Gladbacher Höhenflug dank Hotel-Nacht!

Autor : Sven Westerschulze | 11.12.2019

In Istanbul trafen sich die Gladbacher Spieler abends im Teamhotel und sprachen über die starke Entwicklung. Drei Tage später kletterten sie an die Bundesliga-Tabellenspitze

Es war einer der Schlüsselmomente der noch jungen Gladbacher Erfolgsstory: der Last-minute-Ausgleich von Patrick Herrmann (90. +1) beim 1:1 in Istanbul Anfang Oktober. Das späte Tor zum Unentschieden ließ Borussia nicht nur auf das Weiterkommen in der Europa League hoffen, sondern schweißte das Team auch zusammen. 

Nach der Rückkehr ins Mannschaftshotel fand sich im Park Inn by Radisson am Istanbuler Flughafen noch mehr als ein halbes Dutzend Spieler im Zimmer von Christoph Kramer (28) und Tony Jantschke (29) ein. An Schlaf ist nach Abendspielen für die meisten Profis ohnehin nicht sofort zu denken. Bis spät in die Nacht saßen Kramer und Jantschke mit Herrmann (28), Matthias Ginter (25), Florian Neuhaus (22), Tobias Sippel (31) und Stefan Lainer (27) zusammen.

Der Konkurrenzkampf sorgt nicht für Frust, sondern spornt alle an.

 

Nicht nur der späte Punktgewinn wurde gefeiert, es wurde auch über das neue „Wir-Gefühl“ und die Ausrichtung der Mannschaft seit Saisonbeginn gesprochen. Einig waren sich alle: Borussia macht Bock! Die Entwicklung unter Coach Marco Rose (43) tue Mannschaft und Verein richtig gut, man sei auf dem richtigen Weg.

Drei Tage nach der Partie in der Türkei übernahm Gladbach in der Bundesliga durch ein beeindruckendes 5:1 gegen Augsburg die Tabellenführung – und festigte sie vergangenen Samstag mit dem 2:1-Sieg gegen den FC Bayern. Die Europa League Gruppe J führt Borussia vor dem Rückspiel gegen Istanbul Basaksehir mit acht Punkten an, ein Remis genügt an diesem Donnerstag zum Einzug in die K.o.-Phase.

Die Qualität ist unheimlich hoch. Dadurch pushen wir uns auch in schwierigeren Phasen.

Breel Embolo

Die Gruppe um Weltmeister Kramer, Gladbachs „Fußballgott“ Jantschke und Kapitänsvertreter Ginter – zu der auch der etatmäßige Kapitän Lars Stindl (31), der in Istanbul verletzt fehlte, gehört – achtet auf den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, ihr Wort hat auch bei Rose Gewicht. Der Trainer bezieht die Führungsspieler regelmäßig in seine Planungen mit ein. 

Seit acht Spieltagen ist Gladbach Spitzenreiter – das gab es seit den glorreichen 70er-Jahren nicht mehr.

 

Nicht nur auf dem Platz läuft es bei den Borussen rund. Offensivspieler Breel Embolo (22) sagt: „Es herrscht eine gute Stimmung bei uns in der Mannschaft. Und wir haben einen breiten, sehr guten Kader. Es gibt einen gesunden Konkurrenzkampf, und wir wissen, dass sich einer auf den anderen verlassen kann. Das ist momentan unsere größte Stärke. Die Qualität ist unheimlich hoch. Dadurch pushen wir uns auch in schwierigeren Phasen.“

…kein Glück, sondern das Ergebnis unserer Willensleistung. Wir glauben an uns, rennen bis zum Schluss an und versuchen, solche Situationen zu erzwingen.

Patrick Herrmann über späte Tore

Das große Plus ist der neue Glaube, der am Borussia-Park herrscht. Spiele, die Gladbach in den vergangenen Jahren verloren hätte, dreht die Mannschaft inzwischen. Auch gegen den FC Bayern spielte Borussia bis zum Schluss auf Sieg. „Das haben wir mittlerweile so drin. Das ist auch der Grund, warum wir da stehen, wo wir jetzt stehen“, sagt Rose selbstbewusst. Den Siegtreffer erzielte Ramy Bensebaini (24) per Elfmeter in der 2. Minute der Nachspielzeit.

„Dass wir so oft so späte Tore erzielen, habe ich auch noch nie erlebt“, sagt Herrmann. Der Flügelstürmer spielt seit elf Jahren für die Borussia. „In der Häufigkeit ist es dann aber kein Glück, sondern das Ergebnis unserer Willensleistung. Wir glauben an uns, rennen bis zum Schluss an und versuchen, solche Situationen zu erzwingen.“ 

Sportdirektor Max Eberl (46) sagt: „Die Mannschaft hat einen großen Willen entwickelt.“ Auch in Rom kamen die Fohlen in der Nachspielzeit durch einen Elfmeter von Stindl noch zum 1:1 (90.+5), das Rückspiel entschied Marcus Thuram (22) mit seinem Siegtreffer zum 2:1 ebenfalls in der fünften Minute der Nachspielzeit. 

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