Peter Stöger spielt das Klopp-System
Aktuell aus
Peter Stöger spielt das Klopp-System Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Peter Stöger spielt das Klopp-System

Gleiche Ansprache, gleiche Mannschaftsführung

Es war eine Ansprache, wie sie beim BVB lange keiner mehr gehört hatte. Nach einer völlig mutlosen Halbzeit beim Pokal-Aus vor Weihnachten gegen den FC Bayern (1:2) forderte Trainer Peter Stöger (51) seine Spieler in der Pause auf, endlich als Männer in der Allianz Arena aufzutreten.

Weder laut noch wütend, eher lässig und herausfordernd packte er seine Profis, die er gerade mal eine Woche kannte, an der Ehre. Solche Worte hatte es in der BVB-Kabine zuletzt unter Ex-Trainer Jürgen Klopp (50) gegeben– und das ist neben dem gleichen Look mit Kappe, Brille und Trainingsanzug längst nicht die einzige Ähnlichkeit der beiden.

Die Spieler schätzen neben der offenen Kommunikation des Österreichers vor allem dessen Lockerheit. Auch Stögers Philosophie erinnert die erfahreneren Spieler an ihren ehemaligen Coach. „Wir reden viel übers Verteidigen und darüber, nicht mehr so hoch anzugreifen. Ähnlich wie unter Jürgen Klopp: hinten gut stehen und schnell umschalten“, verrät Lukasz -Piszczek (32).

Schon in seinen ersten drei Spielen vor der Winterpause legte Stöger Wert auf defensive Stabilität. Er wandte sich vom offensiven 4-3-3 seines Vorgängers Peter Bosz ab und gab dem Team die Sicherheit zurück. Auf eine feste Formation will Stöger sich noch nicht festlegen, ein 4-1-4-1 ist für ihn ebenso denkbar wie ein 4-2-3-1. Jenem System, mit dem Klopp beim BVB zwei Meistertitel (2011, 12) und einen DFB-Pokalsieg (2012) feierte.

„Wir wollen so flexibel wie möglich sein. Dabei ist auch eine Doppelsechs eine Überlegung“, sagt Stöger. An Titel denkt er nicht, nur an mehr Kompaktheit als Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde.

„Jeder Mannschaftsteil und jeder einzelne Spieler soll wissen, welche Aufgaben er in der Defensive und wie er zu verteidigen hat. Da ähneln sich Jürgen Klopp und Peter Stöger“, sagt Kapitän Marcel Schmelzer (29). „Und für uns als Mannschaft macht es das generell einfacher, wenn wir nicht so viele Gegentore kassieren. Gerade gegen Teams, die sich danach fast nur noch aufs Verteidigen konzentrieren. Das können viele inzwischen sehr gut.“

Stöger selbst will sich nicht mit Klopp vergleichen: „Jürgen hat hier sieben Jahre lang erfolgreich gearbeitet, ich bin erst seit vier Wochen hier.“ Eine Parallele sieht er dennoch. „Ich glaube schon, dass wir beide gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Und das sieht man uns beiden an.“

Wunderdinge hat Stöger in dem einwöchigen Trainingslager nicht vollbracht, die Mannschaft aber wieder enger zusammengeführt. Bis auf den Langzeitverletzten Maximilian Philipp nahm der Coach alle Akteure mit nach Spanien, Schmelzer reiste trotz Wadenverletzung nicht ab, sondern blieb beim Team.

„Peter Stöger ist sehr, sehr begeisternd“, sagte Mario Götze der BILD-Zeitung. Auch im Umgang mit den Medien gibt sich der Wiener entspannt, stand fast täglich nach den Trainingseinheiten in Marbella Rede und Antwort. Seinen Spielern gönnte er am Sonntag einen freien Nachmittag, er selbst ließ sich auch von dem grassierenden Magen-Darm-Virus, das zum Ende des Trainingslagers die halbe Belegschaft außer Kraft setzte, seinen Optimismus nicht nehmen.

Genau wie Klopp legt Stöger viel Wert auf Input aus der Mannschaft. So ließ er die Spieler beim Essen häufig die Intensität der vorangegangenen Trainingseinheit auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten – um so die Trainingsbelastung noch besser einschätzen zu können.

Dass das Spektakel mit 39 Toren aus der Hinrunde zulasten der neuen Grundausrichtung geht, damit können sie sich in Dortmund anfreunden. Wichtiger als die „UnTORhaltung“ ist nach der durchwachsenen Hinrunde der Erfolg beim BVB. Das weiß auch Stöger. Deshalb hat er sich neben seinen Co-Trainern Manfred Schmid (46) und Jörg Heinrich (48) professionelle Unterstützung geholt.

Der Soziologe Werner Zöchling begleitete den BVB mit nach Marbella. Der Stöger-Vertraute arbeitet als Personalentwickler und soll als Außenstehender einen Eindruck vom Team gewinnen. „Es geht darum, den Gemeinschafts- und Gruppengedanken sowie den Teamgeist anzusprechen, umzusetzen und Ziele zu formulieren, was wir in dieser Saison noch erreichen wollen“, sagt Stöger.

Das Miteinander soll noch vertrauter werden. Stöger will die Mannschaft stabilisieren – auf allen Ebenen. Damit es am Ende eine erfolgreiche Saison wird ...