Herrmann: "Für unsere Mitarbeiter verzichte ich gerne auf Geld"

Autor : Sven Westerschulze | 08.04.2020

SPORT BILD: Pa­trick Herr­mann, Sie sind seit zwölf Jah­ren bei Bo­rus­sia und haben schon schwere Zei­ten er­lebt. Sind Exis­tenz­sor­gen von Mit­ar­bei­tern schlim­mer als Ab­stieg­sängs­te?

PA­TRICK HERR­MANN (29): Ich bin seit 2008 hier und kenne viele Mit­ar­bei­ter aus ver­schie­de­nen Ab­tei­lun­gen nach so lan­ger Zeit per­sön­lich. Wenn ich höre, dass Teile von ihnen der­zeit in Kurz­ar­beit sind, geht mir das sehr nahe. Kei­ner weiß ja im Mo­ment so wirk­lich, wann und wie es wei­ter­geht.

Sind Sie mit ei­ni­gen Mit­ar­bei­tern im Aus­tausch?

Ja. Als be­kannt wur­de, dass wir Pro­fis auf Teile un­se­rer Ge­häl­ter ver­zich­ten, habe ich ei­nige Nach­rich­ten von Mit­ar­bei­tern be­kom­men.

Was stand drin?

Es waren Dan­kes-Nach­rich­ten. Da­für, dass wir für sie auf Geld ver­zich­ten. Aber das war für mich -ge­nauso wie für alle an­de­ren Spie­ler – selbst­ver­ständ­lich. Wenn ich höre, dass es Ein­schrän­kun­gen für ei­nige im Klub gibt, dann un­ter­stütze ich sie. Ich bin fast zwölf Jahre hier, Bo­rus­sia ist wie eine Fa­mi­lie für mich. Braucht sie Hil­fe, bin ich da. Und für die Mit­ar­bei­ter ver­zichte ich gerne auf Geld. Über ihre Nach­rich­ten habe ich mich an­schlie­ßend na­tür­lich trotz­dem sehr ge­freut.

Hel­fen Sie in der Si­tua­tion ge­rade auch an­de­ren Men­schen als den Bo­rus­sia-An­ge­stell­ten?

Ich un­ter­stütze die Ak­tion „FKK_­Co­vid. Sup­port your local he­ro­es“. Es geht dar­um, klei­ne­ren Un­ter­neh­men in und um Mön­chen­glad­bach zu hel­fen, diese Phase zu über­ste­hen. Der Kon­takt kam über un­se­ren Sta­di­on­spre­cher Knippi (Tors­ten Knip­pertz; d. Red.) zu­stan­de. Ich war so­fort da­bei, weil diese Ak­tion total zu mir passt. Ich lebe hier, ich gehe hier ein­kau­fen -ak­tu­ell sehr häu­fig bei Bauer Brungs. Der hat einen Su­per-Ho­fla­den! Mir be­deu­tet die Stadt sehr viel. Als Fuß­bal­ler hast du dann auch noch eine Reich­wei­te, die hel­fen kann, das Pro­jekt be­kann­ter zu ma­chen.

Sie sind Fan-Lieb­ling bei Bo­rus­sia und woh­nen di­rekt in Glad­bach. Ist es ko­misch, wenn man plötz­lich kaum noch Leu­ten be­geg­net?

Ich mer­ke, dass die Glad­ba­cher jetzt das Spa­zie­ren­ge­hen für sich ent­deckt haben (lacht). Wenn ich durch die Fel­der lau­fe, um meine Trai­nings­vor­ga­ben zu er­fül­len, werde ich häu­fig an­ge­spro­chen. Die Leute fra­gen, ob ich In­si­der-In­fos habe und ver­ra­ten kann, wann wir wie­der spie­len. Lei­der habe ich die nicht. Und ich kann auch nicht bei jedem ste­hen blei­ben -sonst be­komme ich Ärger von un­se­rem Fit­ness­trai­ner, wenn der die Daten aus­wer­tet.

Wie läuft das ab?

Sim­pel. Wir be­kom­men täg­lich einen Plan, auf dem unter an­de­rem Dauer und In­ten­si­tät der Läufe steht. Ich habe eine Tracking-App auf dem Handy und schi­cke die Daten nach dem Lauf ans Trai­ner­team.

Ist mo­geln mög­lich?

Theo­re­tisch schon. Aber glau­ben Sie mir: Ich bin der­zeit froh um jeden Me­ter, den ich lau­fen kann, und jede Be­we­gung, die ich aus­füh­ren kann. Die Kraftund Sta­bi­li­sa­ti­ons­übun­gen mache ich bei mir zu Hau­se.

Auf was freuen Sie sich am meis­ten, wenn die Mann­schaft wie­der nor­mal trai­nie­ren darf?

Mir reicht schon die Ge­sell­schaft mei­ner Mit­spie­ler. Es ist so un­ge­wohnt, wenn man sich plötz­lich nicht mehr sieht, kaum noch Ge­sprä­che mit­ein­an­der führt, die Ge­mein­schaft nicht lebt. Das kannte ich so noch nicht. Aber ich glau­be, dass nicht nur wir Pro­fis uns wie­der auf Fuß­ball­spiele freu­en. Auch wenn es Geis­ter­spiele sein wer­den. Es könnte den Men­schen einen Schritt zu­rück in die Nor­ma­li­tät si­gna­li­sie­ren. Ich hatte das Ge­fühl: Als der erste Liga-Spiel­tag ab­ge­sagt wur­de, wurde vie­len erst das wahre Aus­maß des Co­rona- Virus klar. Nach dem Mot­to: So­lange der Fuß­ball noch läuft, ist ja alles gut.

Freut sich zu­min­dest Ihre Frau San­dra ge­rade über die un­frei­wil­lige Fuß­ball­pau­se? Sie hat end­lich mal mehr Zeit mit Ih­nen.

Für sie ist es ziem­lich un­ge­wohnt, dass ich den gan­zen Tag zu Hause bin. Nach so vie­len Jah­ren ler­nen wir uns noch mal ganz neu ken­nen (lacht). Es ist für uns beide schön, dass wir jetzt so viel Zeit mit un­se­rem klei­nen Sohn ver­brin­gen kön­nen. Der hält uns auf Trab. Und ne­ben­bei hat San­dra noch einen un­aus­ge­gli­che­nen Pro­fisport­ler zu Hause -aber sie hat alles im Griff.

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