Opfert Rose Kapitän Stindl für die Schale?

Autor : Sven Westerschulze | 08.01.2020

Nach dem Aus in beiden Pokalwettbewerben tobt in Gladbach der Konkurrenzkampf. Auch der Anführer muss um seinen Platz kämpfen

Kein Team stand in die­ser Sai­son öfter an der Spit­ze, kei­nes fei­erte mehr Sie­ge, kei­nes kas­sierte we­ni­ger Ge­gen­to­re. Ak­tu­ell liegt Glad­bach (35) nur zwei Punkte hinter Ta­bel­len­füh­rer RB Leip­zig (37). Der Hö­hen­flug unter Marco Rose (43) weckt beim Zwei­ten jetzt sogar Meis­ter­hoff­nun­gen. „Na­tür­lich träu­men wir auch. Wir haben Am­bi­tio­nen“, sagt Max Eberl (46). Glad­bachs Ma­na­ger gibt die Route für die Rück­runde vor: „Wir haben uns in diese Pha­lanx rein­ge­mo­gelt. Diese Ausgangs­la­ge, die wir uns ge­schaf­fen ha­ben, gilt es zu ver­edeln.“ Die Meis­ter­schaft als Traum, die Cham­pi­ons League als Ziel.

Rose soll das ge­lin­gen, woran sein Vor­gän­ger Die­ter Hecking (55) zwei­mal scheiter­te: Bo­rus­sia end­lich wieder in die Kö­nigs­klasse füh­ren! Und viel­leicht sogar zum Sen­sa­ti­ons­ti­tel, der ers­ten Meis­ter­schaft seit 1977.

Dafür kann Glad­bach sich – an­ders als Leip­zig, Bay­ern und Dort­mund – nach dem bit­te­ren Last­mi­nute-Aus in der Eu­ropa League und dem K. o. im DFB-Po­kal voll auf die Liga kon­zen­trie­ren. Wäh­rend die Leis­tungs­trä­ger Kräfte spa­ren, tobt beim Rest des 27-Mann-Ka­ders nun ein gna­den­lo­ser Kon­kur­renz­kampf. Sogar Ka­pi­tän Lars Stindl (31) muss um seinen Platz in der Mann­schaft kämp­fen.

Stindls Konkurrenten im Offensivzentrum heißen Embolo und Plea

 

Dass für Rose Ver­dienste aus der Ver­gan­gen­heit keine Rol­le ­spie­len, be­ka­men in der Hin­runde be­reits Raf­fael (34), Ibra­hima Tra­oré (31) und Fa­bian John­son (32) zu spü­ren. Trotz der Drei­fach-Be­las­tung spiel­ten sie keine Rolle unter dem neuen Trai­ner.

Stindl da­ge­gen fei­erte nach aus­ge­heil­tem Schien­bein­bruch am 8. Spiel­tag sein Co­me­back. Wäh­rend er in zehn Li­ga­spie­len seit dem nur zweimal von Be­ginn an ran durf­te, stand er in den Po­kal­wettbe­wer­ben bei drei von fünf Par­tien in der Startelf und er­zielte zwei wich­tige Tref­fer. Dort ist Glad­bach nun nicht mehr vertreten. Der Ka­pi­tän muss sich im Of­fen­siv­zen­trum gegen Zu­gang Breel Em­bolo (22) und Alassane Plea (26) be­haup­ten.

Unter Hecking war der Con­fed-Cup-Sie­ger von 2017 noch ge­setzt. Im Som­mer rüstete Glad­bach im An­griff auf, neben Em­bolo kam mit Mar­cus Thu­ram (22) ein zwei­ter Of­fen­sivspie­ler. Mit ihrer Schnel­lig­keit pas­sen sie per­fekt ins Anfoderungspro­fil von Roses Tem­po­fuß­ball. Stindl über­zeugt mit Tech­nik und sei­nem Ge­spür für ge­fähr­li­che Si­tua­tio­nen. Dass der An­füh­rer seinen Platz nicht freiwil­lig räumt, bekam Kon­kur­rent Plea beim 2:0-Sieg kurz vor der Win­ter­pause zu spü­ren. Der Fran­zo­se, der nach Stindl-Vor­ar­beit zum 1:0 ge­trof­fen hat­te, bat den Ka­pi­tän und etatmä­ßi­gen Schüt­zen beim Elf­me­ter wenig spä­ter um den Ball. Stindl schoss selbst und traf. Alle Mit­spie­ler ju­bel­ten mit ihm – außer Plea.

Zwei­mal kämpfte sich der elf­ma­lige Na­tionalspie­ler nach schwe­ren Ver­let­zun­gen zu­rück. 2018 kos­tete ihn ein Syn­des­mo­se­ban­driss die WM, ver­gan­ge­nes Jahr setzte ihn der Schien­bein­bruch ein hal­bes Jahr außer Ge­fecht. Jetzt muss er gegen die in­terne Kon­kur­renz – und Bo­rus­sia gegen den Ein­bruch. 2019 holte Glad­bach in der Rück­runde noch ma­gere 22 Zäh­ler, 2018 sogar nur 19. Das soll Rose ändern. „Ich bin po­si­tiv und op­ti­mis­tisch, dass wir es in die­ser Sai­son in der Rück­runde bes­ser hin­be­kom­men“, sagt Eberl. Ob die Mann­schaft ge­rüs­tet ist, wird sich gleich zu Be­ginn zei­gen. Die ers­ten beiden Aus­wärts­s­pie­len im neuen Jahr ste­hen beim Ta­bel­len­fünf­ten auf Schalke und in Leip­zig an. Dann wird auch Stindl wis­sen, ob sein Stamm­platz auf der Bank ist.

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