Sein Tor brachte Dortmund den ersten Sieg über Schalke seit drei Jahren
Aktuell aus
Sanchos Tor brachte Dortmund den ersten Sieg über Schalke seit drei Jahren Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Derby-Held Jadon Sancho: Vom Schnösel zum Superstar

Sein Tor brachte Dortmund den ersten Sieg über Schalke

Nach seinem dritten Derby auf Schalke ging Jadon Sancho (18) am Samstag zum ersten Mal als Sieger vom Feld. Bei Dortmunds 0:2-Niederlage im April war er eingewechselt worden, seinen ersten Auftritt in Gelsenkirchen hatte der Youngster damals gerade erst vier Wochen zuvor mit Dortmunds U 19 absolviert (2:4). Als Strafmaßnahme.

SPORT BILD erfuhr: In jener Woche war Sancho gleich dreimal nicht pünktlich zum Training erschienen. Ex-BVB-Coach Peter Stöger (52) griff durch und strich den stets lockeren Engländer für die Bundesliga-Partie gegen Frankfurt (3:2) aus dem Profikader. Sancho musste mit dem Nachwuchs auf Schalke ran – was in seinem Umfeld für Verärgerung sorgte. Tenor: Der BVB habe 2017 keinen Jugendspieler, sondern ein Top-Talent mit Starpotenzial verpflichtet.

Aber: Die Suspendierung für das Frankfurt-Spiel war der Weckruf. Sie und ein Klartext-Gespräch mit BVB-Sportdirektor Michael Zorc (56) brachten Sancho zum Umdenken. Seitdem blüht der Dribbler auf, ist inzwischen Stammspieler – und verhält sich viel professioneller. Den Deutsch-Unterricht beim BVB nimmt er ernster als noch in seinen ersten Monaten in Deutschland.

Seine positive Entwicklung vom Schnösel zum Superstar haben auch die BVB-Verantwortlichen mit Zufriedenheit registriert. „Jadon hat in den letzten Monaten einen großen Schritt gemacht. Nicht nur, was seine sportliche, sondern auch was seine persönliche Entwicklung betrifft“, sagt Sebastian Kehl (38), der Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. „Trotzdem darf man nicht vergessen, dass er noch sehr jung ist. Deshalb werden wir weiter behutsam mit ihm umgehen.“

Auf Schalke glänzte Sancho nicht nur als Siegtorschütze, sondern auch als Teamplayer. Obwohl seine Großmutter zwei Tage vor dem Spiel verstorben war, wollte Sancho seine Mannschaft im so wichtigen Derby nicht im Stich lassen: Am Donnerstag flog er zu seiner Familie in die Heimat, am Abschlusstraining tags darauf nahm er aber wieder teil. „Der Tod seiner Großmutter war ein schwerer Schicksalsschlag für Jadon. Er hat sich kaum etwas anmerken lassen, aber wir haben gespürt, wie sehr es ihn bewegt“, sagt Kehl: „Deshalb haben wir ihn für das Champions-League-Spiel nicht mit nach Monaco genommen, sondern nach Hause zu seiner Familie gelassen.“

Gegen Bremen am Samstag ist Sancho wieder dabei. In 21 Pflichtspielen war der Flügelflitzer an 15 Treffern beteiligt, sechs davon erzielte er selbst. Gegen Hertha rettete sein Doppelpack ein Remis (2:2), auf Schalke war Sancho erneut der entscheidende Mann. Kehl sagt: „Er hat sportlich tolle Wochen hinter sich.“ Und seinen Vertrag beim BVB kürzlich bis 2022 verlängert.

Im Oktober gab der Dribbler sogar als erster Spieler eines 2000er-Jahrgangs sein Debüt für die englische Nationalmannschaft, stieg von der U 19 direkt ins A-Team auf. „Auch der Sprung war sehr rasant. Wir sind sehr zufrieden mit Jadon und werden weiter gemeinsam mit ihm an seiner Entwicklung arbeiten“, erklärt Kehl.

Ganz ohne Extravaganz kommt Sancho indes nicht aus. Für einen Haarschnitt lässt er seinen Friseur aus England einfliegen ...