Favre soll bleiben - Stand jetzt!

Autor : Sven Westerschulze | 24.06.2020

Sams­tag, 15.30 Uhr, im Si­gnal-Iduna-Park in Dort­mund. Der BVB muss am 34. Spiel­tag gegen die TSG Hof­fen­heim ran. Lu­cien Favre (62) sitzt zum letz­ten Mal in die­ser Sai­son auf der Trai­ner­bank des BVB. Ob er dort in der kom­men­den Spiel­zeit auch noch mal Platz neh­men darf, ist eine der span­nends­ten Fra­gen der Liga. Die Fak­ten: Der Ver­trag des Schwei­zers läuft noch bis 2021. Ein kla­res Be­kennt­nis zu Favre gab es von den BVB-Bos­sen Hans-Joa­chim Watzke (61) und Mi­chael Zorc (57) aber auch nach dem 2:0 in Leip­zig und der per­fek­ten Vi­ze­meis­ter­schaft nicht.

Klare Aus­sa­gen tra­fen nur die Spie­ler. „Ich bin nicht froh über die Vi­ze­meis­ter­schaft. Ich will Meis­ter wer­den“, sagt Er­ling Haa­land (19). Auch An­füh­rer Mats Hum­mels (31) ist im At­ta­cke-Mo­dus: „Wir wol­len nächste Sai­son einen Platz nach oben rut­schen. Der Titel muss immer das Ziel sein, wenn man eine sol­che Mann­schaft hat.“

Der ganze Ver­ein lechzt nach der Meis­ter­scha­le, Ver­ant­wort­li­che wie Spie­ler. Und der Trai­ner? Der sträubte sich bis­lang stets gegen Meis­ter-An­sa­gen – auch ein Grund, wes­halb Favre in Dort­mund um­strit­ten ist.

SPORT BILD be­leuch­tet vor dem Sai­son­fi­nale die drei Mög­lich­kei­ten, wie es mit Favre und dem BVB wei­ter­geht und wel­che die wahr­schein­lichste ist …

Op­tion 1: Favre bleibt Die Va­ri­an­te, die plötz­lich die wahr­schein­lichste ist!

Was durch den bes­ten Punk­te­schnitt aller BVB-Trai­ner (Fa­vre: 2,16 Punkte pro Spiel; Tu­chel: 2,09; Klopp: 1,91) in der Bun­des­liga ein­fach er­klär­bar wäre, kommt den­noch über­ra­schend. In Dort­mund gab es in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten Über­le­gun­gen, Favre zur neuen Sai­son durch einen an­de­ren Trai­ner zu er­set­zen. Ex-Bay­ern-Coach Niko Kovac (48) wurde ebenso ge­han­delt wie Ajax-Trai­ner Erik ten Hag (50) und Salz­burgs Jesse Marsch (46).

Nach SPORT BILD-Info sieht man beim BVB der­zeit al­ler­dings kei­nen ver­füg­ba­ren Kan­di­da­ten, der eine bes­sere Al­ter­na­tive zu Favre dar­stellt. Wunsch­trai­ner Ju­lian Na­gels­mann (32) steht bei RB Leip­zig unter Ver­trag, ist nicht zu ha­ben. Daher soll Favre blei­ben – Stand jetzt. Auch wenn die Bosse wis­sen, dass der Zu­sam­men­halt sehr wahr­schein­lich wei­ter auf die Probe ge­stellt wer­den wür­de. Die Ge­fahr, dass die Trai­ner­frage gleich in der ers­ten Krise wie­der auf­taucht, ist groß.

Aber: Fa­vres Be­zie­hung zur Mann­schaft ist in­takt. Die Spie­ler wis­sen, dass sie vom ru­hi­gen Schwei­zer keine flam­men­den An­spra­chen er­war­ten kön­nen, schät­zen den de­tail­ver­lieb­ten Tak­tik­tüft­ler aber für sein re­spekt­vol­les Auf­tre­ten im Um­gang mit­ein­an­der. Dazu hat er in der Vor­sai­son in kür­zes­ter Zeit einer völ­lig ver­un­si­cher­ten Mann­schaft eine neue Spie­li­dee ver­mit­telt, seit Amts­an­tritt zahl­rei­che Zu­gänge ins Team in­te­griert und Ta­lente wie Jadon San­cho (20) und Achraf Ha­kimi (21) zu Stars ge­formt. Ganz ne­ben­bei er­zielte eine BVB-Mann­schaft in der Bun­des­liga noch nie so viele Tore wie in die­ser Sai­son unter Favre (84), ge­wann 13 von 16 Rück­run­den­spie­len.

Es sieht da­nach aus, dass Favre im drit­ten Jahr noch ein­mal die Chance be­kom­men wird zu zei­gen, dass er Titel ge­win­nen kann.

Wahr­schein­lich­keit: 70 Pro­zent

Op­tion 2: Favre fliegt Das Sze­na­rio, das über Mo­nate hin­weg zu­letzt als das wahr­schein­lichste galt!

Dass die BVB-Ver­ant­wort­li­chen nicht zu 100 Pro­zent von Favre über­zeugt sind, wurde zu­letzt noch mal deut­lich. Eine Job-Ga­ran­tie für die neue Sai­son bekam der Schwei­zer bis­lang nicht. Im Ge­gen­teil: Boss Watzke er­klärte in den „Ruhr Nach­rich­ten“, dass „die Vi­ze­meis­ter­schaft mit die­ser Mann­schaft unser An­spruch sein muss, min­des­tens“ – und es „ganz wich­tig ist, dass wir uns und un­se­ren Er­folg nicht nur über die Bun­des­liga de­fi­nie­ren“. Dass der BVB unter Favre in DFB-Po­kal und Cham­pi­ons League stets im Ach­tel­fi­nale schei­ter­te, schmeckt den Bos­sen über­haupt nicht. Vor Fa­vres Amts­an­tritt im Som­mer 2018 stand die Bo­rus­sia in sie­ben Jah­ren fünf­mal im Po­kal­fi­na­le. Schon im März nach dem Kö­nigs­klas­sen-Aus gegen PSG be­rich­tete SPORT BILD, dass Favre vor allem wegen des Ver­sa­gens in Al­les-oder­-nichts-Spie­len das Aus zum Sai­son­ende dro­hen kön­ne.

Wahr­schein­lich­keit: 15 Pro­zent

Op­tion 3: Favre schmeißt hin

Kurz nach dem Meis­ter-K.o. durch die 0:1-Nie­der­lage gegen Bay­ern platzte es aus Favre her­aus. Auf die Fra­ge, ob der BVB mit ihm keine Titel ge­win­nen kön­ne, ant­wor­tete der Trai­ner: „Das sagt man hier seit Mo­na­ten. Ich weiß, wie es geht, und werde dar­über in ein paar Wo­chen spre­chen. Ich bleibe ruhig und ver­traue mir.“ So­fort wur­den Dis­kus­sio­nen über einen Rück­tritt des Schwei­zers nach Sai­son­ende laut, Favre ru­derte einen Tag spä­ter in einer breit an­ge­leg­ten Me­die­nof­fen­sive zu­rück.

Fakt ist: Favre weiß, dass er nicht die un­ein­ge­schränkte Rücken­de­ckung sei­ner Bosse hat und spürt nur be­dingt Wert­schät­zung. Er weiß, dass der Druck auf ihn in der neuen Sai­son nicht ge­rin­ger wird. Dazu kommt: Die Ziel­vor­gabe Meis­ter­schaft hält er mit Dort­munds Kader für schwer rea­li­sier­bar, die Bay­ern-Mann­schaft ist nach sei­ner Ein­schät­zung deut­lich bes­ser be­setzt. In Glad­bach schmiss Favre 2015 hin, als er das Ge­fühl hat­te, dem Ver­ein nicht mehr wei­ter­hel­fen zu kön­nen. Das ist beim BVB jetzt aber an­ders -mit einem Be­kennt­nis der Bosse im Rücken ist ein frei­wil­li­ger Ab­gang un­wahr­schein­lich.

Wahr­schein­lich­keit: 15 Pro­zent

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Änderungen können Sie in ihren Browsereinstellungen vornehmen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite Datenschutz & Cookies
Weiter