Manuel Akanji ist der teuerste BVB-Verteidiger der Geschichte.
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Manuel Akanji ist der teuerste BVB-Verteidiger der Geschichte. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Manuel Akanji ist der teuerste BVB-Verteidiger der Geschichte

Qualität zählt, nicht Ablöse

Sport Bild: Herr Akanji, mit knapp 20 Millionen Euro Ablöse sind Sie der teuerste BVB-Verteidiger aller Zeiten ...

Manuel Akanji (22): … davon habe ich mal gehört. Stimmt das wirklich?

Ja. Eine Bürde oder Auszeichnung für Sie?

Weder noch. Das sagt doch nichts über mich aus. Es gibt auch Verteidiger, die weniger gekostet haben und trotzdem richtig gut sind. Daran muss ich mich messen lassen. Auf dem Platz zählt die Qualität, nicht die Ablöse. Ich will den Leuten Leistung zeigen und nicht das Preisschild, das mir von manchen umgehängt wird.

Kennen Sie Virgil van Dijk?

Im Vergleich zu ihm bin ich ein Schnäppchen (Liverpool holte Verteidiger van Dijk im Winter für 84 Mio. Euro; d. Red.), ebenso wie zu vielen anderen Neuzugängen in den Top-Ligen Europas. So ist nun mal die Entwicklung im Fußball. Ich will mich beim BVB weiterentwickeln und stetig verbessern. Wer weiß: Vielleicht bin ich einem Verein in ein paar Jahren ja auch mal so viel Geld wert. Wir Spieler haben darauf keinen Einfluss.

Anders als beim FC Basel sind Sie in Dortmund noch kein Stammspieler. Machen Sie sich Sorgen, dass Ihre Chancen auf ein WM-Ticket in der Schweizer Nationalelf schwinden?

Auch darüber habe ich nachgedacht, als ich mich für den Wechsel nach Dortmund entschied. Aber die Chance ist größer als die Angst. Ich habe die Gelegenheit, in einer der besten europäischen Ligen zu spielen und mich täglich im Training mit Topspielern zu messen und zu verbessern. Und, um Ihre Frage zu beantworten: Nein! Ich bin zum BVB gewechselt, um mich noch besser auf die WM vorbereiten zu können.

Vor drei Jahren kickten Sie noch in der 2. Liga der Schweiz, wechselten im Sommer 2015 von Winterthur nach Basel. Jetzt sind Sie eines der gefragtesten Abwehr-Talente Europas. Wie gelingt so ein rasanter Aufstieg?

Es ging wirklich alles sehr schnell, obwohl ich mir im März 2016 das Kreuzband gerissen habe. Da bin ich knapp elf Monate ausgefallen. Vielleicht wäre meine Entwicklung sogar noch schneller vorangegangen, wenn ich in dem Jahr kontinuierlich gespielt hätte. Aber ich bin sehr glücklich, welche Richtung meine Karriere eingeschlagen hat.

Dabei hatten Sie den Traum vom Profifußballer in Ihrer Jugendzeit beim FC Winterthur fast schon begraben ...

Als ich 15, 16 Jahre alt war, hatten alle einen Wachstumsschub – nur ich nicht. Ich zählte zu den kleinsten und schmächtigsten Spielern in der Mannschaft und war meinen Gegenspielern körperlich unterlegen. Ich gehörte nicht zu den Besten und hatte die hundertprozentige Überzeugung in eine Profikarriere verloren ...

... und parallel dazu eine Ausbildung begonnen.

Ich habe eine kaufmännische Lehre angefangen, weil ich nicht wusste, wie es mit dem Fußball weitergehen würde. Ich habe in einem Treuhandbüro gearbeitet, Einblicke in Politik und Wirtschaft bekommen und weiß sogar, wie man eine Steuererklärung ausfüllt (lacht).

Der Fußball war nicht mehr der Lebensmittelpunkt?

Nein, eine Zeit lang nicht mehr. In den ersten beiden Jahren meiner Ausbildung bin ich an zwei Tagen in der Woche zur Schule, die anderen drei zur Arbeit gegangen. Nachmittags bin ich zum Training, habe aber mehr zum Spaß gespielt. Zum Glück war mein Chef Fußballfan. Denn als ich es in Winterthur doch zu den Profis geschafft habe, wurde es durch das Training am Vormittag problematisch.

Wie haben Sie den Sprung doch noch geschafft?

Weil meine Mutter immer recht hat! Sie hat mir jedes Mal, wenn ich mit mir gehadert habe, gesagt, dass mein Vater auch erst sehr spät gewachsen und kräftiger geworden sei. Ich glaubte ihr nicht, aber mit 17, 18 Jahren war es dann auch bei mir so. Ich wurde größer, breiter, kräftiger und spürte, dass mein Traum wieder auflebt. Da habe ich mich voll auf den Fußball konzentriert und noch härter an mir gearbeitet.

Haben Sie mit Krafttraining oder besonderer Ernährung nachgeholfen?

Meine Mutter hat mir nur noch Proteine gegeben. Nein, im Ernst: Ich habe mich nicht anders ernährt als vorher und auch kein übermäßiges Krafttraining gemacht. Plötzlich kam dieser körperliche Schub – der scheint tatsächlich in meinen afrikanischen Genen zu liegen. Das hat mich auch mental richtig gepusht.

Ihre Mutter ist Schweizerin, Ihr Vater Nigerianer ...

Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen, habe Nigeria nur ein paarmal als Kind besucht. Ich habe eher wenige Berührungspunkte zu dem Land und der afrikanischen Kultur, außer mein Vater kocht mal. Ich bevorzuge aber die europäische Küche, mein Lieblingsgericht ist Cordon Bleu.

Ihr Lieblingsklub ist Manchester United. Warum?

Meine Sympathie für ManU begann, als Cristiano Ronaldo 2003 ins Old Trafford wechselte. Ein paar Jahre später auch Nani. Die beiden haben mich in der Jugend sehr inspiriert.

Obwohl Sie auf einer ganz anderen Position spielen?

Heute ja, aber damals nicht. Früher war ich auch Flügelspieler. Umgeschult wurde ich erst in der A-Jugend, nachdem ich in relativ kurzer Zeit deutlich kräftiger und robuster geworden war. Zunächst war ich Außenverteidiger, bis mein Trainer mehr körperliche Präsenz im Zentrum wollte. Als Innenverteidiger ging ich dann auch in die U 21, seitdem spiele ich nur noch auf dieser Position.