Borussia Dortmund U17 Player Youssouf Moukoko celebrates scoring a goal
Aktuell aus
Youssouf Moukoko kam erst als Zehnjähriger aus seiner Heimat Kamerun nach Deutschland. Vorher spielte er nie in einem Verein. SPORT BILD traf ihn zum Fotoshooting am Dortmunder Phoenixsee. Er selbst wohnt im BVB-Internat, geht in die 8. Klasse. Quelle: Getty Images // All rights reserved.

Wunderkind Moukoko

Über keinen Nachwuchs-Spieler wird in Deutschland so viel gesprochen, wie über ihn. Jetzt spricht er selbst! Der Stürmer von Borussia Dortmund über seine Ziele, seinen Kumpel Aubameyang und die Gerüchte um sein Alter

Bisher hat Youssoufa Moukoko (14) nur Tore für sich sprechen lassen. Genau 121 Treffer in dreieinhalb Jahren für den FC St. Pauli und Borussia Dortmund. Allein 40 in der vergangenen Saison in der U-17-Bundesliga des BVB. Dabei waren seine Gegenspieler da drei Jahre älter als er! In der aktuellen Spielzeit könnte das Wunderkind seine Marke noch mal verbessern. Aktuell hat er schon wieder 22 Tore in nur zwölf Spielen auf dem Konto. Moukoko, in Kamerun geboren, 2014 nach Hamburg gekommen, ist das heißeste Talent im deutschen Fußball. In Sport BILD spricht er zum ersten Mal ausführlich!

Obwohl es eine amtliche deutsche Geburts-Urkunde gibt, wurde in den letzten Jahren immer wieder über sein Alter spekuliert. Wie geht er damit um?

Moukoko: „Die letzte Saison war hart für mich. Mit den ganzen Geschichten. Mein Trainer Sebastian Geppert, Lars Ricken (Nachwuchs-Koordinator bei Dortmund), mein Vater und mein Berater haben viel mit mir gesprochen. Ich kann nichts dafür, dass es so gut läuft.“

Gut? Das ist noch stark untertrieben. Moukoko spielte in den letzten Jahren immer gegen zwei oder drei Jahre ältere Jungs und traf trotzdem in Serie. Er müsste sich fast schon wünschen, älter zu sein, um schneller bei den Profis durchstarten zu können - denn in der Bundesliga darf man erst ab 17 ran.

Moukokos Plan: „Ich habe Zeit, mich zu entwickeln. Als Nächstes will ich ab kommendem Sommer erst mal U19 spielen. Dann schauen wir, wie es läuft. In der U19 ist auch ein anderes Tempo als jetzt in der U17. Es muss nicht alles so schnell gehen.“

„Ich war gerade einen Tag in Hamburg, da sind wir zum Pauli-Trainingszentrum gefahren. In Kamerun hatte ich vorher nur auf der Straße gespielt. Ich wollte aus Spaß spielen.“

Im Oktober 2014 kam Youssoufa nach Hamburg. Sein Vater Joseph wohnte schon in der Stadt, Mutter Marie und Sohn zogen aus Kameruns Hauptstadt Yaoundé nach. Obwohl sein Papa HSV-Fan ist, landete er beim FC St.Pauli. 

„Mein Vater meinte, die Jugendarbeit wäre da besser“, erzählt Moukoko.

Da man in einem Leistungszentrum nicht einfach mal so mittrainieren kann, wollte Pauli ihn erst wieder wegschicken. Dann ließ ihn ein Trainer doch mit auf den Platz. Moukoko: „Ja, ich hatte meine Turnschuhe aus Kamerun an und im Oktober nur ein kurzes T-Shirt. Aber – ich durfte wiederkommen. Später haben sie gesagt, ich kann fest bleiben. Der Anfang war schwer. Es hat etwas gedauert, bis ich den Rhythmus drin hatte. Ich musste die Sprache lernen, ich konnte mit den Jungs nicht so viel reden. Aber dann wurde es immer besser. Ich hatte eine geile Zeit bei St. Pauli.“

In Yaoundé sprach der Stürmer immer nur Französisch, konnte kein Deutsch. Moukoko: „Abends habe ich mit meinem Vater immer zwei Stunden Deutsch geübt. Manche Wörter habe ich mir auch über den Google-Übersetzer gesucht. So hat es angefangen. Dann konnte ich ein bisschen Deutsch. Jetzt ist es viel besser.“

Auf dem Platz war Moukoko schnell gefürchtet. Nach ein paar Monaten stürmte der Elfjährige in der U 15 von St. Pauli. In seiner ersten Regionalliga-Saison machte er gegen Klubs wie Wolfsburg, Bremen, HSV und Hannover 26 Tore. Die Scouts aus ganz Europa waren heiß auf ihn. Es gab Anfragen von Barcelona, Chelsea, Paris, Bayern und Schalke. Youssoufa, seine Eltern und die Berater entschieden sich für Dortmund.

„Die Phase war krass, von St. Pauli nach Dortmund zu kommen. Bei so einem großen Verein – für einen jungen Spieler war das ein Riesen-Schritt“, sagt Moukoko. „In der U 15 hatten wir einen Trainer (Peter Wazinski), der hat uns nicht nur gelobt. Der wusste, wir können noch mehr. Vielleicht war ich da noch ein bisschen faul.“

„Ab der kommenden Saison will ich U19 spielen“

Hatte er Heimweh? 

„Am Anfang schon mal. Aber jetzt fühle ich mich in Dortmund sehr gut. Wenn ich frei habe, fahre ich öfter mal zu meinen Eltern nach Hamburg. Oder sie kommen zu mir, um mich zu besuchen.“

Die ersten zwei Jahre wohnte er in einer Gastfamilie, zog dann ins BVB-Internat. 

Moukoko:„Dort wohnen 22 Jugend-Spieler. Ich habe ein Zimmer, teile mir mit einem Spieler aus der U17 und einem aus der U16 einen Flur.“

Was die Jungs verbindet, ist der Traum, es als Fußballer nach ganz oben zu schaffen!

„Wenn ich ehrlich bin, ist es mein Ziel, Profi in Dortmund zu werden, mit der Borussia die Champions League zu holen und den Ballon d’Or (Auszeichnung für den Weltfußballer) zu gewinnen.“

Ex-BVB-Star Pierre-Emerick Aubameyang (29) ist dabei Moukokos Förderer. Beide posten immer wieder gemeinsame Fotos bei Instagram. „Unsere Beziehung ist richtig gut“, sagt Youssoufa über Auba. 

"Aubameyang ist wie ein großer Bruder für mich. Er gibt mir Tipps und sagt mir auch, was nicht so gut ist"

„Ich habe ihn 2016 getroffen, als ich schon in Dortmund war. Dann haben wir zusammen ein Bild gemacht. Nachher habe ich ihm geschrieben. Das hat er wohl nicht gelesen. Später, als ich in der U17 war und Tore gemacht habe, hat er mich öfter mal auf Instagram gepostet. Dann sind wir ins Gespräch gekommen. Wir haben uns getroffen, haben geredet. Ab und zu auch mal am Trainingsgelände.“

Der Kontakt hat trotz Aubameyangs Wechsel zum FC Arsenal Bestand. Moukoko sagt über Auba: „Er ist wie ein großer Bruder für mich. Er gibt mir Tipps, sagt mir, was gut ist. Aber auch, was nicht so gut ist.“

Zum Beispiel? 

„Ich soll mich nicht auf meinen Toren ausruhen, sondern noch mehr Tore schießen. Nicht denken, dass ich der Star in der Mannschaft bin. Nicht abheben. Einfach weitermachen, dann kann ich es schaffen.“

210 000 Follower hat Moukoko bereits bei Instagram. Mit jedem Treffer werden es mehr. „Das ist schon ein gutes Gefühl. Ich antworte den Leuten auch, die etwas Nettes schreiben. Aber man muss aufpassen, dass man nicht nur bei Instagram ist und vergisst, was man eigentlich zu tun hat.“

Wie tickt das Wunderkind privat? Playstation zockt er nur, wenn ihm langweilig ist: 

„Dann spiele ich mit Dortmund oder Barcelona. Als Spieler war Messi immer mein Vorbild. Was er kann, kann kein anderer.“

Seine Lieblingsbeschäftigung: 

„Ich höre gerne Musik, oder ich schlafe. Aber ich habe auch nicht so viel Zeit. Neben dem Mannschafts-Training mache ich eine Menge extra. Talent allein reicht irgendwann nicht mehr. Als ich zur U17 kam, habe ich mit Krafttraining angefangen, das hat mich stärker gemacht. Deswegen kann ich mich gegen ältere Gegner durchsetzen. Ich mache auch regenerativ viel. Ich bin jeden Tag beim Physiotherapeuten.“

In Dortmund ist Moukoko erst mal happy. Sein Vertrag läuft bis 2021 (plus Option). Mit der U 17 hat er im Sommer die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Das entscheidende 3:2 im Finale gegen Bayern München erzielte er selbst: „Der Titel, das war ein geiles Gefühl.“

In der deutschen Junioren-Nationalmannschaft hat Youssoufa seit gut einem Jahr nicht mehr gespielt. Nach vier Spielen in der DFB-U-16 (drei Tore) hat man sich gemeinsam auf eine Pause verständigt.

Berater Patrick Williams (40, Sports United) sagt: „Der Wirbel um den Jungen war zu groß. Man muss ihn schützen. Das macht man beim BVB vorzüglich.“ Und Tore wird er weiter für sich sprechen lassen.

Text von Kai-Uwe Hesse, Kevin Kraft