Darum ist Roman Bürki plötzlich ein Riese

Autor : Sven Westerschulze | 17.04.2019

Wie sich eine Meister-Explosion in Dortmund anfühlt, weiß er spätestens seit vergangenen Samstag um 20.20 Uhr. Mit drei Giganten-Paraden in vier Sekunden rettete Roman Bürki (28) seinem BVB nicht nur das 2:1 gegen Mainz – sondern auch die Hoffnung auf die erste Schale seit 2012.

Über 80 000 Fans im Stadion und alle Mitspieler dankten ihm dafür mit lauten „ROMAN BÜRKI“-Schlachtrufen vor der Südtribüne. Szenen, die vor einem Jahr noch als undenkbar galten. Der Schweizer war ein Unsicherheitsfaktor, bekam den Spottnamen „Gürki“ verpasst. Heute ist er der große Titel-Trumpf der Schwarz-Gelben!

„Riese Roman“

So wurde Ex-Keeper Roman Weidenfeller (38) getauft, der zweimal mit dem BVB Meister wurde. „Riese Roman“ – das gilt jetzt auch für Bürki! Warum ist er auf einmal so stark?

Mit Matthias Kleinsteiber (41) hat Bürki nach dem Abgang von Wolfgang „Teddy“ de Beer (55) seit Saisonbeginn einen neuen Torwarttrainer. In den Einheiten wird er deutlich stärker gefordert, hat darum seine Extra-Schichten, die er sonst selbst eingelegt hat, um physisch topfit zu sein, reduziert. Dazu hat Bürki mithilfe eines Mentaltrainers an seiner Ausstrahlung gearbeitet. Jetzt vermittelt er dem Team viel mehr Sicherheit.

Für mich ist es überhaupt kein Tabu-Thema. Jede Kleinigkeit, die hilft, sollte man als Spieler in Anspruch nehmen, um so gut wie möglich zu werden

sagt Bürki über den Mentaltrainer. Die Coolness spüren auch die Mitspieler. „Wenn wir in einem Spiel mal eine schwächere Phase durchmachen, ist es gut, so einen sicheren Rückhalt zu haben. Roman hat eine hervorragende Entwicklung genommen“, sagt Sportdirektor Michael Zorc (56).

In dieser Saison hat Bürki 72 Prozent aller Torschüsse abgewehrt – so viele wie nie zuvor seit seinem Wechsel vom SC Freiburg zum BVB 2015. In allen wichtigen Leistungskriterien hat er sich verbessert. Weidenfeller lobt seinen Nachfolger:

Er bringt konstant stabile Leistungen und ist ein Garant dafür, dass der BVB noch Chancen auf die Meister schaft hat. Ich freue mich für ihn.

Bürki hat sich zum echten Leader entwickelt. Er sucht die Gespräche mit seinen Mitspielern, spricht Fehler intern und extern deutlich an. Wer nicht genug für den Erfolg brennt, bekommt Feuer von ihm.

Beispiel: Nach dem Zittersieg gegen Mainz kritisierte er: „Es kann nicht sein, dass wir im eigenen Stadion so hinten reingedrängt werden. Man hatte das Gefühl, dass Mainz zwei Spieler mehr hatte. Das werde ich mit den Jungs besprechen.“

Zorc sagt: „Roman ist noch mal gereift und in seinem Auftreten forscher geworden. In der vergangenen Saison war es nicht einfach für ihn. Wie die gesamte Mannschaft war auch er von der Unsicherheit angesteckt.“

Vor rund einem Jahr hatte Bürki die Zuschauer für Pfiffe während des Heimspiels gegen Freiburg (2:2) stark kritisiert: „Die sollen lieber zu Hause bleiben. Das sind Leute, die keine Ahnung von Fußball haben.“ Heute sagt er: „Ich war immer bereit. Aber ich habe lernen müssen, mit dem Spiel als Torwart des BVB umzugehen. Oft kommt eine ganze Weile kein Ball aufs Tor, und plötzlich musst du da sein.“

In den letzten fünf Saisonspielen muss er genau wie seine Kollegen voll da sein. In Freiburg, gegen Schalke, in Bremen, gegen Düsseldorf, in Gladbach. Um sich voll auf die Titeljagd zu konzentrieren, hat Bürki in der Winterpause sogar seinen vorübergehenden Rücktritt aus der Schweizer Nationalmannschaft erklärt.

Hinter Gladbachs Yann Sommer (30) war er jahrelang nur die Nummer zwei. Jetzt genießt Bürki die Auszeiten zwischen den Spielen, bekommt regelmäßig Besuch von seinem Vater Martin. In jungen Jahren ermutigte der Papa seinen zweifelnden Sohn zum Probetraining beim Schweizer Spitzenklub Young Boys Bern – der Startschuss für Bürkis Karriere. Heute ist Roman ein Riese, der seine herausragende Saison mit einer Meisterexplosion krönen kann!

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