Im November 2010 gab Alcocer sein Profi-Debüt in Valencia, wurde 2012 für ein Jahr nach Getafe ausgeliehen, 2016 wechselte er zu Barca, jetzt nach Dortmund.
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Im November 2010 gab Alcocer sein Profi-Debüt in Valencia, wurde 2012 für ein Jahr nach Getafe ausgeliehen, 2016 wechselte er zu Barca, jetzt nach Dortmund. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Alcácer lässt das einstige Fan-Idol Aubameyang vergessen

Wer war noch Auba...?

Neun Tore hat Paco Alcácer (25) in seinen ersten sieben Ligaspielen für den BVB erzielt. Dafür brauchte er nur 237 Minuten. So startete noch keiner in der Vereinshistorie. Pierre-Emerick Aubameyang (29), Robert Lewandowski (30) und Lucas Barrios (34) bracchten es bei ihren ersten sieben Einsätzen zusammen gerade mal auf sieben Treffer. Obwohl er bislang erst in sieben von zwölf Ligaspielen zum Einsatz kam, hat Alcácer sich an die Spitze der Torjägerliste geballert. Sein Trainer Lucien Favre (61) hat dafür eine einfache Erklärung. „Er ist sehr geschickt, er fühlt Fußball sehr gut. Das ist angeboren. Er spürt die Bewegung im richtigen Moment.“ Mit seinen Toren weckt Alcácer ernste Meisterträume beim BVB-Anhang. Und viel beeindruckender: Er lässt sogar Aubameyang vergessen, der bis zu seinem unrühmlichen Streik-Ende der Fan-Liebling war.

Viereinhalb Jahre lang verzauberte der Gabuner mit Tor-Galas und Glitzer-Auftritten ganz Dortmund, doch nur neun Monate nach seinem Abgang spricht in Dortmund keiner mehr von ihm. Trotz 98 Treffern in 144 Ligaspielen. Ist Alcácer sogar besser als Aubameyang? „Paco ist ein ganz anderer Typ als Auba. Sowohl fußballerisch als auch menschlich. Aber man merkt ja, dass Paco bei unseren Fans sehr gut ankommt“, so BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (59) zu SPORT BILD nach der Mitgliederversammlung am Sonntag. Dort wurde Alcácer mit Standing Ovations gefeiert. Während Aubameyang solche Momente im Blitzlicht genießt, sind sie Alcácer fast unangenehm. Den Sieg gegen den FC Bayern feierte der Matchwinner allerdings auch beim Dortmunder Nobel-Italiener „Acqua Pazza“. Dort war Auba auch oft nach BVB-Siegen anzutreffen. Er unterhielt mit seiner Entourage gerne das ganze Restaurant, Alcácer stieß im engsten Kreis bei einem Glas Wasser mit Freundin Beatriz und Tochter Martina auf sein Siegtor an.

„Er hat die Erwartungen mehr als erfüllt. Dass Paco sich so schnell einlebt, konnte man nicht erwarten. Er passt perfekt zu uns und bringt eine außerordentliche Abschlussqualität mit“, sagt Sportdirektor Michael Zorc (56). Alcácer selbst sagte zuletzt im Interview mit der SZ: „Die Borussia hat mir geholfen, wieder der zu sein, der ich war.“ Er fühlt sich in der Mannschaft wohl und spürt, dass er gebraucht wird. Von seinen bisherigen Klubs wurde der Nationalspieler stets abgeschoben. Sein Jugendverein Valencia verkaufte ihn 2016 aus Finanznot für 30 Mio. Euro nach Barcelona – ein Wechsel, den ihm die Anhänger in seiner Heimat bis heute nicht verzeihen. In sozialen Netzwerken riefen sie die Kampagne #PipesPaAlcácer (deutsch: Sonnenblumenkerne für Alcácer) aus. Deren Verzehr wird in Spanien mit der Rolle eines Zuschauers assoziiert, die Fans spielten auf sein Los als Bankdrücker hinter Stürmerstar Luis Suárez (31) an. Bei seiner ersten Rückkehr nach Valencia 2016 warf ein Zuschauer sogar eine Tüte Sonnenblumenkerne in Alcácers Richtung. Und bei einem großen Volksfest in Valencia wurde im vergangenen Jahr eine Paco-Skulptur verbrannt.

In Barcelona kam Alcácer in den vergangenen beiden Jahren nur elfmal über 90 Minuten zum Einsatz, in Dortmund erst einmal. „Wir arbeiten daran, dass er in den Fitnesszustand kommt, um regelmäßig von Anfang an zu spielen“, sagt Sebastian Kehl (38). Gerade zeigt Alcácer, wie wertvoll er als Joker ist. „Wenn er uns in den entscheidenden Momenten so hilft, habe ich nichts dagegen, wenn Paco von der Bank kommt. Aber natürlich ist es auch sein Anspruch, von Beginn an zu spielen. Das kann er auch“, sagt BVB-Kapitän Marco Reus (29) über seinen Offensivpartner. Im Sommer schob ihn dann auch Barça ab – Dortmund griff dankend zu. „Wir kannten Paco schon lange, haben ihn vor Jahren in den spanischen U-Nationalmannschaften beobachtet. Mit einem Wechsel nach Barcelona gerät so ein Spieler dann eigentlich aus dem Visier, aber wir hatten ihn trotzdem weiter im Blick“, sagte Zorc SPORT BILD. Am Freitag verpflichtete der BVB seinen Leihstürmer für 23 Mio. Euro fix. Bis 2023, ohne Ausstiegsklausel. Wird Alcácer verkauft, muss Dortmund fünf Prozent der Ablöse an Barça abtreten – für jeden Euro, der über 25 Mio. hinausgeht. Zorc sagt: „Um sich zu 100 Prozent mit einem Verein und einer Mannschaft zu identifizieren, ist es ein Unterschied, ob du nur ausgeliehen oder ein fester Bestandteil bist. Paco kann in den nächsten Jahren noch viel für uns leisten.“

Text von Sven Westerschulze