Lainer: "Wir trainieren Fehlentscheidungen des Schiris"

Autor : Sven Westerschulze | 19.02.2020

SPORT BILD: Herr Lai­ner, Sie waren vier­mal mit RB Salz­burg Meis­ter, haben aber noch nie in der Cham­pi­ons League ge­spielt. Wie wich­tig ist die CL-Qua­li­fi­ka­tion für Sie diese Sai­son?

STE­FAN LAI­NER (27): Dass Salz­burg diese Sai­son erst­mals Cham­pi­ons League ge­spielt hat, freut mich total für den Klub. Den­noch wollte ich im Som­mer den nächs­ten Schritt ma­chen. Nun spiele ich bei einem großen Klub in einer der Top-Li­gen Eu­ro­pas. Der Wech­sel war daher rich­tig. Na­tür­lich würde ich mit Bo­rus­sia gern ir­gend­wann in der Cham­pi­ons League spie­len -wenn wir die Qua­li­fi­ka­tion schon in die­ser Sai­son schaf­fen wür­den, wäre das umso schö­ner. Wir sind gut in der Spur. Der Sieg in Düs­sel­dorf war wich­tig, um oben dran­zu­blei­ben.

Geht es um die Meis­ter­kan­di­da­ten, wer­den meist nur Bay­ern, Leip­zig und Dort­mund ge­nannt. Warum ist Bo­rus­sia bis­her trotz­dem auf Au­gen­hö­he?

Die in­di­vi­du­elle Klasse die­ser drei Klubs ist sehr hoch. Wir haben dafür viele Spie­ler, die in die­ser Sai­son unter dem neuen Trai­ner einen großen Ent­wick­lungs­schritt ge­macht ha­ben. Marco Rose ist in der Lage, die letz­ten Pro­zent­punkte aus jedem her­aus­zu­kit­zeln. Bei uns sind die In­ten­si­tät und Emo­tio­na­li­tät ent­schei­dend. Bei aller Tak­tik wird un­ter­schätzt, dass der Un­ter­schied zwi­schen Sieg und Nie­der­lage häu­fig darin liegt, in wel­cher Mann­schaft mehr Spie­ler von Be­ginn an die volle Span­nung auf­bau­en.

Wie lädt Rose Bo­rus­sia auf?

Neh­men wir unser 0:2 zum Rück­run­den-Auf­takt bei Schalke 04. Marco Rose nimmt eine Nie­der­lage nicht so ein­fach hin. Die je­wei­lige Trai­nings­wo­che da­nach ist nicht so an­ge­nehm. Er sagt dann nicht, dass ei­nige Dinge in Ord­nung waren und ir­gend­wann die Siege kom­men.

Son­dern?

In den Be­spre­chun­gen sagt er jedem Spie­ler sehr genau und di­rekt, was ihm nicht ge­fal­len hat. Er macht klar, dass er jede Woche 100 Pro­zent er­war­tet. Marco Rose ist nie voll zu­frie­den. Er will immer das Ma­xi­mum er­rei­chen, er will den größt­mög­li­chen Er­folg . Diese Hal­tung er­war­tet er auch von sei­nen Spie­lern.

Wie rea­giert er auf einen Platz­ver­weis wie von Alassane Plea, der beim 2:2 in Leip­zig wegen zwei­ma­li­gen Me­ckerns vom Platz flog?

Das klärt er mit dem Spie­ler unter vier Au­gen. Grund­sätz­lich sagt er uns trotz aller Emo­tio­nen: „Du kannst dir nicht aus­su­chen, was der Schieds­rich­ter pfeift. Also: ab­ha­ken, wei­ter­ma­chen.“ Das trai­nie­ren wir auch.

Sie trai­nie­ren Fehl­ent­schei­dun­gen ?

Ja, das ma­chen wir. In Trai­nings­spie­len wer­den bei uns be­wusst zwei­fel­hafte Schieds­rich­ter-Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen. Unser Co-Trai­ner Alex­an­der Zick­ler über­sieht schon mal das Ab­seits. Dann wird er­war­tet, dass wir die Si­tua­tion an­neh­men, den Zwei­kampf su­chen und nicht erst me­ckern oder win­ken.

Wie sind Sie in­for­miert wor­den, dass die Dis­zi­plin-und Re­spekt­lo­sig­kei­ten ge­gen­über Schieds­rich­tern här­ter be­straft wer­den?

Ich habe es in der BILD-Zei­tung ge­le­sen. Eine Schieds­rich­ter-Be­leh­rung hat es nicht ge­ge­ben. Aber wir müs­sen die Ent­schei­dun­gen ak­zep­tie­ren. Ich ver­stehe auch, wenn bei un­nö­ti­gen und über­har­ten Fouls kon­se­quen­ter durch­ge­grif­fen wird. Aber beim Me­ckern wün­sche ich mir mehr Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Mir wird da jetzt zu viel dra­ma­ti­siert. Es ist aus mei­ner Sicht kein feh­len­der Re­spekt, wenn man aus der Emo­tion her­aus auch mal lau­ter wird.

Ist die neue Re­ge­laus­le­gung für eine emo­tio­nale Mann­schaft wie Glad­bach ein Nach­teil?

Wir sind keine Mann­schaft, die viel la­men­tiert. Nur weil wir die Ak­tion von Alassane hat­ten, sollte man uns nicht grund­sätz­lich ver­ur­tei­len. Wir sind emo­tio­nal, nicht un­dis­zi­pli­niert.

Rose hat drei Gelbe Kar­ten wegen Me­ckerns ge­se­hen, wird bei der nächs­ten ge­sperrt.

Ich den­ke, dass er schon ru­hi­ger ist als in Salz­burg. Auf jeden Fall be­komme ich we­ni­ger von ihm mit, was auch daran lie­gen kann, dass es in den Sta­dien viel lau­ter ist als in Ös­ter­reich. Er ver­sucht, sich der gan­zen Si­tua­tion an­zu­pas­sen. Er ist ein emo­tio­na­ler Trai­ner, würde aber nie­mals re­spekt­los mit an­de­ren Men­schen um­ge­hen.

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