Franzosen-Flut bei Borussia Mönchengladbach

Autor : Sven Westerschulze | 31.07.2019

Sein Wechsel allein reicht Marcus Thuram (21) nicht. Gladbachs neue Sturm-Hoffnung von EA Guingamp will auch seinen Kumpel Malang Sarr (20, OGC Nizza) zu Borussia lotsen:

Er ist ein sehr guter Spieler. Wenn er kommen würde, wäre das super.

Sarr ist Gladbachs Wunschspieler für die linke Defensivseite, Thurams Teamkollege aus Frankreichs U 21 wäre der fünfte Franzose bei den Fohlen. Manager Max Eberl (45) erklärt, warum er  immer häufiger auf Talente aus dem Weltmeister-Land setzt.

Als Didier Deschamps 2012 Frankreichs Nationaltrainer wurde, veränderte er auch die Philosophie im französischen Nachwuchs. Weniger Physis, mehr Dynamik. Das hat Eberl registriert.

Die Jugendarbeit in Frankreich ist schon seit vielen Jahren sehr gut. Früher war es jedoch so, dass viele französische Talente nach England gegangen sind. Mittlerweile schaffen wir es – und damit meine ich nicht nur Borussia, sondern auch andere Vereine –, sie für die Bundesliga zu begeistern,

sagt Eberl und betont: „Was dabei wichtig ist: Die jungen Spieler merken, dass sie sich hier gut entwickeln können, weil sie große Chancen auf Einsätze haben.“

Vor fünf Jahren spielten in der Bundesliga nur sechs Franzosen. Aktuell sind es 27 – nur aus Österreich kommen noch mehr Gast-Fußballer (32). Eberl holte vergangenes Jahr Torjäger Alassane Plea (26) für die interne Rekordablöse von 23 Millionen Euro aus Nizza. 2017 kam Michael Cuisance (19) für 250 000 Euro aus der U 19 des AS Nancy, ein Jahr zuvor Mamadou Doucouré (21) ablösefrei aus dem Nachwuchs von Paris St-Germain. Thuram kostete jetzt neun Millionen Euro Ablöse – der Sohn von 1998er-Weltmeister Lilian Thuram war verhältnismäßig günstig.

Für Eberl neben Thurams Qualität ein weiterer Grund, um zuzuschlagen. „Natürlich spielen auch die wirtschaftlichen Umstände eine Rolle. Wir haben Marcus Thuram aus Guingamp für eine einstellige Millionensumme verpflichtet. Ein vergleichbarer Spieler aus der Bundesliga kostet 20 Millionen Euro aufwärts“, sagt der Manager.

Was seine Scouts beeindruckt, ist der Biss der jungen Franzosen. Viele Talente haben einen Migrationshintergrund, leben in Armut, sehen im Fußball die große Chance, dem zu entfliehen. Ein Umstand, der auch beim DFB aufgefallen ist. „Der intrinsische (eigene; d. Red.) Antrieb ist bei einem 16-jährigen Slowenen oder Franzosen aus Brennpunktvierteln größer als bei einem Gleichaltrigen, der schon einen super Vertrag bei einem Bundesligisten hat“, sagt der ehemalige U-17-Nationaltrainer Michael Feichtenbeiner (59).

„Frankreich-Meister“ der Liga ist RB Leipzig mit fünf Spielern, der FC Bayern hat vier, Mainz drei. Tendenz: jede Transferphase steigend!

 

Hier spielen die Franzosen der Bundesliga:

FC Bayern: Coman, Tolisso, Pavard, Hernández

Gladbach: Plea, Cuisance, Doucouré, Thuram

Wolfsburg: Roussillon, Guilavogui

RB Leipzig: Augustin, Mukiele, Upamecano, Nkunku, Konaté

Mainz: Mateta, Niakhaté, Pierre-Gabriel

Frankfurt: N’Dicka, Touré

Köln: Modeste, Koziello

Freiburg: Schmid, Ravet

BVB: Zagadou

Leverkusen: Diaby

Schalke: Stambouli

 

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