Der Dortmunder Titel-Plan

Autor : Sven Westerschulze | 14.08.2019

Den 2:0-Sieg in der ersten Pokalrunde gegen Uerdingen verfolgte Matthias Sammer (51) gemeinsam mit Hans-Joachim Watzke (60). Während der BVB-Boss vor Anpfiff extrem angespannt war, ließ sich BVB-Berater Sammer im VIP-Raum des Düsseldorfer Stadions entspannt das Rote Thai Curry mit Nudeln schmecken.

Sammer weiß, wie stark Dortmund in dieser Saison ist. Binnen zwei Jahren ist die Borussia wieder zum Titelkandidaten gewachsen. Sammer hat die Entwicklung mit angestoßen, Watzke die Meisterschaftsambitionen untermauert. Jetzt soll erstmals seit 2012 wieder die Schale her!

Aus der Startelf des 1. Spieltags 2017/18 stehen, Stand jetzt, zum Saisonauftakt am Samstag gegen Augsburg nur noch zwei Akteure auf dem Rasen: Torwart Roman Bürki (28) und Vize-Kapitän Lukasz Piszczek (34).

Seitdem wurden, wie Sammer in der Amazon-Dokumentation „Inside Borussia Dortmund“ sagt, „ein paar Transfers getätigt, um der Mannschaft wieder ein Gesicht zu geben“. Das hatte der BVB nach dem Pokaltriumph 2017 und der Trennung von Trainer Thomas Tuchel (45) in Rekordzeit verloren. Sportdirektor Michael Zorc (56) gibt zu:

Die Saison 2017/18 war sehr lehrreich für uns. Deshalb haben wir uns zu tiefgreifenderen Maßnahmen und Konsequenzen entschlossen. Wir hatten keine Balance im Team und waren zu einfach zu schlagen.

Millionen–Flops wie Andrej Yarmolenko (29, 25 Mio. Ablöse), Maximilian Philipp (25, 20 Mio. Ablöse) und Jeremy Toljan (25, 7 Mio. Ablöse), 2017 erst verpflichtet, sind schon wieder weg.

Intern fand ein radikales Umdenken statt, der Führungskreis um Watzke und Zorc wurde um Sammer und Sebastian Kehl (39) erweitert. Das neue BVB-Credo lautete: Mentalität schlägt Schönspielerei, Erfahrung ist ebenso nötig wie Talent. 218 Millionen Euro investierte der Klub dafür seit vergangenem Sommer. Zusammen mit Zorc war Sammer der Antreiber für Dortmunds Königstransfer: Axel Witsel (30).

„Matthias hat in unseren Sitzungen immer schon – ohne dass wir wussten, dass Axel Witsel auf den Markt kam – einen Spielertypen charakterisiert, der uns fehlt. Ich weiß noch, dass Michael irgendwann sagte, dass Witsel auf den Markt kommt. Da waren wir alle vier extrem elektrisiert, weil es genau der Typ war, den wir uns als Wunschspieler gemalt hatten“, verrät Watzke. 

Um Witsel und Kapitän Marco Reus (30) bauten die Bosse ein neues Gebilde. Zur Meisterschaft reichte es in der vergangenen Saison trotz zwischenzeitlich neun Punkten Vorsprung auf Bayern aber nicht. Für diese Saison lag der Fokus auf deutschsprachigen Spielern: Frühzeitig waren die Transfers der beiden Nationalspieler Julian Brandt (23) und Nico Schulz (26) fix, ebenso die Verpflichtung des Belgiers Thorgan Hazard (26), der gut Deutsch spricht. In der vergangenen Rückrunde reifte bei den Verantwortlichen die Erkenntnis, dass neben Reus und Witsel eine weitere Führungsfigur her muss.

Es war der Auslöser für die Rückkehr von Mats Hummels (30). Die Hoffnungen, mit dem Weltmeister über eine titelreife Defensive zu verfügen, sind größer als die Bedenken, dass der Ex-Kapitän die Hierarchie umwirft. Der spielintelligente Hummels gilt als perfekter Nebenmann zum antrittsstarken Akanji, auch Lucien Favre (61) war mit dem Transfer schnell einverstanden.

Damit der große Coup gelingt, muss auch Favre liefern. SPORT BILD kennt seine Meisterprämie: Bringt Favre die Schale zum Borsigplatz, kassiert er eine Million Euro extra. Ob ihm dafür die stärkste Mannschaft seiner Trainerkarriere zur Verfügung steht?

„Das könnte sein“, sagt der Schweizer. Trotz – oder gerade wegen – des Luxuskaders warten Herausforderungen auf ihn: Real-Leih-gabe Achraf Hakimi (20), der schon im Sommer am liebsten nach Madrid zurückgekehrt -wäre, droht zum Problem zu werden, wenn er weiter auf der Bank sitzt.

Julian Weigl (23) hat seine Wechselgedanken trotz Startelfplatz in Supercup und DFB-Pokal noch nicht ad acta gelegt. Favre will ihn halten, muss für einen Verbleib des Defensiv-Allrounders Überzeugungsarbeit leisten. Und in der üppig besetzten Offensive muss er Mario Götze (27) und Brandt eine Perspektive bieten. Dauerhaft wird sich keiner der beiden mit der Bank zufriedengeben.

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