Christoph Kramer
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Kramer: „Ich breche mir lieber das Nasenbein als den Fuß!“

Ein Dickschädel mit Nehmerqualitäten

Auf seine Nehmerqualitäten wären viele Boxer neidisch! Christoph Kramer (26) ging in die Geschichte ein, als er im WM-Finale 2014 k. o. ging.

Jetzt musste Gladbachs Mittelfeld-Chef an den vergangenen zwölf Spieltagen ähnlich viel einstecken wie Wladimir Klitschko in der gesamten Karriere (drei Knock-outs): Gegen Leipzig traf ihn Naby Keïta mit einem Kung-Fu-Tritt im Gesicht. Gegen Stuttgart zerschellte sein Nasenbein am Hinterkopf von Anastasios Donis. Zuletzt musste er beim 2:1-Sieg gegen Bayern nach einem Zusammenprall mit Teamkollege Jannik Vestergaard mit Schädelprellung vom Platz.

„Als ich da wieder am Boden lag, habe ich schon gedacht: Muss das jetzt echt wieder sein?“, sagt der Weltmeister im Gespräch mit SPORT BILD: „Aber ich habe mir alle Szenen noch einmal angeschaut. Es war einfach Pech. Ich hätte keine Verletzung verhindern können.“

Am Montag nach dem Zusammenprall mit Vestergaard wurde Kramer im Krankenhaus durchgecheckt: Es wurden ein CT-Scan, eine Kernspintomografie und diverse neurologische Tests wie Gehirnstrommessungen, Reaktionstests und Sehtests gemacht.

„Alles, was man nur machen kann“, sagt Kramer, „das finde ich gut, weil man so für sich selbst Gewissheit bekommt. Die Ergebnisse waren alle super. Aber man hat mir geraten, lieber mal eine Pause zu machen und das Spiel in Wolfsburg auszusetzen. Kopfverletzungen sind eben doch ein sensibles Thema.“

Die vergangene Woche nutzte Kramer auch, um sich weiter zu informieren. Die Enthüllungen von Gehirnschäden vieler Football-Profis waren zuletzt großes Medienthema und beschäftigten ihn. „Ich bin keiner, der so etwas einfach abtut. Gesundheit ist das höchste Gut, also habe ich mich ein wenig eingelesen und auch Fachärzte gefragt“, sagt Kramer und beruhigt: „Ein Footballprofi hat 70 Gehirnerschütterungen in der Saison. Ich hatte zwei in meinem Leben. Also muss ich mir keine Sorgen über Folgeschäden machen!“

Ein Kopfschutz ist für ihn kein Thema: „Auch mit Helm hätte ich eine aufgeplatzte Lippe, meine Nase wäre gebrochen, und ich wäre mit Jannik Vestergaard zusammengeprallt. Von daher erübrigt sich die Frage!“

Samstag gegen Schalke ist er zurück. Kramer beruhigt: „Ich hatte einfach drei Kopfverletzungen in sehr kurzer Zeit. Aufs Leben heruntergebrochen, bin ich damit aber weit unter dem Schnitt. Kopf-Verletzungen sehen nur schlimmer aus. Und wenn man mich fragt, ob ich mir lieber das Nasenbein breche oder den Fuß, dann nehme ich gerne das Nasenbein!“ Denn mit einem Bruch im Fuß würde er länger ausfallen.

Genau wie auf dem Platz ist Kramer auch privat ein Dickschädel: „Ich versuche nicht nur im Fußball, mich durchzusetzen – aber nicht auf Teufel komm raus“, sagt er schmunzelnd: „Ich kann mit meinen Mitmenschen auch Kompromisse eingehen.“

Der Kopf ist wieder fit, Kramers Herz schlägt sowieso für Gladbach. Zuletzt hatte er erklärt, für keinen anderen Klub mehr kicken zu wollen. „Ich habe das Glück, bei einem Verein zu spielen, mit dem ich mich wirklich identifizieren kann. Man merkt, dass durch kontinuierlich gute Arbeit richtig viel gewachsen ist. Diesen Weg weiter mitzugehen macht mir viel Spaß, und deshalb liebe ich diesen Verein.“

Hat er dabei auch einen Titel im Kopf? „Jeder von uns möchte mal einen Titel holen. Dafür muss man viel arbeiten, und wir sind dabei, sehr viel zu arbeiten. Wenn irgendwann ein Titel herauskommt, wäre es eine Krönung – aber erwarten kann man das nicht.“