Kann Moukoko schon Bundesliga?

Autor : Sven Westerschulze | 15.04.2020

Wie sich das Leben als ech­ter Star an­fühlt, das weiß Yous­soufa Mou­koko (15) schon. Das Wun­der­kind des BVB spielt noch in der U19, er­füllt aber seit Jah­ren nach jedem Spiel Au­to­gram­m und Fo­towün­sche.

Mega-Knip­ser Mou­koko ist das größte Juwel im deut­schen Nach­wuchs.

Die Tor­jä­ger­liste der A-Ju­nio­ren Bun­des­liga West führt er mit 34 Tref­fern nach nur 20 Spie­len an – ob­wohl seine Ge­gen­spie­ler teil­weise bis zu vier Jahre älter sind als er! Am 20. No­vem­ber wird Mou­koko 16 Jahre alt, ist dann auch für die Pro­fis spiel­be­rech­tigt. Aber: Kann Mou­koko schon Bun­des­li­ga?

Seine un­glaub­li­che Torquote der ver­gan­ge­nen Jahre spricht klar da­für. Und: Mit Gio­vanni Reyna (17) hat ge­rade ein wei­te­res Top-Ta­lent beim BVB gezeigt, dass der Schritt zu den Pro­fis schon sehr früh klap­pen kann. Ex-BVB-Profi Jür­gen Koh­ler (54) trai­niert die U19 von Vik­to­ria Köln, in den bei­den Du­el­len die­ser Sai­son gegen den BVB traf Mou­koko drei­mal. Koh­ler sagt über ihn:

„Er bringt die An­la­gen mit, um Bun­des­liga zu spie­len. Das sieht man an sei­nen Be­we­gun­gen. Seine Stär­ken kom­men im letz­ten Drit­tel zu tra­gen, spe­zi­ell im Straf­raum. Er ist wach, schlitz­oh­rig und ab­schlus­stark.“

Durch einen neuen Beschluss der DFL dür­fen Ta­lente künf­tig schon mit 16 Jah­ren bei den Pro­fis mit­spie­len. Sport­di­rek­tor Mi­chael Zorc (57) sagt: „Wir tun gut dar­an, die Er­war­tungs­hal­tung an Yous­soufa nicht zu hoch zu schrau­ben. Die Rah­men­be­din­gun­gen für Profi-Ein­sätze von ab­so­lu­ten Aus­nah­me­spie­lern in die­sem Alter sind jetzt ge­schaf­fen, aber wir bauen des­halb über­haupt kei­nen Druck auf ihn auf.“ Die BVB-Ver­ant­wort­li­chen sind über­zeugt, dass Mou­koko den Sprung in den Pro­fi­ka­der schaf­fen wird – Bo­rus­sia zählte zu den In­itia­to­ren des An­trags. Den­noch will der Klub sein Su­per-Ta­lent be­hut­sam an die Bun­des­liga her­an­füh­ren.

Se­bas­tian Kehl (40), Lei­ter der Li­zenz­spie­ler­ab­tei­lung, sagt: „Es wird immer eine Ein­zel­fall­ent­schei­dung ge­ben, die nicht nur an­hand der sport­li­chen Fä­hig­kei­ten ge­trof­fen wer­den wird. Hier­bei spie­len kör­per­li­che und men­tale Aspek­te, aber auch die Per­sön­lich­keit des Spie­lers eine große Rol­le. Wir wer­den alle damit sehr ver­ant­wor­tungs­be­wusst um­ge­hen.“ Zorc und Kehl wis­sen: So­bald Mou­koko erst­mals bei den Pro­fis auf­taucht, wird der Hype um ihn noch grö­ßer.

Auch BVB-Ka­pi­tän Marco Reus (30) will den Druck auf Mou­koko nicht ins Un­er­mess­li­che stei­gen las­sen: „Er ist ein Klasse-Junge und au­ßer­ge­wöhn­lich ta­len­tiert für sein Al­ter. Aber ich glau­be, dass wir ihm alle einen großen Ge­fal­len tun wür­den, wenn wir nicht so viel über ihn re­den. Ich würde ihm wün­schen, dass er sich ruhig ent­wi­ckeln kann.“ Reus er­in­nert sich dabei an sei­nen ei­ge­nen Auf­stieg zu­rück: „Nach mei­nem Wech­sel zu Glad­bach – und da war ich im­mer­hin schon 20 – hat mein da­ma­li­ger Trai­ner Mi­chael Frontzeck, nach­dem mich Me­dien als ,Ra­ke­te‘ be­zeich­ne­ten, ge­tobt und ein In­ter­view-Ver­bot für mich aus­ge­spro­chen. Wenn Yous­soufa heute für un­se­ren Nach­wuchs spielt, be­rich­ten zehn Me­dien dar­über. Über ihn gibt es bei Youtube un­zäh­lige Vi­deos. Ich glaube nicht, dass das in die­ser In­ten­si­tät gut für ihn ist. Wie soll man das in dem Alter ver­ste­hen? Ich hätte es da­mals nicht ge­konnt.“

Als war­nen­des Bei­spiel dient den Dort­mun­dern die Ent­wick­lung von Jann-Fiete Arp (20) beim HSV. Als Mega-Ta­lent im Alter von 17 Jah­ren im Sep­tem­ber 2017 zu den Pro­fis ge­holt, wurde der An­grei­fer nach zwei Tref­fern in sei­nen ers­ten drei Ein­sät­zen zum Hoff­nungs­trä­ger des gan­zen Ver­eins er­klärt. Als Tee­na­ger sollte Arp den HSV vor dem Ab­stieg be­wah­ren, er­zielte unter dem Druck bis zum Sai­son­ende aber kei­nen wei­te­ren Tref­fer mehr. In­zwi­schen spielt Arp bei Bay­ern Mün­chen, meist aber bei der U23 in der 3. Liga.

Was Arp und Mou­koko trotz­dem ver­bin­det, ist ihr Aus­rüs­ter. Mou­koko un­ter­schrieb vor knapp einem Jahr einen lang­fris­ti­gen Ver­trag bei Nike. Für die Un­ter­schrift kas­sierte er eine Mil­lion Euro – das Ge­samt­pa­ket be­läuft sich im Er­folgs­fall sogar auf bis zu zehn Mil­lio­nen Euro. In die­ser Hin­sicht kas­siert Mou­koko schon wie ein Pro­fi.

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