BVB belächelt Hoeneß-Drohung

Autor : Sven Westerschulze | 27.02.2019

Der Bayern-Boss stichelt schon vor dem Gipfel am 6. April. Der BVB gibt sich locker, ist zurück in der Erfolgsspur

Die Droh-Ansage aus München bekamen BVB-Trainer Lucien Favre (61) und seine Spieler gar nicht mit. Als Bayern-Präsident Uli Hoeneß (67) den Dortmundern am Sonntagmittag im SPORT1 Doppelpass die „Hölle“ für ihr Gastspiel am 6. April in der Allianz Arena ankündigte, hielt Favre im Hotel „l’Arrivée“ gerade die Mannschaftssitzung vor dem Spiel gegen Leverkusen (3:2) ab. Auch die BVB-Bosse bekamen die Hoeneß-Aussage erst am Tag danach mit – und reagieren unbeeindruckt. „Wir kommentieren keine Aussagen aus München. Das haben wir in den vergangenen Monaten nicht gemacht und haben auch nicht vor, an unserer Herangehensweise in naher Zukunft etwas zu verändern. Wir beschäftigen uns ausschließlich mit Borussia Dortmund“, sagt Hans-Joachim Watzke (59) zu SPORT BILD.

Der Showdown wirft seine Schatten voraus: In sechs Wochen kommt es zum Gipfeltreffen zwischen dem derzeitigen Spitzenreiter und dem Serienmeister. Hoeneß ist sicher: „An diesem Tag wird die Meisterschaft vorentschieden.“

Auch bei den Dortmunder Spielern erweckt seine „Höllen“ – Ankündigung keine Angst. Der Tenor: Wer die Stimmung im aufgeladenen Signal-Iduna-Park kennt, kann sich ein Höllen-Szenario in München kaum vorstellen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bayern ihre Arena zur Hölle aufheizen. Ähnlich äußerte sich Karl-Heinz Rummenigge (63) 2014 vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid. Die Spanier fügten dem FCB anschließend eine schmerzhafte 0:4-Heimpleite zu.

Der Sieg war ganz wichtig, um unsere Position zu festigen

Michael Zorc

Vor dem Spiel gegen Bayer bezog der BVB bereits am Vortag das Teamhotel – bei Abendspielen eine sonst eher unübliche Maßnahme. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Am Ende siegte der BVB mit 3:2. Kann dieser Sieg Kräfte freisetzen – wie das irre 4:2 in der Hinrunde, als Dortmund einen 0:2-Rückstand drehte? „Der Sieg war ganz wichtig, um unsere Position zu festigen“, sagt Sportdirektor Michael Zorc (56). Die Serie von zuvor fünf sieglosen Spielen ist beendet, das „Friseur-Gate“ vor dem Rückspiel gegen Tottenham abgehakt. Als SPORT BILD Axel Witsel (30) nach dem Sieg-Geheimnis gegen Bayer fragte, antwortete er: „Wir haben uns vor dem Spiel nicht die Haare schneiden lassen.“ Zum Verständnis: Am Abend vor dem Champions-League-Spiel bei Tottenham hatten die Borussen einen Friseur ins Hotel kommen lassen und verbreiteten die Fotos über die sozialen Medien. Am Tag danach gab es eine 0:3 Klatsche! Was folgte, war Kritik an der unprofessionellen Spielvorbereitung!

Gut für den BVB: Abwehrchef Manuel Akanji (23) kehrte nach seiner hartnäckigen Hüftverletzung zurück und rückte gegen Leverkusen nach zwei Monaten Pause direkt in die Startelf. Für den Innenverteidiger hatte Favre unter der Woche sogar extra einen Geheimtest am Trainingsgelände in Brackel angeordnet. Am Donnerstag setzte er kurzfristig ein Elf-gegen-elf-Trainingsspiel an, um Akanjis Fitnesszustand zu überprüfen und ihn in die neu formierte Viererkette zu integrieren. Sein zweiter Kniff: Neben Axel Witsel ließ er Julian Weigl (23) im defensiven Mittelfeld ran. Der spielstarke Sechser sollte gegen offensive Leverkusener schnelle Angriffe initiieren. Favre entwickelte die Idee, als er Bayers Euro-Aus gegen Krasnodar im TV verfolgte. Für Weigl setzte er Thomas Delaney (27) auf die Bank. Favres Mut zahlte sich aus. Das 2:1 durch Jadon Sancho (18) leitete Weigl glänzend ein.

An diesem Tag wird die Meisterschaft entschieden

Uli Hoeneß

Auch am Freitag hatte Favre nochmals intensiv mit der Abwehrreihe gearbeitet, während seine Co-Trainer sich um den Rest des Teams kümmerten. Mit Erfolg: Alle sieben Ligaspiele, in denen Akanji mit Dan-Axel Zagadou (19) die Innenverteidigung bildete, gewann Dortmund. In Gefahr geriet der Sieg in der Schlussphase trotz fünf Minuten Nachspielzeit nicht mehr. „Am Ende haben wir es besser und konsequenter verteidigt als in den Wochen zuvor“, sagt Zorc. Für den Sportdirektor war es ein „wichtiges Zeichen“, dass der BVB auch ohne seinen Kapitän gewinnen kann. Die Partie gegen Leverkusen verfolgte Marco Reus (29) noch in der Loge seines Ausrüsters.

Am Freitag in Augsburg kann der Star nach ausgeheiltem Muskelfaserriss selbst wieder ran und Spielpraxis sammeln – für die Hölle in München … 

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