Die Wahrheit über Erling Haaland

Autor : Sven Westerschulze | 08.01.2020

Ende der Woche ist es so­weit – dann soll Erling Haaland (19) zum ers­ten Mal mit sei­nen neuen Team­kol­le­gen trai­nie­ren. „Wir gehen davon aus, dass er noch in die­ser Woche ins Mann­schafts­trai­ning ein­steigt. Wir wol­len ihn so schnell wie mög­lich in­te­grie­ren“, sagt Sport­di­rek­tor Mi­chael Zorc (57) über den Stür­mer. Ob­wohl der 20 Mil­lio­nen Euro teure Zu­gang bis­lang wegen Knie­beschwer­den nur in­di­vi­du­ell trai­nie­ren konn­te, dreht sich im Trai­nings­la­ger in Mar­bella alles um ihn.

Beim BVB herrscht Haa­land-Hys­te­rie!

An­ders als bis­lang an­ge­nom­men la­bo­riert der Nor­we­ger schon län­ger an Knie­pro­ble­men, sein letz­tes Spiel über 90 Mi­nu­ten be­stritt er am 10. No­vem­ber 2019. Weil Salz­burg aber bis zum letz­ten Grup­pen­spiel­tag der Cham­pi­ons League Mitte De­zem­ber die Chance auf die K.o.-Runde be­saß, biss sich Haa­land durch. Seit ver­gan­ge­nem Sams­tag ist er nun mit sei­nem neuen Klub in Spa­ni­en. „Er hatte an­fangs noch ein wenig Trai­nings­rück­stand, wir füh­ren ihn be­hut­sam an die Mann­schaft ran. Wenn Er­ling fit ist, bringt er ein neues Ele­ment in unser Spiel.

Wir wer­den ihn in unser Sys­tem in­te­grie­ren und dann si­cher viel Freude an ihm ha­ben,

sagt Lu­cien Favre (62) zu SPORT BILD.

Dort­munds Trai­ner be­kommt mit dem 1,94 Meter großen An­grei­fer jetzt den Stür­mer­typ, gegen den er sich im Som­mer noch ge­wehrt hat­te. Weil Haa­land trotz sei­ner Kör­per­größe aber über eine starke Tech­nik und viel Tempo (36 km/h) ver­fügt, sagt Fa­vre: „Es ist ein guter Trans­fer für uns. Er­ling ist ein sehr in­ter­essan­ter Spie­ler, der sein Kön­nen mit 19Jah­ren schon nach­ge­wie­sen hat. Trotz­dem hat er noch eine Menge Ent­wick­lungs­po­ten­zial. Das wol­len wir aus ihm her­aus­ho­len.“

Bis 2024 hat das Su­per-Ta­lent, das auch von Ju­ve­n­tus Tu­rin, Man­che­s­ter Uni­ted, Chel­sea und RB Leip­zig ge­jagt wur­de, in Dort­mund un­ter­schrie­ben. Um sich Haa­lands Dienste zu si­chern, ließ sich der BVB erst­mals seit Jah­ren wie­der auf eine Aus­stiegs­klau­sel bei einem sei­ner Spie­ler ein. Nach SPORT BILD-In­for­ma­tio­nen greift diese in Haa­lands Ver­trag ab 2022. Den­noch ist des­sen Ver­pflich­tung für die Bo­rus­sia ein wich­ti­ges Si­gnal im Kampf mit den in­ter­na­tio­na­len Spit­zenklubs.

Zorc be­tont: „Was die Ar­beit mit jun­gen Spie­lern an­geht, kann sich un­sere Vi­si­ten­karte sehen las­sen. Das wis­sen mitt­ler­weile fast alle Top-Ta­lente in Eu­ro­pa. Spie­ler wie Ro­bert Le­wan­dow­ski, Pi­er­reE­me­rick Au­ba­meyang, Ilkay Gün­do­gan, Ous­mane Dem­bélé, Jadon San­cho und viele an­dere haben ganz spe­zi­elle Ent­wick­lun­gen beim BVB ge­nom­men. Damit müs­sen wir uns nicht ver­ste­cken.“

Was seine Aus­sage stützt: Bei an­de­ren Klubs hätte Haa­land mehr Ge­halt kas­sie­ren kön­nen als die acht Mio. Euro, die er jetzt beim BVB ver­dient. Um den Knip­ser vom Wech­sel zu über­zeu­gen, bekam der von der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung der Schwarz-Gel­ben im De­zem­ber ein Vi­deo. In knapp einer Mi­nute sah der Tee­na­ger in dem Kurz­film Sze­nen von der Gel­ben Wand, rie­si­gen Cho­reo­gra­fien, be­son­de­ren Toren und his­to­ri­schen Tri­um­phen. Das Video sollte die Emo­tio­na­li­tät des Klubs trans­por­tie­ren. Haa­land war be­ein­druckt. Aus­rüs­ter Puma bezog der BVB indes ent­ge­gen Me­dien­be­rich­ten aus Eng­land nicht mit in den Poker ein. Es war kol­por­tiert wor­den, dass ein Puma-An­ge­bot hilf­reich für Haa­land sei, um sei­nen per­sön­li­chen Ver­trag mit Kon­kur­rent Nike lu­kra­ti­ver ge­stal­ten zu kön­nen. Der Puma-Vor­stands­vor­sit­zende Bjørn Gul­den (54), zu­gleich Mit­glied des BVB-Auf­sichts­rats, stellt ge­gen­über SPORT BILD klar:

„Ich war aus­schließ­lich als Nor­we­ger be­tei­ligt, der sei­nen Vater kennt, weil ich mit ihm frü­her in Bryne zu­sam­men­spiel­te, und als BVB-Auf­sichts­rat. Puma war aber weder mit dem Spie­ler noch mit sei­nem Be­ra­ter in Kon­tak­t.“

Ob Haa­land schon beim Rück­run­den­auf­takt nächste Woche Sams­tag in Augs­burg in der Star­telf steht, ist noch frag­lich, ob­wohl der Sohn von Ex-Profi Alf-Inge Haa­land auf eine be­son­dere Fit­ness­me­thode ver­traut.

Beim Bio-Hacking sol­len Er­näh­rung, Be­we­gung und Schlaf op­ti­miert wer­den. Haa­land setzt dazu auf die Kraft der Son­ne. Ver­gan­ge­nes Jahr stand er im Trai­nings­la­ger mit Salz­burg ex­trem früh auf, um am Mor­gen die ers­ten Sonnen­strah­len auf sich wir­ken zu las­sen.

Auf den BVB hat vor allem seine Tor­quote mit 22 Tref­fern in 28 Pflicht­spie­len in die­ser Sai­son ge­wirkt. Zorc ist über­zeugt:

Er hat seine Qua­li­tä­ten nicht nur in Ös­ter­reich, son­dern auch auf höchs­tem Ni­veau in der Cham­pi­ons League nach­ge­wie­sen.

Er­ling ist ein Roh­dia­mant, der am An­fang sei­ner Ent­wick­lung steht. Wir wol­len ihn lang­fris­tig zu einem kom­plet­ten Spie­ler for­men. Aber na­tür­lich ist unser Plan, dass er uns schon in der Rück­runde wei­ter­hel­fen wird.“

Das An­fang De­zem­ber ein ge­führte 3-5-2-Sys­tem dürfte Favre durch die Ver­pflich­tung des Tor­jä­gers leicht ab­än­dern. Mit Haa­land als Ziel­spie­ler in der Spitze könnte der BVB künf­tig im 3-4-2-1 auf­lau­fen, hin­ter dem Tor­jä­ger wir­beln dann Jadon San­cho (19) und Marco Reus (30). Th­or­gan Ha­zard (26) droht trotz guter Hin­runde die Bank. Dass Favre an der de­fen­si­ven Drei­er­kette fest­hal­ten will, war in den ers­ten Ein­hei­ten in Mar­bella be­reits zu er­ken­nen. „Mit einer Drei­er­kette hat die Mann­schaft mehr Sta­bi­li­tät im Ab­wehr­zen­trum. Das hilft, um den Spie­lern Si­cher­heit zu geben -ge­rade in Pha­sen, wo das Selbst­ver­trauen viel­leicht nicht ganz so groß ist“, sagt Dort­munds eins­ti­ger Meis­ter­trai­ner Ott­mar Hitz­feld (70) zu SPORT BILD und er­klärt, warum auch er diese Va­ri­ante für sinn­voll beim BVB hält.

„Ein wei­te­rer Vor­teil ist, dass die Au­ßen­ver­tei­di­ger of­fen­si­ver agie­ren und mehr Druck ent­fa­chen kön­nen. Beide haben durch die Drei­er­kette mehr Frei­hei­ten im Spiel nach vorn und kön­nen sich in jeden An­griff ein­schal­ten. Zu of­fen­sivstar­ken Ver­tei­di­gern wie Ha­ki­mi, Schulz oder Guer­reiro passt das na­tür­lich sehr gut.“

Doch ist die Dreier­kette auch ti­tel­taug­lich? Sie­ben Punkte muss Bo­rus­sia Dort­mund in der Rück­runde auf den Spit­zen­rei­ter RB Leip­zig auf­ho­len. Der letzte Meis­ter, der in mehr als der Hälfte sei­ner Be­geg­nun­gen mit Drei­er­kette spiel­te, war der FC Bay­ern – vor 19 Jah­ren! Trai­ner da­mals war Hitz­feld. Der sagt: „Ich habe 2001 bei Bay­ern Mün­chen mit Drei­er­kette spie­len las­sen, und wir haben die Meis­ter­schaft und die Cham­pi­ons League ge­won­nen. Des­halb würde ich nicht sa­gen, dass man mit Drei­er­kette keine Titel ge­win­nen kann.“

So sieht der BVB mit Haa­land aus

Mit Er­ling Haa­land ver­fügt Dort­mund jetzt über den Mit­tel­stür­mer, der in der Hin­runde ver­misst wur­de. Vom 3-5-2 dürfte der BVB in ein 3-4-2-1-Sys­tem wech­seln mit dem 1,94-Me­ter-Mann als Ziel­spie­ler im Sturm­zen­trum. Marco Reus und Jadon San­cho kom­plet­tie­ren das Of­fen­siv­trio. Die Al­ter­na­ti­ve: Reus agiert im 3-5-2 wei­ter als Zeh­ner, Haa­land und San­cho bil­den dann das Sturm­duo.

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