Christoph Kramer: "Ich werde nie für Köln spielen"

Autor : Axel-Patrick Hesse | 11.09.2019

SPORT BILD: Herr Kramer, Samstag spielen Sie mit Gladbach in Köln. Was bedeutet das Derby für Sie als echten Rheinländer?

CHRISTOPH KRAMER (28): Die Derbys im Westen haben alle ihren eigenen Charakter – aber nicht nur die Derbys im Rheinland, sondern auch die Duelle mit Dortmund und Schalke. Ich habe seit der Jugend schon für Düsseldorf, Leverkusen und jetzt für Gladbach gespielt und kenne die Derby-Kultur sehr gut.

Für Ihre drei Klubs ist der 1. FC Köln der größte Rivale. Wie ist es, mit dieser speziellen Konkurrenz-Situation aufzuwachsen?

Emotional stellt das nicht so viel mit mir an, weil ich ein rationaler Typ bin. Ich weiß: Köln ist wahrscheinlich der einzige Verein, zu dem ich nicht wechseln kann und für den ich auch nicht spielen werde.

Grundsätzlich ist Köln aber ein spannender Klub. Tolles Stadion, tolle Atmosphäre. Es macht Spaß, dort zu spielen.

Meistens gewinnen Sie. In den vergangenen zehn Jahren gab es für Gladbach neun Siege, drei Niederlagen und drei Unentschieden gegen Köln. Was war Ihr schönster Derby-Erfolg?

2015 haben wir zu Hause mal nach einem tollen Spiel durch ein überragendes Kopfballtor von Granit Xhaka in der Nachspielzeit 1:0 gewonnen. Da ist das Stadion explodiert. Das war geil.

Was haben Sie aus der Jugend mitgenommen?

Mit Leverkusen haben wir häufig im Halbfinale oder Finale des Mittelrhein-Pokals gegen den FC gespielt. Wer den gewonnen hatte, durfte so gut wie sicher im DFB-Pokal starten. Das waren heiße Spiele, die wir häufig für uns entschieden haben.

Köln mit drei Punkten aus drei Spielen und Gladbach mit vier Punkten sind mäßig in die Saison gestartet. Ist ein Sieg für Borussia Pflicht?

Das ist mein Lieblingsthema. Was heißt Pflicht? Ich will gewinnen, klar. Am Ende zählt nur das Ergebnis. Bevor die Europa League startet und wir jede Woche drei Spiele haben, sollte das Tabellenbild so sein, dass wir gerne draufschauen.

Jedes Spiel ist mit viel Arbeit verbunden, aber wenn wir unsere PS auf die Straße bringen, haben wir gute Chancen zu gewinnen.

Wie weit ist die Borussia mit der Umstellung auf die neue, offensive Spielweise von Marco Rose?

Ich fand unser letztes Spiel gegen Leipzig hervorragend. Das ist das, was wir bewerten müssen. Natürlich fühlt sich ein 1:3 gegen Leipzig jetzt schlechter an als ein 1:0 im Pokal gegen Sandhausen . Aber es ist eine große Entwicklung bei uns zu erkennen. Gegen RB haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht, es ging hoch und runter. Es war spannend, es war attraktiv, wir waren die bessere Mannschaft.

Was hat sich mit dem Trainerwechsel von Dieter Hecking zu Rose wirklich verändert?

Wir haben über Jahre kontrollierten Ballbesitz-Fußball gespielt. Das ist jetzt nicht mehr so. Wir spielen zwar noch kontrolliert mit dem Ball, aber wir laufen deutlich höher an. Das heißt: Früher haben wir uns nach Ballverlusten immer rund um die Mittellinie aufgestellt. Jetzt attackieren wir viel weiter vorne. Wir sind mit einer höheren Intensität unterwegs. Wir spielen schneller in die Spitze. Es ist immer etwas los bei uns.

Läuft die Mannschaft mehr?

Nein. Unser Laufpensum war früher höher. Aber: Jetzt machen wir viel mehr Sprints. Das ist für den Kopf genauso intensiv wie für den Körper. Man darf sich keine Pause erlauben.

Macht Ihnen das Spaß? In Leverkusen spielten Sie 2015/16 unter Roger Schmidt ebenfalls einen sehr intensiven Stil. Sie kamen damit nicht gut zurecht und wechselten nach Gladbach.

Da gibt es zwei Dinge: Zum einem habe ich mich weiterentwickelt. Zum zweiten lässt sich das nicht vergleichen. Laufspiel ist nicht automatisch gleich Laufspiel.

Wo ist der Unterschied ?

Wir haben jetzt mehr Kontrolle, spielen weniger lange Bälle und haben keine bewussten Ballverluste, um irgendwo in der gegnerischen Hälfte Druck aufzubauen. Das sind grundlegende Unterschiede. Ich kann mich sehr mit unserem Spiel identifizieren.

Ist das der Fußball der Zukunft?

Die Entwicklung des Fußballs geht dahin, dass die Spiele dynamischer werden, dass mit mehr Wucht gespielt wird. Auch die Kölner spielen mit wahnsinniger Intensität. Für die Zuschauer ist das viel spannender, weil ständig etwas passiert. Deshalb denke ich auch, dass es ein sehr attraktives Derby wird.

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