Haaland passt zu uns wie Arsch auf Eimer

Autor : Sven Westerschulze | 05.03.2020

Dortmunds Geschäftsführer erklärt, warum der Torjäger so beliebt ist und der BVB seine Asienreise absagt. Zur Verteilung der TV-Gelder wird er deutlich

SPORT BILD: Herr Cra­mer, haben Sie im Ver­trag mit dem neuem Tri­kot-Spon­sor 1&1 schrift­lich fest­ge­legt, dass das Un­ter­neh­men nicht in sei­nen Far­ben Blau-Weiß, son­dern i n Schwarz-Weiß auf dem BVB-Tri­kot wer­ben muss?

CARS­TEN CRA­MER (51): Es gibt ver­schie­dene Va­ria­tio­nen, mit denen wir uns ge­mein­sam mit 1&1 be­fas­sen. Schwarz-Weiß ist keine Be­stim­mung, mög­lich ist auch nur Schwarz – das hängt von der Tri­kot­farbe ab. Ich kann aber si­cher ver­spre­chen, dass die Farbe Blau nicht auf un­se­ren Tri­kots auf­tau­chen wird.

Der BVB ist damit – wie schon bei der vir­tu­el­len Ban­den­wer­bung – Vor­rei­ter in der Bun­des­li­ga. Müs­sen Sie so krea­tiv sein, um mit dem FC Bay­ern mit­hal­ten zu kön­nen?

Wir tref­fen keine Ent­schei­dun­gen, um mit an­de­ren Klubs zu kon­kur­rie­ren, son­dern um selbst bes­ser zu wer­den. Mit die­ser Lö­sung ist es uns ge­lun­gen, die Ein­nah­men im Spon­so­ring zu stei­gern und un­se­ren lang­jäh­ri­gen Part­ner Evo­nik, der wei­ter in allen Po­kal­wett­be­wer­ben unser Tri­kot ziert, wei­ter an uns zu bin­den.

Ich verspreche, dass die Farbe Blau nicht auf unseren Trikots auftaucht

Freuen Sie sich bei Er­ling Haa­land mehr über seine Tore oder die Strahl­kraft, zu der er dem BVB welt­weit ver­hilft?

Über seine Tore na­tür­lich. Mit denen hilft er uns am meis­ten. Dar­über hin­aus gibt er aber allen auch das Ge­fühl, dass er rich­tig Bock hat, Schwarz-Gelb zu tra­gen. Er­ling hat sich dem Ver­ein in sehr kur­zer Zeit schon mit Haut und Haa­ren ver­schrie­ben. Das spü­ren die Men­schen.

Hilft es dem Ver­ein in der Au­ßen­dar­stel­lung, wenn ein Spie­ler den Klub-Slo­gan „Echte Lie­be“ so zur Schau stellt?

Auf jeden Fall. Er­ling kann Her­zen öff­nen und Men­schen be­geis­tern. Er ver­kör­pert den BVB mit Emo­tio­na­li­tät und Lei­den­schaft – genau so, wie un­sere Fans es tun. Auch des­halb haben ihn un­sere Fans so schnell in ihre Her­zen ge­schlos­sen, nicht nur wegen sei­ner Tore. Er­ling passt zu uns wie Arsch auf Ei­mer!

Der Poker um die TV-Rechte der Bun­des­liga von 2021 bis 2025 läuft ge­rade an. Mit wel­chen Ein­nah­men rech­nen Sie. In die­ser Sai­son gibt es 1,16 Mil­li­ar­den. Sind bald 1,5 Mil­li­ar­den Euro pro Sai­son rea­lis­tisch?

Es hilft nie­man­dem, jetzt For­de­run­gen auf­zu­stel­len. Die­ses Thema ist bei Chris­tian Sei­fert in sehr guten Hän­den. Viel wich­ti­ger ist, dass wir Ver­eine die Bun­des­liga für Rech­te­neh­mer at­trak­tiv hal­ten bzw. sie noch at­trak­ti­ver ma­chen. Sie brin­gen uns schließ­lich in die Wohn­zim­mer und in viele Fan-Her­zen. Der Fuß­ball muss für alle er­reich­bar sein. Wir müs­sen uns immer wie­der vor Augen füh­ren, dass die Recht­e­in­ha­ber wich­tige Part­ner sind und ihnen dement­spre­chend In­halte an­bie­ten, mit denen sie Mehr­wert er­zeu­gen kön­nen – na­tio­nal wie in­ter­na­tio­nal.

Wir sollten die Verdienste bestimmter Vereine anerkennen

Über die Ver­tei­lung der in­ter­na­tio­na­len TV-Gelder herrscht Un­ei­nig­keit zwi­schen den Ver­ei­nen. Stimmt es, dass die großen Klubs wie Dort­mund und Bay­ern zu­guns­ten der klei­nen Ver­eine auf Ein­nah­men ver­zich­ten sol­len?

Ich finde es wich­tig und ge­recht, das Ver­ur­sa­cher-Prin­zip mehr wert­zu­schät­zen und würde mir wün­schen, dass man­che Klubs zu­al­ler­erst ihre ei­ge­nen Po­ten­ziale op­ti­mie­ren, statt die Hände auf­zu­hal­ten. Wir soll­ten uns nicht um die Ver­tei­lung strei­ten, son­dern die Ver­dienste be­stimm­ter Ver­eine an­er­ken­nen. Würde ich mich – um ein Bei­spiel zu nen­nen – in der Si­tua­tion von Dr. Jan Leh­mann (Kauf­män­ni­scher Vor­stand des FSV Mainz 05; d. Red.) be­fin­den, und mein Sta­dion wäre ak­tu­ell sel­ten prall ge­füllt, dann läge mein Haupt­au­gen­merk genau dar­auf. Und eben nicht dar­auf, Geld aus einem Topf zu for­dern, in den ich selbst nur wenig in­ves­tiert habe.

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Als Ver­tre­ter des BVB kön­nen Sie das leicht sagen …

Wir be­trei­ben für un­sere Wahr­neh­mung einen enor­men Auf­wand. Na­tür­lich rei­sen wir in ers­ter Linie für Bo­rus­sia Dort­mund nach Asien oder in die USA. Davon pro­fi­tiert aber die kom­plette Bun­des­li­ga, ebenso wie von sämt­li­chen Mar­ke­ting- und Me­dia-Ak­ti­vi­tä­ten, die wir vor Ort ab­sol­vie­ren. Es ist aus mei­ner Sicht wich­tig an­zu­er­ken­nen, dass Bay­ern Mün­chen und wir als Lo­ko­mo­tive fun­gie­ren. Wenn man die­ser Lo­ko­mo­tive aber stän­dig Bäume auf die Gleise wirft, dann fährt sie ir­gend­wann lang­sa­mer. Um im Bild zu blei­ben: Wir alle soll­ten schon etwas wei­ter den­ken als nur bis zur nächs­ten Hal­te­stel­le.

Nach zwei Jah­ren in den USA soll es die­sen Som­mer für den Klub nach Asien auf PR-Tour ge­hen. Wie gehen Sie mit dem Co­rona-Vi­rus um?

Ab­so­lut ge­wis­sen­haft und ver­ant­wor­tungsbewusst. Wir er­grei­fen sämt­li­che Schutz­maß­nah­men, die nötig sind. Die Si­cher­heit der Mann­schaft und aller Mit­ar­bei­ter des BVB hat immer oberste Prio­ri­tät. Die ge­plante Asi­en­reise wer­den wir lei­der ab­sa­gen müs­sen. Das tut uns sehr leid.

Gibt es schon einen Al­ter­na­tiv­plan?

Wir haben ei­nige Of­fer­ten und wer­den alle prü­fen. Ent­schei­den wir uns für eine Rei­se, muss sie zu 100 Pro­zent ver­ant­wort­bar und ohne Ri­siko für alle Be­tei­lig­ten sein.

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