Marcus Thuram: Bei uns geht's richtig wild zu

Autor : MANschaftsbus.de-Team | 18.12.2019

Gladbachs Hinrunden-Star über das Leben in Deutschland, Trainer Rose und den Eckfahnen-Jubel

SPORT BILD: Herr Thu­ram, so oft wie in die­ser Sai­son stand Glad­bach im ge­sam­ten Jahr­tau­send noch nicht an der Bun­des­liga-Ta­bel­len­spitze

MAR­CUS THU­RAM (22): Das wusste ich noch gar nicht. Ist das Ihr Ernst?

Ja, nur ein ein­zi­ger Spiel­tag war es seit dem Jahr 2000!

Wow, das ist cool. Wir haben nicht nur ein gutes Team – wir SIND auch ein ech­tes Team. Jeder haut sich für den an­de­ren voll rein. Der Team­spi­rit ist ak­tu­ell un­sere größte Qua­li­tät.

Das hört man oft. Aber wie zeigt sich das in Glad­bach?

Gu­cken Sie mal, wie wir un­sere Tore fei­ern. Da geht es teil­weise rich­tig wild zu. Des­we­gen rut­sche ich auch nicht über den Ra­sen, wenn ich tref­fe. Ich habe Angst, mich zu ver­let­zen, wenn die Jungs dann alle auf mich sprin­gen (lacht).

Sie ze­le­brie­ren die Siege auf be­son­dere Art. Ihr Jubel mit der Eck­fah­nen-Stange ist schon Kult. War das ge­plant?

Nein, über­haupt nicht. Die Ak­tion in Köln da­mals war total spon­tan. Aber in den Tagen da­nach habe ich über­all Fotos davon ge­se­hen, Fans baten mich um Au­to­gramme auf Bil­dern mit der Sze­ne.

Sie haben er­zählt, dass Sie dem 1:0-Der­by­sieg gegen den FC damit be­son­dere Be­deu­tung ver­lei­hen woll­ten

Ja, ich habe mich in der Woche vor dem Spiel im Ver­ein er­kun­digt, was das Derby für die Fans be­deu­tet. Ein Mit­ar­bei­ter von Bo­rus­sia er­zählte mir, dass es für viele das wich­tigste Spiel der Sai­son ist. Wir woll­ten also un­be­dingt ge­win­nen. Als wir nach dem Spiel in der Kurve fei­er­ten, sah ich die kleine Köln-Fahne auf der Eck­stan­ge. Da habe ich sie ab­ge­macht und mein Glad­bach-Tri­kot drauf­ge­hängt. Wenn du weißt, wie wich­tig den Fans ein Derby ist, lebst du es auf dem Platz noch in­ten­si­ver.

Haben Ihre Fa­mi­lie oder Freunde Sie ei­gent­lich mal ge­fragt, was Sie da ma­chen?

Nein, die wis­sen, dass ich manch­mal ein biss­chen verrückt bin und dann Dinge tue, die nur schwer zu er­klä­ren sind.

Wie er­klä­ren Sie die Stärke der Mann­schaft, immer wie­der Tore in den letz­ten Mi­nu­ten eines Spiels zu er­zie­len?

Das trich­tert uns der Coach stän­dig ein. Er sagt uns im­mer, dass wir bis zum Schluss­pfiff an uns glau­ben sol­len, auch wenn eine Par­tie mal nicht so gut läuft für uns. Push, push, push, immer wei­ter – das ist unser Mot­to.

Sie sind unter Marco Rose zum bes­ten Glad­ba­cher Tor­schüt­zen auf­ge­stie­gen. Wel­chen Ein­druck hat­ten Sie beim ers­ten Tref­fen im Som­mer in Paris von ihm -und wel­chen heu­te?

Es ist wit­zig, dass Sie das Tref­fen an­spre­chen , denn es war für mich eine spe­zi­elle Be­geg­nung. Zum ers­ten Mal habe ich mich mit einem Trai­ner über Fuß­ball un­ter­hal­ten, ohne dass ich das Ge­fühl hat­te, ein Schü­ler zu sein, der nur Aus­füh­run­gen zu­hört. Meist sind Trai­ner in sol­chen Ge­sprä­chen sehr au­to­ri­tär und be­stimmt. Aber bei Marco war das an­ders. Es war ein Ge­spräch auf Au­gen­hö­he, wir haben uns über viele Dinge aus­ge­tauscht und An­sich­ten dis­ku­tiert. Das war rich­tig cool. Des­halb freue ich mich auch, dass ich ihn jetzt fast täg­lich sehe.

Ist Ihr Trai­ner ein Kum­pel­typ?

Er ist ein guter Typ. Wenn es drauf an­kommt, ist er sehr klar und do­mi­nant. Aber er kann auch un­ter­halt­sam sein. Was ich mag:

Marco lebt den Fuß­ball, er ist in jedem Trai­ning mit 100 Pro­zent Lei­den­schaft da­bei. Und manch­mal ist er noch ver­rück­ter als ich.

Sie haben be­reits in Frank­reich , Ita­lien und Spa­nien ge­lebt. Was ist für Sie ty­pisch deutsch?

Volle Sta­di­en, Bier und Tony Jantsch­ke! Hier trin­ken die Leute über­all Bier, das kannte ich so noch nicht. Und der Pro­to­typ eines Deut­schen ist Tony. Er ist unser Kas­sen­wart. Wie kor­rekt er auf die Ein­hal­tung un­se­rer Stra­fen ach­tet – das ist für mich ty­pisch deutsch!

Wür­den Sie an­de­ren fran­zö­si­schen Ta­len­ten einen Wech­sel in die Bun­des­liga emp­feh­len?

Wenn sie im Kopf be­reit sind, auf jeden Fall. Ich liebe die Bun­des­li­ga, hier gibt es Ac­tion von der ers­ten bis zur letz­ten Mi­nu­te. Als ich bei un­se­rem Spiel gegen Frei­burg (4:2) nach sie­ben Mi­nu­ten auf die An­zei­ge­ta­fel ge­guckt habe, stand dort 1:1. Ich dachte mir: „Das ist so geil am Fuß­ball.“ Hier ist es keine Sel­ten­heit, wenn in Spie­len fünf, sechs oder noch mehr Tore fal­len. Das ist in der Ligue 1 – ohne die Liga ab­wer­ten zu wol­len – die Aus­nah­me.

Ihr Team­kol­lege Alassane Plea hat es aus Glad­bach in die Équipe Tri­co­lore ge­schafft. Ein Zei­chen für Sie, dass Na­tio­nal­trai­ner Di­dier De­schamps auch auf die Bo­rus­sia guckt?

Di­dier De­schamps ist ein sehr guter Trai­ner, er guckt auf alle.

Im Som­mer waren Sie mit Frank­reich bei der U21-EM, 2020 steht die große EM an. Ist das ein Ziel oder ein Traum für Sie?

Ganz ehr­lich: Ich habe noch kein A-Län­der­spiel ge­macht, des­halb denke ich nicht dar­über nach. Ich kon­zen­triere mich wei­ter voll auf Bo­rus­sia und will meine guten Leis­tun­gen bis­lang be­stä­ti­gen.

Wäre Olym­pia – wo Frank­reichs U21 qua­li­fi­ziert und Sie spiel­be­rech­tigt sind – reiz­vol­ler?

Das wäre fan­tas­tisch. Mit Frank­reich die Gold­me­daille bei Olym­pi­schen Spie­len zu ge­win­nen – das wäre der Wahn­sinn!

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