Stindl: Gladbach steht auf einer neuen Stufe!

Autor : Sven Westerschulze | 11.06.2020

SPORT BILD: Herr Stindl, mehr als 56 Punkte nach 30 Spie­len hatte Bo­rus­sia in die­sem Jahr­tau­send nur ein­mal. Was macht das Team so stark?

LARS STINDL (31): Ich wuss­te, dass wir eine sehr gute Sai­son spie­len -dass wir so er­folg­reich sind bis jetzt noch nicht. Das ist der Lohn un­se­rer Ar­beit, jeder Punkt ist hart er­kämpft. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­ten wir in der Rück­runde Pro­ble­me, die haben wir jetzt ab­ge­stellt.

Ist es die beste Mann­schaft , in der Sie seit Ihrem Wech­sel 2015 spie­len?

Sol­che Ver­glei­che sind schwie­rig. Jede Mann­schaft hat etwas Be­son­de­res, das sie aus­zeich­net. In die­sem Jahr haben wir nicht nur eine gute erste Elf, son­dern sind auch in der Breite top be­setzt. Das war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht immer so.

Was macht das ak­tu­elle Team be­son­ders?

Si­cher der Stil, den unser neuer Trai­ner Marco Rose mit­ge­bracht hat. Wir ver­tei­di­gen or­dent­lich, sind mitt­ler­weile für gutes Ge­gen­pres­sing be­kannt und spie­len schnell nach vor­ne, sind dabei un­heim­lich ef­fek­tiv. Wir haben alle rich­tig Bock auf das, was der Trai­ner von uns ver­langt. Dazu haben wir ei­nige Spie­ler im Team, die den Un­ter­schied aus­ma­chen kön­nen.

So wie Mar­cus Thu­ram.

Mar­cus würde jeder Mann­schaft gut­tun. Wir sind sehr froh, dass wir ihn ha­ben, weil seine Art, Fuß­ball zu spie­len, ex­trem wert­voll für uns ist. Er schafft Räu­me, ge­winnt viele Zwei­kämp­fe, macht gute Dribb­lings und schießt Tore. Dar­über hin­aus ist er ein total po­si­ti­ver Men­sch, der immer für einen Spaß gut ist, aber trotz­dem weiß, wann es ernst wird.

Wie bei sei­ner So­li­da­ri­täts­be­kun­dung für den ver­stor­be­nen Afro­ame­ri­ka­ner Ge­orge Floyd. Wie hat die Mann­schaft auf seine Knie­fall-Geste beim Spiel gegen Union rea­giert?

Wir haben es als ganz star­kes Zei­chen von ihm emp­fun­den und ste­hen als Mann­schaft kom­plett da­hin­ter. Ich freue mich so­gar, dass wir so jun­ge, ver­ant­wor­tungs­be­wusste Spie­ler ha­ben, die ihren Blick auf mehr als nur den Fuß­ball rich­ten.

Sie spie­len Ihre fünfte Sai­son in Glad­bach. Wie be­schrei­ben Sie die Ent­wick­lung des Klubs seit­dem?

Wahn­sinn! Der Ver­ein hat sich nicht nur sport­lich nach vorne ent­wi­ckelt, son­dern ist auch wirt­schaft­lich in an­dere Sphä­ren vor­ge­drun­gen. Große Ein­nah­men wie zum Bei­spiel beim Ver­kauf von Gra­nit Xhaka (wech­selte 2016 für 45 Mio. Euro zum FC Ar­se­nal; d. Red.) wur­den sehr sinn­voll in­ves­tiert. Nicht nur in Bei­ne, son­dern auch in Stei­ne, wie unser Ma­na­ger Max Eberl immer so schön sagt (lacht). Neben dem Sta­dion steht unser Mul­ti­funk­ti­ons-Kom­plex mit einem Ho­tel, dazu haben wir den Foh­len­Cam­pus und den Foh­len­Stall in­zwi­schen auf dem Ge­län­de. Max Eberl, Ste­phan Schip­pers und die Ver­ant­wort­li­chen haben den Ver­ein in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf eine neue Stufe ge­ho­ben. Als ich 2015 ge­kom­men bin, war diese Ent­wick­lung noch eine Wunsch­vor­stel­lung. In­zwi­schen ist sie Rea­li­tät.

Zu Ex-Trai­ner Die­ter Hecking hat­ten Sie ein sehr enges Ver­hält­nis. Wie hat sich Ihre Rolle unter Rose ver­än­dert?

Am An­fang war es für mich nicht ganz so ein­fach, weil ich wegen mei­nes Schien­bein­bruchs nicht täg­lich bei der Mann­schaft sein konn­te. Da­durch fehlte na­tür­lich ein biss­chen die Nähe zu den Mit­spie­lern und auch zum Trai­ner. Aber Marco Rose und ich hat­ten von Be­ginn an ein gutes Ver­hält­nis. In der Vor­be­rei­tung hat­ten wir ein län­ge­res Ge­spräch, in dem er mich als Ka­pi­tän be­stä­tigt hat. Das war schon ein be­son­de­res Ge­fühl. Ich bin stolz, diese Mann­schaft an­zu­füh­ren. Und ich bin froh, dass ich mit mei­nen sport­li­chen Leis­tun­gen zum Er­folg bei­tra­gen kann.

Wäre Platz fünf am Sai­son­ende nach die­ser star­ken Spiel­zeit eine Ent­täu­schung?

Eins vor­weg: Das Er­rei­chen eines in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs ist für uns immer ein Er­folg. Aber wenn du so eine gute Sai­son spielst wie bis­her, willst du am Ende den ma­xi­ma­len Er­folg – das be­deu­tet: den Ein­zug in die Cham­pi­ons Lea­gue. Wir ver­su­chen, die ma­xi­male Punkt­zahl aus den ver­blei­ben­den vier Spie­len zu ho­len. Das ist sehr am­bi­tio­niert, aber wir wol­len es trotz­dem schaf­fen.

Das schließt einen Sieg beim FC Bay­ern am Sams­tag mit ein.

Dass das bru­tal schwer wird, wis­sen wir. Vor allem bei dem über­ra­gen­den Lauf, den die Bay­ern im Mo­ment ha­ben. Aber wir haben ver­gan­gene Sai­son in Mün­chen ge­won­nen und auch das Hin­spiel mit einer ex­trem emo­tio­na­len Schluss­phase noch ge­dreht und am Ende 2:1 ge­won­nen. Un­mög­lich ist es also nicht.

Bo­rus­sias Vi­ze­prä­si­dent Rai­ner Bon­hof prägte die er­folg­rei­che Bo­rus­sia-Ära in den 70ern mit. Nach den Spie­len kommt er re­gel­mä­ßig zum Team in die Ka­bi­ne. Fühlt er sich da manch­mal an die gol­de­nen Glad­bach-Jahre er­in­nert?

Er zeigt uns seine Wert­schät­zung. Wenn er uns nach Spie­len gra­tu­liert, ver­gleicht er uns nicht mit den da­mals er­folg­rei­chen Mann­schaf­ten aus der Ver­eins­his­to­rie. Er freut sich dar­über, dass wir den Ver­ein, mit dem er so eng ver­bun­den ist, so gut re­prä­sen­tie­ren. Und wenn er mit uns im nächs­ten Jahr wie­der auf Eu­ropa-Rei­sen gehen kann, hat er da si­cher auch nichts gegen ein­zu­wen­den (lacht).

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