Gladbach-Trio auf Olympia-Liste

Autor : Sven Westerschulze, Robert Schreier | 02.01.2020

U21-Trainer Kuntz muss bis 15. Januar eine Kandidaten-Liste abgeben. Neben Neuhaus sind zwei Weltmeister interessant

Auf Ste­fan Kuntz (57) war­tet im neuen Jahr gleich eine Menge Ar­beit. Für den deut­schen U21-​Na­tio­nal­trai­ner sind die Win­ter-​Trai­nings­la­ger der Bun­des­li­gis­ten in die­sem Jahr von großer Be­deu­tung. Kuntz will nicht nur scou­ten – son­dern auch wer­ben, denn im Som­mer tritt er mit einer DFB-​Aus­wahl bei den Olym­pi­schen Spie­len in Tokio an. Die Be­son­der­heit des Tur­niers: Neben allen Spie­lern, die für die U21 spiel­be­rech­tigt sind – in die­sem Fall ab dem 1. Ja­nuar 1997 Ge­bo­rene –​, darf Kuntz drei äl­tere Ak­teure in sei­nen 23-​Mann-​Ka­der be­ru­fen.

Aus Glad­bach kom­men dabei mit Chri­stoph Kra­mer (28) und Matt­hias Gin­ter (25) gleich zwei Stars für Kuntz in­fra­ge.

 

SPORT BILD weiß: Der Eu­ro­pa­meis­ter von 1996 will sein jun­ges Team mit min­des­tens zwei ge­stan­de­nen Pro­fis er­gän­zen. Zwei Fak­to­ren spie­len für ihn dabei eine Rol­le: Tur­nie­rer­fah­rung und eine Team­player-​Men­ta­li­tät, um die jun­gen Spie­ler füh­ren und mit­rei­ßen zu kön­nen. Kra­mer passt per­fekt in Kuntz‘ Plä­ne, der zwölf­ma­lige A-​Na­tio­nal­spie­ler er­füllt beide Vor­aus­set­zun­gen. Der Welt­meis­ter von 2014 selbst sagt dar­über zu SPORT BILD: „Es gibt nicht viel Bes­se­res, als für dein Land ein Tur­nier spie­len zu dür­fen. Olym­pia ist für einen Sport­ler etwas Be­son­de­res.“

Auch Gin­ters Name tauchte zu­letzt DFB-​in­tern bei den Pla­nun­gen für Olym­pia auf, weil Kuntz zudem Be­darf an einem er­fah­re­nen Top-​In­nen­ver­tei­di­ger hat. Gin­ter, der 2016 in Bra­si­lien schon ein­mal bei Olym­pia dabei war und mit Deutsch­land Sil­ber ge­wann, kann sich eine er­neute Teil­nahme vor­stel­len – so­fern er dafür nicht auf die EM (12. Juni bis 12. Juli) ver­zich­ten müss­te.

Nach SPORT BILD-​Info zeich­net sich zwi­schen DFB und den Klubs ein Agree­ment ab, nach dem kein Spie­ler für beide Tur­niere be­an­sprucht wer­den soll. Heißt: Nur wenn Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw (59) auf Gin­ter ver­zich­tet, könnte Kuntz zu­grei­fen.

Wenn Kuntz auf Spieler von uns setzen möchte, finden wir einen Weg

Gladbach Manager Max Eberl

Glad­bachs Max Eberl (46) zeigt sich beim Thema Olym­pia ge­sprächs­be­reit. „Vor vier Jah­ren haben wir es ge­schafft, den deut­schen Fuß­ball bei Olym­pia sehr gut zu ver­tre­ten. Das sollte auch die­ses Mal das Ziel sein. Wenn Ste­fan Kuntz dabei auf Spie­ler von uns set­zen möch­te, wer­den wir da si­cher einen Weg fin­den“, sagt der Ma­na­ger zu SPORT BILD.

Mit U21-​Na­tio­nal­spie­ler Flo­rian Neu­haus (22) spielt ein wei­te­rer Glad­ba­cher be­reits eine zen­trale Rolle in Kuntz‘ Plä­nen für das olym­pi­sche Tur­nier, das mit­ten in der Sai­son­vor­be­rei­tung der Bun­des­li­gis­ten statt­fin­det. Für Eberl könnte es aber schlech­tere Zeit­punkte ge­ben: „Der Zeit­raum des Tur­niers ist aus mei­ner Sicht für die Ver­eine er­träg­lich. Die Spie­ler kön­nen die ers­ten Wo­chen der Vor­be­rei­tung mit­ma­chen und wür­den selbst im Falle eines Fi­nal­ein­zugs zwei Wo­chen vor Be­ginn der Bun­des­liga wie­der zu­rück sein.“

Ob­wohl das Tur­nier erst am 23. Juli be­ginnt, muss Kuntz sich jetzt be­ei­len. Die erste No­mi­nie­rungs-​Dead­line ist der 15. Ja­nu­ar. Bis dahin müs­sen alle Kan­di­da­ten bei der Na­tio­na­len Anti-​Do­ping Agen­tur (NA­DA) ge­mel­det sein. Wer auf der Liste fehlt, ist bei Olym­pia raus. Hin­ter­grund: Die Olym­pia-​Star­ter kom­men in einen Spie­ler-​Pool und müs­sen in der Da­ten­bank ADAMS ihre Auf­ent­halts­da­ten an­ge­ben, um je­der­zeit für un­an­ge­kün­digte Do­ping-​Tests auf­find­bar zu sein. In der Regel geben Sport­ler eine Stunde pro Tag an, in der die Kon­trol­leure Zu­griff auf sie ha­ben. Um auf mög­li­che Ver­let­zun­gen oder Form­schwan­kun­gen im Laufe der Rück­runde rea­gie­ren zu kön­nen, wird Kuntz zu­nächst deut­lich mehr als 23 Ak­teure bei der NADA an­ge­ben.

Schwie­ri­ger als die ver­band­sin­terne Ab­stim­mung dürf­ten für ihn die Ge­sprä­che mit den Ver­ei­nen wer­den. An­ders als bei der EM haben die Klubs keine Ab­stel­lungs­pflicht bei Olym­pia. Eberl sagt: „Auch die So­li­da­ri­tät unter den Klubs ist ge­fragt. Na­tür­lich sollte es nicht so sein, dass ein Ver­ein fünf Spie­ler für Olym­pia abstellt, wäh­rend an­dere ihre Spie­ler nicht frei­ge­ben. Aber da gibt es einen guten Aus­tausch.“

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