. Im Einzelfall können die Interessenlagen deshalb verschieden sein.

Und weiter: „Einen wirtschaftlichen Kurs, der den Verein bedroht oder das gemeinsame Unternehmen noch tiefer in Abhängigkeiten verstrickt, kann und darf ich nicht unterstützen.“

Am 30. Juni soll Reisinger bei der Mitgliederversammlung als Präsident wiedergewählt werden. Dass die Ismaik-Seite von der Idee rein gar nichts hält, ist kein Geheimnis. Reisinger sagt: „Alle Ausgaben im Profifußball müssen künftig von den Einnahmen aus Sponsoring, TV-Geldern, Transfererlösen und Ticketing gedeckt sein. Dass das nicht ohne Schmerzen geht, ist uns völlig klar.“

Vor dem Traditionsklubs liegen in der Tat schmerzvolle Zeiten.

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