Eberl: "Wir hätten den Trainer auch auf Platz 3 gewechselt"

Autor : Axel-Patrick Hesse | 10.04.2019

SPORT BILD: Herr Eberl, führen Sie Borussia Mönchengladbach heute so, wie Sie früher als rechter Verteidiger die Außenbahn beackert haben?

MAX EBERL (45): Ich hoffe, dass ich es heute besser und strategischer mache. Aber ich bin genauso gradlinig und transparent wie früher, in der Sache kompromisslos. Das ist mein Charakter.

Ihr Trainer Dieter Hecking musste das kürzlich erfahren. Sie trennen sich zum Saisonende. Wann hat der Prozess begonnen, etwas ändern zu wollen?

Die Aktualität und die Ergebnis-Krise haben dabei keine Rolle gespielt. Im Fußball gibt es manchmal Chancen, die man ergreifen muss. Wenn es so ist, muss man die Entscheidung fällen.

Bedeutet das, dass Sie den Trainer wechseln, weil bei Salzburgs Marco Rose die Tür aufging?

Es ging die Tür bei dem Trainer auf, bei dem ich glaube, dass wir mit ihm in Gladbach den nächsten Schritt gehen können. Das heißt nicht automatisch, dass es direkt noch besser wird. Aber es wird anders. Es gibt immer Zyklen in einem Verein. Und ich bin der Meinung, dass es an der Zeit ist, etwas zu verändern. Unabhängig von den Ergebnissen.

Hätten Sie auch auf Platz 3 den Trainer gewechselt?

Ja. Der Prozess hätte auch auf Platz drei eingesetzt.

Borussia steht nun auf Platz fünf. Vier Punkte Rückstand auf Champions-League-Rang vier, aber auch nur noch vier Punkte Vorsprung auf Platz sieben. Wie wichtig ist Europa?

Wenn du so lange oben dabei bist, dann willst du auch Europa erreichen. Wir waren bisher an allen Spieltagen der Saison unter den ersten sechs.

Sie haben angekündigt, den Verein anders aufzustellen. Wo sehen Sie sich in Zukunft?

Ich sehe mich weiterhin in der Rolle des Verantwortlichen für den sportlichen Bereich.

Nicht eine Stufe darüber als Gesamtverantwortlicher?

Gemeinsam mit Stephan Schippers (Gladbach-Geschäftsführer; d. Red.) bin ich heute schon für den ganzen Verein operativ verantwortlich. Es wird also keinen radikalen Neuaufbau geben. Aber in den vergangenen zehn Jahren ist die sportliche Führungsmannschaft viel weniger gewachsen als der Rest des Vereins. Deshalb machen wir uns Gedanken, wie wir uns noch besser aufstellen könnten. Wir müssen kreativ sein, müssen schneller sein als andere. Es geht darum, wie wir die Aufgaben auf mehr Schultern verteilen können.

Rouven Schröder, Sport-Vorstand bei Mainz 05, gilt als mögliche Verstärkung.

Rouven Schröder ist ein von mir sehr geschätzter Kollege, der schon in Bremen einen Super-Job gemacht hat und das jetzt auch in Mainz macht. Aber wir haben hier noch keine Position definiert, die wir womöglich besetzen wollen. Also kann es für mich noch gar nicht um Kandidaten gehen. Die Reihenfolge lautet: Erst wird die Stelle bestimmt, dann geht es um Personen. Deshalb kann ich zu Namen nicht mehr sagen.

Wie es aussieht, hätten Sie kein Problem mit einer starken Persönlichkeit an Ihrer Seite.

Ich arbeite schon seit zehn Jahren mit Steffen Korell im Team. Auch in der Verantwortlichkeit. Ich habe gar kein Problem damit, etwas abzugeben. Ich bin als Teamplayer groß geworden. In den vergangenen Jahren haben wir schon viel im Nachwuchs gemacht, im Trainerstab, in der medizinischen Betreuung der Mannschaft. Jetzt versuchen wir, unser Führungsteam und das Scouting zu verstärken.

Nils Schmadtke, der Sohn des Wolfsburger Managers, kommt. Er soll weltweit Top-Talente zwischen 16 und 18 Jahren sichten.

Richtig. In dem Bereich haben wir schon Frank Lelle. Er betreibt das in Perfektion. Nils Schmadtke kommt hinzu, um uns in dem Bereich weiter zu verstärken.

Er muss dann Spieler finden wie den jungen Thorgan Hazard, der nun nicht verlängert und Gladbach verlässt. Traurig?

Nein, das gehört dazu. Ich sehe sogar eine Entwicklung. Früher waren solche Spieler zwei, drei Jahre bei uns, jetzt sind sie fünf Jahre da. Außerdem erhalten wir eine Transfereinnahme, die es uns ermöglicht, andere Top-Talente zu holen. Wir verlieren jetzt Qualität und werden Potenzial kaufen.

Geht Hazard nach Dortmund? Es heißt, er habe sich mit dem BVB geeinigt.

Bei uns hat sich kein Verein gemeldet.

Bei Ihnen persönlich hatte sich mal der FC Bayern gemeldet. Wie lange wollen Sie bei Borussia bleiben?

Ich habe für meine Zukunft keinen Plan, den ich gezielt verfolge. Ich bin seit 20 Jahren in Mönchengladbach. Es besteht die Möglichkeit, dass ich in 20 Jahren auch noch hier bin. Aber es kann genauso gut sein, dass ich irgendwann etwas anderes mache. Wer weiß, wohin sich alles entwickelt? Ich weiß nicht einmal, ob in zwei Jahren Transfers mit Ablösen von 100 Millionen Euro normal sind oder ob dann schon jemand 400 Millionen kostet.

Macht Ihnen das Fußball-Geschäft an der Stelle noch Spaß?

Was diesen Punkt angeht: Nein! Diese Beträge treiben mir Sorgenfalten auf die Stirn, weil die Menschen irgendwann den Fußball nicht mehr nachvollziehen können. Wenn der Volkssport in eine andere Galaxie abdriftet, verliert er an Attraktivität. Ich denke, dass die DFL dafür bisher ein gutes Regulativ ist. Wir müssen im deutschen Fußball alle dafür arbeiten, dass unser Sport für die Menschen verständlich bleibt.

Ist Ihnen Bodenständigkeit wichtiger als internationale Konkurrenzfähigkeit?

Mir ist die Bodenständigkeit der Bundesliga auf jeden Fall lieber als die Einführung einer europäischen Super-Liga. Ich hoffe, dass es die großen Vereine genauso sehen.

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