Eberl über Hecking: "Es geht nicht um Liebe, sondern um Erfolg"
Aktuell aus
Eberl über Hecking: "Es geht nicht um Liebe, sondern um Erfolg" Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Eberl über Hecking: "Es geht nicht um Liebe, sondern um Erfolg"

Der Manager spricht über neue Ziele

Gladbachs Manager spricht über neue Ziele, teure Spieler und falsche Entwicklungen. Sein Rat: Der Fußball muss wieder im Mittelpunkt stehen.

SPORT BILD: Herr Eberl, Sie haben sich in den vergangenen Monaten merklich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Warum?

Max Eberl (44): Ich habe das Gefühl, dass die vergangene Saison zu negativ behaftet war. Es ging um Video-Assistenten, um 50+1, um Montagsspiele, um schlechte Spiele, um das frühe Aus deutscher Mannschaften im Europapokal. Aus meiner Sicht wurden vermehrt negative, politische Dinge in den Vordergrund gerückt. Selbst die Meisterschaft des FC Bayern war etwas Schlechtes. Nach dem Motto: Schon wieder die! Dabei soll uns doch das Spiel Freude bereiten. Deshalb habe ich für mich beschlossen, nichts mehr zu diesen Themen zu sagen und mich auf Borussia Mönchengladbach zu konzentrieren und einen guten Job als Sportdirektor für meinen Klub zu machen.  

SPORT BILD: Was missfällt Ihnen?

Max Eberl: Der Fußball und Deutschland – das gehört zusammen. Im Positiven. Ich will jetzt nicht von 1954 erzählen und elf Freunden auf dem Platz. Aber wo haben wir im Fußball noch Solidarität?

SPORT BILD: Sagen Sie es uns.

Max Eberl: Ich tue mich schwer damit. Nehmen wir mal die Montagsspiele. Wir Vereine haben einstimmig für diese Spiele gestimmt, weil wir es sportlich für richtig halten. Mannschaften, die international spielen, sollen etwas entlastet werden können. Wir wollen und müssen den Anspruch erfüllen, europäisch eine bessere Rolle zu spielen. Weil wir das nicht gut kommuniziert haben, kann ich verstehen, wenn sich Fans beschweren und sagen, das sei ein Schritt zu noch mehr Zerstückelung der Spieltage. Dazu kann ich hier sagen: Nein, das wird es nicht geben. Das wollen wir auch nicht!

"Wo haben wir im Fußball noch Solidarität?"

SPORT BILD: Wo liegt das Problem?

Max Eberl: Dass man aus manchen Vereinen trotzdem latent hört, dass sie gegen Montagsspiele sind. Sich bei der ersten Kritik aus der Verantwortung zu stehlen, das empfinde ich als unsolidarisch. Vielleicht kommen wir nach einiger Zeit alle zusammen zu der Erkenntnis, dass die Idee nicht gut war. Ich erwarte aber, dass wir unsere Entscheidung, die wir ausgiebig diskutiert haben, zumindest für diese eine TV-Periode, für die wir es eingeführt haben, gemeinsam vertreten und der Sache eine Chance geben. Alle!

SPORT BILD: Sie sprachen von einer Entlastung für die Europacup-Teilnehmer. Wann gehört Gladbach wieder dazu?

Max Eberl: Wir haben Ambitionen, keine Frage. Aber warum soll immer ein Tabellenplatz als Ziel ausgeben werden? 

SPORT BILD: Weil Sie sicher ein Ziel haben. 

Max Eberl: Stimmt, aber das ist nicht nur abhängig von Tabellenplätzen. 

SPORT BILD: Wirklich?

Max Eberl: Wir entwickelten und entwickeln uns weiter Schritt für Schritt. Ich bin zehn Jahre in der Verantwortung bei Borussia. Wir haben jahrelang gegen den Abstieg gespielt, waren sogar in der Relegation. Danach waren wir in fünf Jahren viermal international dabei und wurden zuletzt zweimal Neunter. Wir haben selbst da bis zu den letzten Spieltagen um die internationalen Plätze gespielt, haben es aber leider nicht geschafft. Das ist der Dichte der Liga geschuldet. Und ja, wir haben zuletzt keine gute Rückrunde gespielt (19 Punkte; d. Red.). Aber warum?

SPORT BILD: Sagen Sie es.

Max Eberl: Wir haben uns neben den vielen Verletzten vielleicht auch zu sehr vom Thema Europa treiben lassen. Wir wollten es unbedingt, haben uns selbst unter Druck gesetzt. Das führt eher zu Verkrampfung als zu einer ambitionierten Lockerheit. 

SPORT BILD: Geben Sie deshalb keinen Tabellenplatz mehr vor?

Max Eberl: Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Deshalb ist unser Weg gelernt aus der erfolgreichen Zeit: Jedes Spiel soll das Spiel sein, das wir gewinnen wollen. Dann sehen wir am Ende, was rauskommt.

"Wir müssen herausfinden, was die Fans wirklich von uns erwarten"

SPORT BILD: Lässt sich das so entspannt umsetzen?

Max Eberl: Das ist nicht entspannt. Ich arbeite jeden Tag, um auch mal etwas in der Hand zu halten. Ich möchte ins Pokalfinale. Ich bin knapp 20 Jahre in Gladbach, erst als Spieler, jetzt als Manager. Ich war viermal im Halbfinale. Ich möchte endlich mal nach Berlin und da im besten Fall auch gewinnen. Ich möchte mit Borussia immer um etwas Großes spielen. Am wichtigsten ist mir dabei: Ich möchte unseren Weg und den Fußball in den Mittelpunkt stellen. Und nicht die politischen Spielchen, ob ein Trainer nach einer Niederlage entlassen werden sollte, weil er zwei Plätze hinter der Zielvorgabe steht oder dass ein Spieler zur Nationalmannschaft muss, weil er zwei Tore geschossen hat. Da sollten wir uns nicht treiben lassen. Die Vereine nicht, aber auch die Liga nicht.

SPORT BILD: Wie meinen Sie das?

Max Eberl: Wir müssen herausfinden, was die Fans wirklich von uns erwarten und wo wir als Liga hinwollen. Wir müssen nicht zwangsläufig versuchen, mit England zu konkurrieren und immer mehr Geld einnehmen. Aber wenn wir das wollen, dann dürfen wir uns auch nicht hinstellen und sagen, dass alle Spiele Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen werden sollen. Das funktioniert nicht.

SPORT BILD: Wo sehen Sie Gladbach in diesem Umfeld? Zurück zu den Fohlen der 70er, oder hin zur Geldmaschine?

Max Eberl: Wir wollen auf Basis der Fohlenphilosophie neue Stars finden und entwickeln. Das kann auch ein Weg der Liga sein. Dass wir nicht Ronaldo für ein Gesamtpaket von 300 Millionen Euro kaufen, aber weiter Spieler wie ter Stegen, Dembélé, Firmino, Rebic oder Xhaka zu Top-Stars formen. Das macht uns sympathisch, schafft Identität. 

SPORT BILD: Mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen ist Borussia gut gestartet. Ist Dieter Hecking, der im Frühjahr in der Kritik stand, doch der richtige Trainer?

Max Eberl: Wir stehen für Kontinuität und haben Dieter Hecking in einer nicht ungefährlichen Situation bewusst verpflichtet. Er arbeitet gradlinig und ist durch seine Erfahrung ruhig bei Entscheidungen. Dem Verein wiederum ist er sehr emotional verbunden, weil er schon als Spieler hier war. 

SPORT BILD: Es ist also mehr Liebesbeziehung als Vernunftehe?

Max Eberl: Vernunft und Liebe – damit kann ich im Fußball nicht so viel anfangen. Wir arbeiten, um erfolgreich zu sein. Wir überlegen und diskutieren, um Spiele zu gewinnen. Es geht nicht um Liebe, sondern um Erfolg. Wir wollen den Menschen mehr Freude als Frust bereiten. Da sind wir in den letzten Jahren auf einem sehr guten Weg.