Thorgan Hazard: „Ich spüre hier mehr Druck“

Autor : Sven Westerschulze | 07.08.2019

Sport Bild: Herr Hazard, die BVB-Bosse schicken Sie mit einem Titelbefehl in die Saison. Steigert das Ihr Selbstvertrauen, oder ist das zusätzlicher Druck?

Thorgan Hazard (26): Es bedeutet, dass wir ein klares Ziel haben, und das gefällt mir. Für mich ist es langsam auch an der Zeit, Titel zu gewinnen. Ich hoffe, dass mir das in Dortmund gelingt. Der BVB ist ein Klub, der immer den Anspruch hat, zu gewinnen. Allerdings: Wenn dein Titelkonkurrent Bayern München heißt, ist das natürlich nicht ganz so einfach. Aber wir versuchen es.

Warum haben Sie sich für den BVB entschieden?

Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Mein Vater, der auch mein Berater ist, übrigens ebenfalls. Natürlich spüre ich hier schon in den ersten Wochen mehr Druck, mehr internationales Interesse, erlebe einen größeren Konkurrenzkampf als in Gladbach. Aber genau das wollte ich. Diese Situation brauche ich, um mich weiter zu verbessern, um den nächsten Schritt zu machen.

Auch Atlético Madrid wollte Sie!

Es gab eine Zeit, als Atlético mich gerne verpflichten wollte. Aber es war damals nicht der richtige Moment. Und in diesem Frühjahr, als es um einen Transfer ging, hatten wir keinen Kontakt. Außerdem wäre es für meine Eltern heute eine komplizierte Situation, da mein Bruder Eden zu Real Madrid gewechselt ist. Die Derbys in Madrid sind ja ähnlich hitzig wie die zwischen Schalke und Dortmund.

Sie haben ihn zu seiner Vorstellung nach Madrid begleitet. Wann kommt er nach Dortmund?

In Gladbach war Eden in fünf Jahren kein einziges Mal. Vielleicht ändert sich das jetzt, vielleicht spielen wir in der Champions League ja gegeneinander.

Welcher Meister-Titel ist einfacher zu gewinnen: mit dem BVB gegen die Bayern in Deutschland oder mit Real gegen Barça in Spanien?

Wie gesagt: Ich beschäftige mich nur mit der Bundesliga. Bayern ist natürlich immer Favorit, sie haben eine große Mannschaft. Aber wir haben das Gefühl, dass wir um den Titel mitspielen können. Hier spielen viele großartige Fußballer!

Sie haben bei Ihrem Wechsel von Dortmunds Fans auf der Südtribüne geschwärmt. Wird Eden neidisch, wenn er plötzlich vor der „Gelben Wand“ steht?

Es haben sich schon einige Leute aus meinem Freundeskreis gemeldet, die unbedingt bei einem Heimspiel dabei sein wollen. Die Wucht der Emotionen, die Lautstärke und die Intensität hier in Dortmund ist wirklich außergewöhnlich.

Sie wirken voll austrainiert und topfit. Eden muss sich in Spanien Kritik gefallen lassen, weil er angeblich mit sieben Kilogramm Übergewicht aus dem Urlaub ankam. Wie diszipliniert muss man als Profi-Fußballer sein?

Mal ganz grundsätzlich: Sie dürfen nicht jedes Gerücht für bare Münze nehmen. Zu mir: Ich esse echt gern Süßigkeiten, aber selbstverständlich nicht im Überfluss. Auch im Urlaub mache ich viel Sport, nutze die Zeit zum Relaxen und Krafttanken für die lange Saison.

In der Hinrunde der vergangenen Saison waren Sie einer der besten Spieler der Liga, haben neun Tore erzielt, sechs vorbereitet. 2019 lief es bisher nicht mehr so gut: ein Tor, fünf Vorlagen. Hat Sie das in der Pause sehr beschäftigt?

Nein, ich habe die Zeit genutzt, um aktiv und ganz bewusst abzuschalten. Die Rückrunde war nicht einfach, kaum einer von uns hat noch so gut gespielt wie vor der Winterpause. Natürlich hätte ich mich in Gladbach gerne mit dem Einzug in die Champions -League verabschiedet, aber die Rückkehr in die Europa League war auch ein kleiner Erfolg. Den haben Verein und Fans verdient. Es ist mir sehr, sehr wichtig, dass Gladbach international vertreten ist!

Sie wurden mit Pfiffen statt Applaus verabschiedet. Hat Sie das getroffen?

Natürlich hätte ich mir einen schöneren Abschied gewünscht. Die letzten Monate waren nicht einfach. Auf der anderen Seite denke ich aber: Wären die Fans froh über meinen Wechsel, hätte ich in den Jahren zuvor keine gute Arbeit geleistet. Dass sie verärgert sind, werte ich ein Stück weit auch als Anerkennung für meine Leistungen. Bis zum letzten Spiel habe ich alles für Gladbach gegeben.

Es hieß sogar, dass Sie mit schwachen Leistungen Ihren Abgang provozieren wollen!

Das ist total falsch, und ich freue mich, dass ich hier zu diesen Meinungen Stellung beziehen kann. Ich würde nie absichtlich schlecht spielen. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich so etwas niemals tun würde! Der Trainer wusste es, meine Mitspieler wussten es, alle im Verein wussten es. Es tut mir leid, dass ich der Mannschaft in dieser Phase nicht so helfen konnte, wie ich es gern getan hätte. Deshalb war ich froh, dass ich mit meinem Tor am vorletzten Spieltag in Nürnberg zumindest dazu beitragen konnte, dass Gladbach sich für die Europa League qualifiziert hat.

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