Raffael schlägt seinen Nachfolger vor.
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Raffael schlägt seinen Nachfolger vor. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Raffael schlägt seinen Nachfolger vor

Der Stürmer im Interview

Sport Bild: Raffael, Ihr Comeback hat in Gladbach Aufbruchstimmung erzeugt. Schießen Sie die Borussia noch nach Europa?

Raffael (33): Das würde ich gern, kann es aber nicht versprechen. Wir müssen einen guten Start in den Saisonendspurt erwischen. Wenn wir Mainz und Berlin schlagen, haben wir gute Chancen.

Sie standen in der Rückrunde verletzungsbedingt erst 195 Minuten auf dem Platz, Gladbach gewann nur zwei von zehn Spielen. Warum ist Borussia ohne Raffa deutlich schlaffer?

Ist das so? Ich weiß schon, dass ich ein wichtiger Spieler bin. Aber davon haben wir mehrere. Natürlich merke ich, dass ich der Mannschaft mit meinen Qualitäten helfen kann. Meine Stärken, das Pass- und Kombinationsspiel, das Eins-gegen-eins, passen gut zu unserer Spielphilosophie.

Ohne Sie in der Startelf ist Gladbach in dieser Saison ein Abstiegskandidat, mit Ihnen Champions-League-Aspirant. Ihre Kreativität und Spielintelligenz gehen dem Team ab, Sie sind nicht zu ersetzen.

Ob ich unersetzbar bin, sollen andere beurteilen. Aber es gibt nicht unbedingt einen zweiten Spieler bei uns, der ähnlich spielt wie ich.

Manager Max Eberl hat bereits angekündigt, sich im Sommer nach einer Alternative umgucken zu wollen. Können Sie ihm jemanden empfehlen, der so spielt wie Sie? (überlegt)

Serge Gnabry! Ich mag ihn und sehe ihm gern zu. Er ähnelt mir, was Bewegungen, Passspiel und Dribblings angeht.

Gnabry ist von Bayern an Hoffenheim ausgeliehen, soll im Sommer zurückkehren. Falls die Bayern es sich mit einem neuen Trainer anders überlegen ...

... würde ich mich sehr freuen, wenn er zu uns kommt! Und ich bin mir sicher, dass wir auch gut zusammenspielen könnten.

Sie haben an diesem Mittwoch Geburtstag, werden 33 Jahre alt. Wie lange können Sie noch auf Top-Niveau spielen?

Ich fühle mich noch nicht wie 33, sondern deutlich jünger. Mein Körper ist bestimmt noch für fünf weitere Jahre auf höchstem Niveau bereit.

Was ist Ihr Fitnessgeheimnis?

Das ist kein Geheimnis, das ist meine Frau Jamilly. Ich mache viel Sport mit ihr zusammen, sie ist extrem fit. Vor allem im Urlaub ist Jamilly eine große Unterstützung für mich. Wir gehen gemeinsam am Strand laufen, machen zusammen Kraft- und Stabilisationsübungen.

Gladbach-Ikone Lothar Matthäus hat sogar mit knapp 40 noch gespielt. Vorstellbar für Sie?

Wirklich? Lothar war ein großartiger Fußballer – und ist auch heute noch sehr fit. Aber so lange möchte ich nicht mehr spielen. Drei Jahre können es aber schon noch sein.

Ihr Vertrag in Gladbach läuft im nächsten Jahr aus.

Das stimmt, aber bislang gab es noch keine Gespräche. Mehr möchte ich dazu auch nicht sagen.

Weil Sie auch über einen Abschied nachdenken?

Nein, weil ich mich jetzt voll auf die sportliche Situation konzentrieren will. Ich mache mir da keinen Druck. Ich habe ein tolles Verhältnis zu den Verantwortlichen. Ich weiß, dass die Zeit kommen wird und wir eine gute Lösung finden werden.

Beenden Sie Ihre Karriere in Gladbach?

Für mich ist das auf jeden Fall vorstellbar. Gladbach und Raffael – das passt! Die Borussia ist für mich ein Herzensklub. Wir haben eine tolle Atmosphäre und überragende Fans. Ich fühle mich im Verein unheimlich wohl, wohne mit meiner Familie nicht weit entfernt. Auch die ist hier total glücklich. Als ich zuletzt so lange ausgefallen bin, habe ich gemerkt, wie viel mir dieser Verein bedeutet. Es war schrecklich, auf der Tribüne zu sitzen und die Mannschaft nicht unterstützen zu können. Ich habe mich hilflos gefühlt und bei den Niederlagen noch mehr gelitten, als wenn ich selbst auf dem Platz stehe. Jetzt fühle ich mich endlich wieder richtig gut. Ich habe in der Länderspielpause alle Einheiten absolviert und freue mich, jetzt voll anzugreifen.