Axel Witsel ist nicht wegen seiner Haarpracht der neue Kopf beim BVB
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Axel Witsel ist bei Trainer Favre der Chef im Mittelfeld. Borussia-Rivale Schalke 04 war schon viel früher an ihm dran. Aber Königsblau zögerte zu lang Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Axel Witsel ist der neue Kopf beim BVB

...und wäre fast ein Schalker geworden

Als bei Borussia Dortmund erstmals der Name Axel Witsel (29) fiel, war Trainer Lucien Favre (60) sofort begeistert. Der belgische Nationalspieler war genau das Puzzle-Teil, das er für seine Spielidee brauchte. Die basiert auf Ballbesitz und Ballkontrolle. Für diese Anforderung ist Witsel einer der besten defensiven Mittelfeldspieler Europas.

Für 20 Millionen Euro holte der BVB den mit 1,86 Meter Länge sehr wuchtigen Mittelfeldchef von TJ Quanjian aus China. Ein Volltreffer. Witsel sorgt zwar nicht für die schillernden Momente im Spiel, gibt dem Dortmunder Spiel aber Stabilität. Zudem erzielte er in seinen ersten drei Pflichtspielen für Borussia auch noch zwei Tore. „Ich bin super-glücklich in Dortmund“, sagte der neue Mittelfeld-Chef zuletzt im Kreis der belgischen Nationalmannschaft. Dabei wäre er fast nicht in Dortmund gelandet, sondern ausgerechnet beim Revier-Rivalen Schalke!

Als Witsel noch mehr ein Talent in Belgien als ein international angesehener Star war, beschäftigte sich S04 ganz konkret mit ihm. Das war 2011. Bei Standard Lüttich spielte der zentrale Mittelfeldspieler groß auf. Etwas weiter vorn als heute. Technisch stark, gutes Auge. Der damalige Schalke-Manager Horst Heldt (48) hatte erste konkrete Gespräche geführt. Sein Trainer Ralf Rangnick (60) war angetan. Aber Schalke zögerte, setzte auf Rückkehrer Lewis Holtby (28) aus Mainz. 

In China kassierte Witsel 25. Mio netto in 18 Monaten. Jetzt geht's ihm um Erfolge

Benfica Lissabon schlug bei Witsel zu, zahlte neun Millionen Euro. Ein Jahr später ging der für 40 Millionen Euro Ablöse zu Zenit St. Petersburg, Anfang 2017 zog er trotz des Angebots von Juventus Turin weiter nach China. Wegen des Geldes, wie Witsel bekannte. Rund 25 Millionen Euro netto haben ihm die eineinhalb Jahre gebracht. Nun ist das Konto voll. Für den WM-Dritten geht es jetzt vor allem um Fußball. „Bei Dortmund habe ich nicht gezögert“, sagt er. 

Vom ersten Tag an paukte er Deutsch. Witsel versteht, was in der Kabine gesprochen wird. Verständigen kann er sich je nach Bedarf auf Englisch, Französisch und Portugiesisch. Das wichtigste Signal aber sendet seine Körpersprache: Ich gehe voran.

Witsel gehört in Dortmund auf Anhieb zum Kreis der Führungsspieler. Zurückhaltend in der Kabine, aber nicht leise. Konsequent auf dem Platz. Ein abgezockter Profi, den die Kollegen mögen, weil er nicht von großen Taten erzählt, sondern Leistung abliefert. Die Fans mögen ihn wegen seiner klaren Linie im Spiel. Schnörkellos, geradlinig, furchtlos. Der Trainer mag ihn, weil er der Mannschaft Ruhe gibt. Weil sich die Defensive an ihm orientieren kann und er das Aufbauspiel steuert. Witsel ist nicht wegen seiner Haarpracht, sondern wegen seiner Qualität der Kopf von Favres Spiel. 

Der Schweizer sagt: „Unser Ziel ist es, mehr Ballbesitz zu haben.“ Das gelingt nach und nach. Beim 3:1 gegen Frankfurt waren es schon 58 Prozent. In der Champions League beim 1:0 in Brügge hatte Dortmund sogar 62 Prozent der Ballaktionen. Favre will die Kontrolle im Spiel übernehmen. Kein Risiko in der Defensive. Gezielte Angriffe nach vorn. Witsel gibt das Tempo in Zentrum vor. Ergebnis bisher: nur drei Gegentore in der Liga, klare Siege zu Hause (4:1 gegen Leipzig, 3:1 gegen Frankfurt). Acht Punkte nach vier Spielen. Alles nicht besonders schön, aber effektiv. Auch dank Witsel.