Dieter Hecking erfindet Borussia Mönchengladbach neu
Aktuell aus
Dieter Hecking erfindet Borussia Mönchengladbach neu Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Dieter Hecking erfindet Borussia Mönchengladbach neu

Für den Erfolg baut der Trainer um

Auf dem Golfplatz ist Dieter Hecking (53) momentan nur selten anzutreffen. Sogar sein größtes Hobby vernachlässigt Gladbachs Trainer und feilt in der Freizeit dafür an taktischen Feinheiten, um seine Mannschaft perfekt auf die neue Saison vorzubereiten.

Nach der enttäuschenden Rückrunde mit nur 19 Punkten und dem Absturz von Platz sechs auf neun krempelt der Coach die Borussia komplett um. Neue Stars, neuer Stab, neue Spielidee – Hecking will es jetzt allen zeigen!

Für den Trainer geht es dabei auch um die eigene Zukunft, denn sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Gespräche gab es bislang noch keine. „Ich kann das Thema komplett ausblenden. Als ich nach dem Sommerurlaub mit Max Eberl zusammensaß, habe ich ihm gesagt, dass es im Moment nicht der richtige Zeitpunkt für Verhandlungen ist – weder für mich, noch für den Verein. Da waren wir uns einig“, sagt Hecking zu SPORT BILD.

Im Frühjahr angedachte Vertragsgespräche fielen der sportlichen Talfahrt zum Opfer. Nach nur drei Punkten aus sechs Spielen geriet auch Hecking in die Kritik. Die Vorwürfe: Zu unflexibel, zu berechenbar, zu viele verletzte Spieler. Der unausgewogene Kader wurde nur selten thematisiert. Nach Saisonende zog Hecking sich zurück, schaltete beim Joggen, Krafttraining und Yoga vom Fußball ab. In seiner ausführlichen Saisonanalyse schonte er sich selbst nicht, bevor er mit neuer Angriffslust aus dem Urlaub zurückkehrte.

Für den von ihm geforderten Mittelstürmer griff Eberl tief in die Tasche: Alassane Plea (25), mit 23 Mio. Euro von OGC Nizza der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte. Hecking will es ihm danken, indem er die Borussia unberechenbarer macht. Statt starrem 4-4-2 setzt der Coach jetzt auf ein 4-3-3.

Und häufig wird im Training auch die Dreierkette einstudiert. „Ich will, dass die Mannschaft sich in dem neuen System schnell wohlfühlt. Da lege ich meine ganze Kraft rein, um den Spielern ein gutes Gefühl zu geben“, so Hecking. Insgesamt verpflichtete Borussia fünf neue Spieler – ein Innenverteidiger soll noch kommen.

Dazu ließ er das Funktionsteam um den Profikader erweitern. In der vergangenen Rückrunde fiel zeitweise ein Dutzend Spieler verletzt aus. Vier Spezialisten sind dazugekommen, der neue Mannschaftsarzt Rolf Doyscher ist bei jeder Trainingseinheit dabei. Bei den Spielern kommt das gut an. „Meine ersten Eindrücke sind, dass sich einiges getan hat, was die Professionalität angeht, was die Trainingsinhalte betrifft, ebenso die Herangehensweise an Trainingseinheiten und Trainingsspiele“, sagt Nationalspieler Matthias Ginter (24).

Die Investitonen sind mit Erwartungen verbunden. Eine ähnlich schwache Halbserie wie zuletzt dürfte die Trainerdiskussion neu entfachen. Der auslaufende Vertrag verbessert Heckings Position nicht. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass der schon einmal in Gladbach gehandelte Markus Weinzierl (43) inzwischen nicht mehr bei Schalke 04 unter Vertrag steht. Er hat sich mit dem Ex-Klub auf eine Abfindung geeinigt und kann sofort bei einem neuen Verein anfangen...