Der BVB-Start verrät, warum ein Wechsel nach Paris kein Thema war
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Der BVB-Start verrät, warum ein Wechsel nach Paris kein Thema war Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Julian Weigl verrät, warum ein Wechsel nach Paris kein Thema war

Entscheidung für Favre und gegen Tuchel

Endlich kann sich Julian Weigl (22) wieder voll auf den Fußball konzentrieren. Nicht nur die Überlastung des Adduktoren-Ansatzes, die ihm seit der Endphase der vergangenen Saison zu schaffen machte, ist inzwischen abgeklungen.

Auch die dauerhaften Spekulationen um einen Wechsel zu Paris St-Germain haben vorerst ein Ende. Wochenlang wurde Weigl mit dem französischen Topklub und dessen neuem Trainer Thomas Tuchel (45) in Verbindung gebracht.

"Es gab von meiner Seite aus keine Bereitschaft, den BVB in diesem Sommer zu verlassen"

„Dass diese Gerüchte aufkommen würden, war mir schon in dem Moment klar, als Thomas Tuchel als neuer Paris-Trainer feststand. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich beim BVB sehr gut mit ihm verstanden habe und er mich auf das Level geführt hat, auf dem ich heute bin. Ich habe mich also auf die Situation vorbereitet. Als die Gerüchte dann irgendwann die Runde machten, war es mir anfangs egal“, verrät der BVB-Star im Gespräch mit SPORT BILD. Dann traf ihn die Wucht der täglichen Meldungen aber doch. „Spätestens, als in den Medien eine angebliche Zusage von mir verkündet wurde, mich enge Freunde anriefen und fragten, warum ich ihnen nichts von meinem Wechsel erzählt hätte, fing das Thema an zu nerven.“

Mit Tuchel führte er mehrere Gespräche. Der hätte ihn gerne nach Paris geholt. Ein konkretes Angebot gab es nicht, weil Weigl eine klares Zeichen sendete: „Es gab von meiner Seite aus keine Bereitschaft, den BVB in diesem Sommer zu verlassen.“ In Dortmund reifte er in zwei Jahren unter Tuchel (2015 – 2017) vom Zweitliga- zum Nationalspieler, verlängerte seinen Vertrag im Winter 2016 langfristig bis 2021. Sein rasanter Aufstieg wurde im Mai 2017 durch einen Bruch des Sprunggelenks gestoppt, danach fand er weder unter Peter Bosz noch unter Peter Stöger zurück zu seiner Topform. „Die vergangene Saison war bislang die schwerste in meiner Karriere. Ich habe viel nachgedacht und analysiert, was ich hätte anders machen können. Ich habe meine Lehren daraus gezogen. Jetzt gilt es, diese positiv umzusetzen und gemeinsam mit der Mannschaft den vom Trainer eingeschlagenen Weg zu gehen“, sagt der Mittelfeldstratege. 

Er muss jetzt beweisen, auch unter einem anderen Coach als Tuchel zu funktionieren. Weigl sagt: „Der Trainer spielt schon eine wichtige Rolle, um als Spieler sein Top-Niveau zu erreichen. Wenn er auf deiner Position einen anderen Spielertypen bevorzugt, wird es selbst mit richtig guten Trainingsleistungen schwer, dich anzubieten. Für mich ist es schon wichtig, dass ein Trainer signalisiert, dass er mit mir plant und arbeiten will.“ Vom neuen BVB-Coach Lucien Favre (60) ist er überzeugt: „Im Training merke ich, dass ich mich auf meiner Position wieder sehr wohlfühle. Ich weiß, was von mir verlangt wird, habe aber trotzdem meine Freiheiten. Ich habe bei Lucien Favre ein gutes Gefühl.“ Der Trainer umgekehrt auch: „Er ist eine Nummer sechs, aber er kann auch weiter vorne spielen. Und das in verschiedenen Systemen. Julian hat ein enormes Potenzial“.

"Wenn ich wieder auf mein Top-Level komme und beim DFB gebraucht werden, werde ich da sein"

Dass der BVB besonders im zentralen Mittelfeld – Weigls Kernarbeitsgebiet – viel investiert und Axel Witsel (29, 20 Mio. von Tianjin Quanjian) sowie Thomas Delaney (27, 20 Mio. von Werder Bremen) verpflichtet hat, sieht Weigl gelassen. „Ich wurde in die Planungen nicht involviert, aber habe die Transfers auch nicht als Kritik an meiner Person oder Leistung empfunden. Im Gegenteil: Wir möchten ein europäisches Spitzenteam sein, diesem Anspruch sind wir in der letzten Saison nicht gerecht geworden. Und dann ist es nur logisch, dass die Verantwortlichen personell reagieren. Spielertypen wie Axel und Thomas brauchen wir, um unsere Ziele erreichen zu können. Dafür will ich auch meine Stärken in die Mannschaft einbringen. Ich bin sicher, dass wir im Mittelfeld gut harmonieren und voneinander profitieren können.“ 

Er selbst hat sich hohe Ziele gesteckt: „Ich habe jetzt ein ganz wichtiges Jahr vor mir. Ich will mich anbieten, gute Leistungen abliefern und zeigen, was in mir steckt. Wenn ich gesund bleibe und beim BVB überzeuge, dann hoffe ich natürlich, dass ich wieder für die Nationalmannschaft spielen kann. Aber ich mache mich deshalb nicht verrückt.“

Ein Bericht von den SPORT BILD-Redakteuren Sven Westerschulze und Axel Hesse