Ismaik: "Ich sehe die Corona-Krise als Chance für 1860"

Autor : Maximilian Wessing | 25.03.2020

Seit rund neun Jah­ren ist Hasan Is­maik (43) In­ves­tor beim TSV 1860 Mün­chen. Laut ei­ge­ner Aus­sage hat er seit­dem rund 80 Mio. Euro in den Ver­ein in­ves­tiert – bis­lang ohne sport­li­chen Er­folg.

SPORT BILD: Herr Is­maik, wie schät­zen Sie die Fol­gen der Co­rona-Krise für 1860 Mün­chen ein?

HASAN IS­MAIK: Wir wer­den alles tun, damit wir diese Krise ge­mein­sam meis­tern. Wir haben einen großen Vor­teil, wir sind im Ver­gleich zu an­de­ren Klubs kri­se­ner­probt. Ich baue aber auch auf die So­li­da­ri­tät und das ein­ma­lige Herz­blut un­se­rer Lö­wen-Fa­mi­lie. So­lange wir sie an un­se­rer Seite ha­ben, wird uns nichts pas­sie­ren. Wir wer­den nicht war­ten, bis uns an­dere hel­fen. Wir hel­fen uns selbst. Ich wün­sche mir aber auch Hilfe von­sei­ten des DFB. Die­ser Ver­band ist so reich und kann jetzt auch sei­nen Ver­ei­nen etwas zu­rück­ge­ben.

Und wenn der DFB nicht ein­springt?

Wenn da nichts kommt, wer­den viele kleine Ver­eine ster­ben. Wir müs­sen diese Krise auch als Chance se­hen. Der DFB muss sich öff­nen und trag­fä­hige Mo­delle ent­wi­ckeln -un­ab­hän­gig von 50+1. Man sieht ja, aus­ge­löst durch Co­ro­na, dass viele Ver­eine schnell in eine fi­nan­zi­elle Schief­lage ge­ra­ten. Man darf den Fuß­ball in Deutsch­land nicht nur ver­wal­ten. Da sind alle an­de­ren eu­ro­päi­schen Ligen schon viel wei­ter.

Droht aus Ihrer Sicht die In­sol­venz des Klubs, soll­ten die rest­li­chen Spiele ohne Zu­schauer statt­fin­den?

Ich würde mich sehr freu­en, wenn die Sai­son bald wie­der fort­ge­setzt wer­den könn­te, denn 1860 war bis zum Sai­son-Stopp auf dem Weg in die 2. Liga. Un­sere Mann­schaft ist seit 14 Spie­len un­be­siegt. Aber der Sport ist ak­tu­ell zweit­ran­gig, die Ge­sund­heit der Men­schen ist das höchste Gut. Das al­lein zählt, und nicht, ob wir Ver­luste schrei­ben oder den Auf­stieg ver­pas­sen. Und das Wort „In­sol­venz“ wird bei 1860 schon seit Jah­ren miss­braucht. Bei 1860 wird es keine In­sol­venz ge­ben. Da kann mich jeder beim Wort neh­men.

Wären Sie be­reit, dem Ver­ein fi­nan­zi­elle Hilfe an­zu­bie­ten?

Ich wün­sche mir noch immer eine Ka­pi­tal­er­hö­hung, al­ler­dings zu Kon­di­tio­nen, die 1860 auch hel­fen. Wenn sich da­hin­ge­hend in den nächs­ten Wo­chen nichts ent­wi­ckelt, werde ich dem Ver­ein selbst ein An­ge­bot un­ter­brei­ten. Ich sehe die Co­rona-Krise auch als Chance für 1860.

Warum?

Ich habe meine Träume mit 1860, die ich mir von kei­nem Men­schen neh­men las­se. 1860 braucht ein ei­ge­nes Sta­dion, das uns die Mög­lich­keit gibt, auf ge­sunde Beine zu kom­men. Ich ver­stehe die Fans, dass sie am Grün­wal­der Sta­dion hän­gen. Aber es ist lei­der in die­ser Kon­stel­la­tion nicht wirt­schaft­lich – auch nicht nach einem Umbau auf knapp über 18 000 Zu­schau­er. Wir müs­sen auch an un­se­ren Nach­wuchs den­ken. Wie wol­len wir neue Fans ge­win­nen? Wenn Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Rei­ter wie­der­ge­wählt ist, müs­sen wir uns alle tref­fen und ver­nünf­tig mit­ein­an­der re­den. Ich rei­che allen die Hand.

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