Hans-Joachim Watzke kündigt Gespräche mir Peter Stöger an.
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Hans-Joachim Watzke kündigt Gespräche mir Peter Stöger an. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Hans-Joachim Watzke kündigt Gespräche mit Peter Stöger an

Stöger soll bei Champions-League-Quali bleiben

Seinen Spielern gab Peter Stöger (51) am Tag nach dem 2:0 gegen den HSV frei. Sich selbst gönnte der Österreicher keine Auszeit, obwohl er am Wochenende ein wenig verschnupft war.

Vor dem TV verfolgte Dortmunds Trainer die 0:1-Pleite des kommenden Ligagegners Gladbach und ging danach gleich in die Analyse über. Es passt ins Bild, das er seit seinem Amtsantritt in Dortmund abgibt. Als aufmerksam und akribisch beschreiben ihn seine Spieler, denen Stöger in dieser Zeit Stück für Stück das Selbstbewusstsein zurückgegeben und sie nach dem Absturz auf Platz acht wieder in die Champions-League-Ränge geführt hat.

Der Lohn: Stöger soll über den Sommer hinaus BVB-Trainer bleiben und einen langfristigen Vertrag unterschreiben!

Mit 15 Punkten aus sieben Spielen hat er nicht nur jede Menge Eigenwerbung betrieben, sondern auch Julian Nagelsmann (30) im Rennen um den Trainerposten ausgestochen. Das BVB-Interesse an dem Coach von 1899 Hoffenheim ist nach SPORT BILD-Info deutlich abgekühlt.

Stattdessen ist die Führung um Klub-Boss Hans-Joachim Watzke (58) mittlerweile auf Stöger-Kurs umgeschwenkt und plant eine gemeinsame Zukunft. Obwohl die Schwarz-Gelben unter Stöger mit Ausnahme des 2:1-Erfolgs gegen Nagelsmanns Hoffenheimer bislang nur auf Teams aus der unteren Tabellenhälfte trafen, ist klar: Schafft er die Champions League, bleibt er Borusse.

„Wir haben zu Peter Stöger ein großartiges Vertrauensverhältnis. Zu gegebener Zeit werden wir entsprechende Gespräche führen und Entscheidungen bekannt geben“, kündigt Watzke jetzt in SPORT BILD an und lässt durchblicken, dass der Österreicher auch an der Ausrichtung des künftigen BVB-Kaders nicht unbeteiligt ist. „Wir bekommen von ihm klare Einschätzungen, die vor allem Michael Zorc, der für die Kaderplanung verantwortlich ist, benötigt.“

Stöger selbst steht dem Thema Vertragsverlängerung aufgeschlossen gegenüber. „Wenn die Aufgabe beim BVB für mich nicht interessant wäre, hätte ich sie ja gar nicht erst angenommen“, sagt er zu SPORT  BILD.

„Er hat noch kein Spiel verloren. Wenn er weiterhin keines verliert, wären wir schön blöd, wenn wir das nicht weitermachen würden“, ließ Watzke am Sonntag beim Sky-Talk „Wontorra“ durchblicken. Zur Freude von Stöger: „Solche Worte lassen mich nicht ganz kalt. Natürlich ist es angenehm zu hören, wenn die Verantwortlichen nicht unzufrieden mit meiner Arbeit sind. Aber für mich ändert sich dadurch nichts. Der Fokus liegt weiter auf unseren sportlichen Zielen. Wir wollen wieder in die Champions League, darauf konzentriere ich mich.“

Dabei schien der ehemalige FC-Coach bei seinem Amtsantritt am 10. Dezember – eine Woche nachdem er in Köln entlassen worden war – lediglich eine Notlösung zu sein. Zum einen, weil der BVB ihn nur mit einem Kontrakt bis Ende Juni ausstattete. Zum anderen, weil Nagelsmann schon als Dortmunds Wunschkandidat für die neue Saison ausgemacht war – spätestens aber 2019. Die Umstände haben sich seitdem allerdings geändert: Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp (77) hat Nagelsmann für den Sommer ein Wechselverbot erteilt, sportlich hat der Shootingstar der neuen Trainer zum ersten Mal mit Widerständen zu kämpfen.

Stöger hat es dagegen in kürzester Zeit geschafft, die Spieler, den Verein und das Umfeld für sich zu begeistern. Der Mannschaft hat er die defensive Stabilität zurückgegeben. In sieben Begegnungen unter ihm spielte der BVB dreimal zu null. Davor war die Borussia zuletzt am 5. Spieltag Mitte September beim 3:0 in Hamburg ohne Gegentor geblieben. Durch seinen Umgang mit dem wechselwilligen Pierre-Emerick Aubameyang (28) verschaffte er sich zudem innerhalb des Teams Respekt. So ließ er den inzwischen abgewanderten Torjäger beim Rückrunden-Auftakt gegen Wolfsburg erst noch das Anschwitzen am Vormittag mitmachen, ehe er ihn wegen des Schwänzens von Mannschaftssitzungen für die Partie am Abend aus dem Kader strich.

Zorc lobt den Trainer: „Er macht hervorragende Arbeit. Ich erinnere daran, wie viel Unruhe durch die ganzen Wechselgerüchte in die Mannschaft hineingetragen wurde. Peter managt die Situation sehr, sehr gut.“

Wie gut die Beziehung zwischen dem Trainer und den Verantwortlichen ist, verriet Watzke vergangene Woche auf einer CDU-Veranstaltung in Hamm: „Es ist wohltuend, mit Peter zusammenzuarbeiten, weil er sich total auf Borussia Dortmund einlässt. Dieses Gefühl habe nicht nur ich, sondern auch Michael Zorc. Wir agieren als geschlossene Einheit, das erinnert mich ein bisschen an die Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp.“ Stöger bestätigt: „Unsere Zusammenarbeit ist stimmig und verläuft sehr positiv.“

Auch wenn er selbst ungern Parallelen zu seinem erfolgreichen Vor-Vor-Vorgänger zieht, sind es ihre Gemeinsamkeiten, die seine Sympathiewerte bei der Borussia steigen lassen. Ähnlich wie der BVB-Meistertrainer ist Stöger begeisterungsfähig, empathisch, nahbar. So stellte er sich bei fast allen Mitarbeitern persönlich vor – den Angestellten im Fanshop am Stadion genauso wie in der Vorstandsetage.