Manuel Akanji und Roman Bürki: Was uns noch zum Titel fehlt

Autor : Sven Westerschulze | 15.01.2020

SPORT BILD: Herr Bür­ki, Herr Akanji, Bay­ern-Trai­ner Hansi Flick hat zum Start der Vor­be­rei­tung eine Tri­ple-Prä­sen­ta­tion ge­zeigt, um seine Spie­ler heiß auf Titel zu ma­chen. Wie haben Sie sich auf die Rück­runde ein­ge­stimmt?

MA­NUEL AKANJI (24): Wir wol­len alles ver­su­chen, um nach oben zu kom­men, die­ses Ziel hat noch nie­mand ab­ge­schrie­ben. Aber ak­tu­ell sind wir nicht in der Po­si­tion, jeden Tag dar­über zu re­den. Wir müs­sen hart ar­bei­ten, um die ers­ten Spiele al­le­samt zu ge­win­nen. Damit be­schäf­ti­gen wir uns.

Sie hal­ten die Meis­ter­schaft also immer noch für mög­lich …

ROMAN BÜRKI (29): Na­tür­lich. Wir haben viel Qua­li­tät in der Mann­schaft, wahr­schein­lich sogar mehr als in der ver­gan­ge­nen Sai­son. Es hat ein biss­chen ge­dau­ert, bis wir die Neu­zu­gänge sport­lich in­te­griert und uns ge­fun­den ha­ben. Die­sen Pro­zess haben wir ab­ge­schlos­sen.

AKANJI: Und ich habe lie­ber im Win­ter sie­ben Punkte Rück­stand und stehe am Sai­son­ende ganz oben als um­ge­kehrt. Dass so ein Ab­stand auf­zu­ho­len ist, haben wir letz­tes Jahr ge­se­hen – lei­der.

Was hat dem BVB ge­fehlt: Rei­fe? Mut?

AKANJI: Ich hatte das Ge­fühl, dass wir uns in der Rück­runde an­fangs noch nicht rich­tig be­wusst wa­ren, dass wir wirk­lich Meis­ter wer­den kön­nen. Das hatte nicht mit feh­len­der Reife oder zu wenig Mut zu tun. Es waren Klei­nig­kei­ten. Die volle Über­zeu­gung bei Päs­sen, die letzte Kon­se­quenz in Zwei­kämp­fen, das fehlte manch­mal. Sol­che Pro­zesse lau­fen un­ter­be­wusst ab. Nie­mand macht ab­sicht­lich Feh­ler.

BÜR­KI: Das stimmt. Wir haben viele junge Spie­ler, die nach der star­ken Hin­runde mit Lob von allen Sei­ten über­häuft wur­den. Der eine oder an­dere dachte viel­leicht, dass es dann von selbst läuft, war nur mit 99 und nicht mit 100 Pro­zent bei der Sa­che. Dann reicht es nicht. Sol­che Er­fah­run­gen ge­hö­ren zu einem Rei­fe­pro­zess dazu. Das ist nor­mal.

Die BVB-Bosse haben ihren Feh­ler, im Som­mer auf einen großen Stoß­stür­mer zu ver­zich­ten, kor­ri­giert und jetzt Er­ling Haa­land ver­pflich­tet. Wie sehr hat die­ser Spie­ler­typ ge­fehlt?

BÜR­KI: Unser Mit­tel­stür­mer Paco Al­cá­cer hat in der ver­gan­ge­nen Sai­son 18 Liga-Tore ge­schos­sen, auch Marco Reus und Jadon San­cho haben viele Tref­fer er­zielt. Des­halb war es viel­leicht im Som­mer die Über­zeu­gung, auch ohne einen großen Spie­ler im Sturm­zen­trum er­folg­reich zu sein. Die Geg­ner haben sich ir­gend­wann aber auf unser Kom­bi­na­ti­onss­piel ein­ge­stellt, für Flan­ken von außen fehlte im Straf­raum die Grö­ße. Des­halb sind wir froh, dass Er­ling da ist. Wir sind nun fle­xibler.

Was fehlt dem BVB noch zu einem ech­ten Spit­zen­team?

AKANJI: Kon­stanz. Das Ende der Hin­runde war lei­der ein Bei­spiel da­für. Wir ge­win­nen vier Spiele in Serie und las­sen dann gegen Leip­zig und Hof­fen­heim völ­lig un­nö­tig fünf Punkte lie­gen, ob­wohl wir beide Par­tien über weite Stre­cken do­mi­niert ha­ben. Das darf uns nicht pas­sie­ren. Wenn wir etwas er­rei­chen wol­len, dür­fen wir uns das nicht er­lau­ben.

In bei­den Spie­len haben Sie ge­führt. Macht sich auf dem Platz zu schnell Selbst­zu­frie­den­heit breit – oder gar Ar­ro­ganz?

AKANJI: Nein, wir spie­len ja nicht gegen Ama­teu­re. Eine Par­tie über 90 Mi­nu­ten zu do­mi­nie­ren ist nur ganz sel­ten mög­lich. 10 bis 15 schwä­chere Mi­nu­ten kön­nen mal vor­kom­men, aber in denen dür­fen wir ein Spiel trotz­dem nicht aus der Hand ge­ben. Sol­che Pha­sen müs­sen wir als Mann­schaft bes­ser über­ste­hen. Zu oft haben wir Punkte ver­lo­ren, weil wir uns fuß­bal­le­risch naiv an­ge­stellt ha­ben.

Haben Sie in allen drei Wett­be­wer­ben die Chance auf den Ti­tel, wenn Sie kon­stant auf­tre­ten und dumme Feh­ler ab­stel­len?

AKANJI: Wir kön­nen an guten Tagen jede Mann­schaft schla­gen, in­so­fern glaube ich in jedem Spiel an einen Sieg!

BÜR­KI: So wol­len wir auf­tre­ten – und müs­sen es auch. Der Ver­ein hat vor der Sai­son ein Ziel aus­ge­ge­ben. Wir ver­su­chen al­les, um es zu er­rei­chen. Es ist kein Muss, aber wir ver­su­chen es. So haben wir das be­spro­chen. Es geht nur mit der rich­ti­gen Ein­stel­lung und ab­so­lu­tem Wil­len.

War es für die Fo­kus­sie­rung gut, die Meis­ter­schaft vor der Sai­son als kla­res Ziel ver­mit­telt zu be­kom­men?

BÜR­KI: Aus mei­ner Sicht ja. Für mich war es das erste Mal, dass mein Ver­ein einen Titel als Ziel aus­ruft. Mich hat es noch mehr mo­ti­viert, es spornt mich noch mehr an.

Wann un­ter­schrei­ben Sie Ihren neuen Ver­trag?

BÜR­KI: Ein paar Ge­sprä­che sind dafür schon noch nö­tig, aber jeder weiß ja, wie wohl ich mich hier füh­le. Die Ent­wick­lung und die Am­bi­tio­nen des BVB ge­fal­len mir, wir haben die glei­chen Zie­le: Titel ge­win­nen. Ich bin sehr ehr­gei­zig.

Roman Bürki spricht auch nach Spie­len Klar­text, spricht Pro­bleme sehr di­rekt an. Sind Sie da manch­mal über­rascht, Herr An­kanji?

BÜR­KI: Das bin ich manch­mal hin­ter­her von mir sel­ber. Dann denke ich dar­über nach, ob ich meine Kri­tik auch an­ders for­mu­lie­ren hätte kön­nen. Ich will nicht jede Woche der böse Bürki sein, der seine Mit­spie­ler zu­sam­men­staucht. Aber ich mache das nur, wenn ich der Mei­nung bin, dass Dinge so­fort an­ge­spro­chen wer­den müs­sen, bevor sie zu einer falschen Ent­wick­lung füh­ren. Das kön­nen die Jungs schon gut ein­schät­zen.

Es gibt das hart­nä­ckige Ge­rücht, Ihre hüb­sche Freun­din Mar­len be­sitze ein Schalke-Tat­too. Stimmt das?

BÜR­KI: (lacht) Ich habe das auch schon ge­hört, aber das stimmt nicht. Ich mag ihre Tat­toos, eines von die­sem Ver­ein ist da si­cher nicht da­bei.

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