"Ich wäre gerne in den Stadien dabei"

Autor : Christian Falk | 05.06.2020

Jogi Löw erklärt, wie er die Geisterspiele verfolgt und wie er mit seinen Spielern in Kontakt steht. Selbst hält er sich mit Wandern fit

Nor­ma­ler­weise würde Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw (60) die­ser Tage im ös­ter­rei­chi­schen See­feld seine Na­tio­nal­spie­ler für die Eu­ro­pa­meis­ter­schaft vor­be­rei­ten. Das Tur­nier wurde auf­grund der Co­rona-Krise ebenso ab­ge­sagt wie das Test­spiel gegen die Schweiz, das ver­gan­ge­nen Sonn­tag in Basel an­ge­setzt war. Statt­des­sen wan­derte Löw zu­letzt re­gel­mä­ßig in der un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung von Frei­burg. Fünf, sechs Stun­den war er zum Teil un­ter­wegs, er­freute sich in 1000 Meter Höhe an der Aus­sicht auf seine Hei­mat­stadt. In­zwi­schen ge­nießt Löw aber wie­der den Blick auf die lau­fende Bun­des­li­ga.

„Die In­ten­si­tät der Spiele ist hoch, die Spie­ler wir­ken fit, sie sind mo­ti­viert und ver­sprü­hen Lust und Freu­de“, lobt Löw die hohe Qua­li­tät beim Re-Start der Bun­des­li­ga. Seine erste Bi­lanz lau­tet: „Geis­ter­spiele sind bei allen nach­voll­zieh­ba­ren Kri­tik­punk­ten die mit Ab­stand beste Op­tion, die Meis­ter­schaft sport­lich zu Ende zu brin­gen.“

Ein Platz in den Sta­dien zur Be­ob­ach­tung sei­ner Na­tio­nal­spie­ler war für den Bun­des­trai­ner im DFL-Hy­giene-Kon­zept nicht vor­ge­se­hen. Löw hat dafür Ver­ständ­nis, hält sich ge­wis­sen­haft an die Richt­li­ni­en.

„Na­tür­lich wäre auch ich gerne in den Sta­dien da­bei“, gibt Löw zu. „Bei einem Spit­zen­spiel wie letzte Woche zwi­schen Dort­mund und Bay­ern bei­spiels­weise sind ja eine Menge Na­tio­nal­spie­ler auf dem Platz.“ Aber bevor die Liga den Spiel­be­trieb wie­der auf­nahm, sei ihm mit­ge­teilt wor­den, dass es in dem vor­lie­gen­den Hy­gie­ne­kon­zept ganz kon­se­quent darum gehe, dass sich so we­nige Men­schen wie mög­lich in den Sta­dien auf­hal­ten dür­fen. Löw: „Ich möchte und werde hier keine Son­der­rechte be­an­spru­chen, son­dern ak­zep­tiere diese nach­voll­zieh­bare Vor­gabe und halte mich dar­an.“ Auch pri­vat würde er ge­ne­rell ver­su­chen, so we­nige Be­geg­nun­gen wie mög­lich statt­fin­den zu las­sen. „So schwer mir das auch fällt. Aber da geht es mir wahr­schein­lich wie je­dem“, ge­steht Löw.

Die Par­tien der Bun­des­liga sieht er sich eben­falls al­leine vor dem Fern­se­her an. „Die Spiele ver­folge ich zu Hau­se, und in un­se­rem Trai­ner­team dis­ku­tie­ren wir dann auch re­gel­mä­ßig und in­ten­siv dar­über“, sagt Löw. Die Lei­tung der Na­tio­nal­mann­schaft prak­ti­zierte das auch be­reits vor der Co­rona-Krise oft so, schal­tet sich seit Jah­ren über Te­le­fon-und Vi­deo-Kon­fe­ren­zen zu Sit­zun­gen zu­sam­men.

Auch der Bun­des­trai­ner hat re­gis­triert, dass die Fuß­ball-Welt nun fo­kus­sier­ter denn je auf die Bun­des­liga blickt. Sie hat die Vor­rei­ter-Rolle im in­ter­na­tio­na­len Fuß­ball über­nom­men. „Ich glau­be, die beste Wer­bung be­steht schon al­lein dar­in, dass Deutsch­land diese Krise ins­ge­samt bis­lang sehr gut be­wäl­tig­t“, sagt Löw. „Die Po­li­tik mit Bun­des­kanz­le­rin An­gela Mer­kel an der Spitze macht das aus mei­ner Sicht sehr gut, ich habe großen Re­spekt da­vor. Deutsch­land und die Bun­des­liga gehen hier voran und über­neh­men Ver­ant­wor­tung.“

Löw selbst hat seine Na­tio­nal­mann­schaft noch nicht zu­rück, um sie zu trai­nie­ren. Er selbst hält sich mit Sport da­heim fit. Zu sei­nen Pro­fis pflegt er den Kon­takt mit kur­zen Chats oder te­le­fo­niert mit ei­ni­gen Spie­lern, um sich zu er­kun­di­gen, wie sie mit der ak­tu­el­len Si­tua­tion um­ge­hen. Zu­letzt hatte der Bun­des­trai­ner die Mann­schaft im No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res für die EM-Qua­li­fi­ka­ti­onss­piele zu­sam­men. Die für März ge­plan­ten Par­tien gegen Spa­nien und Ita­lien wur­den auf­grund des Co­rona-Vi­rus ge­nauso ab­ge­sagt wie die EM 2020. Als nächste Ter­mine im DFB-Ka­len­der ste­hen die Sep­tem­ber-Par­tien gegen Spa­nien (3.9.) und in der Schweiz (6.9.). Ob sie statt­fin­den wer­den, kann noch nie­mand pro­gno­s­ti­zie­ren. Klar ist nur: Auch sie wür­den vor lee­ren Rän­gen aus­ge­tra­gen wer­den. Die feh­lende Stim­mung ver­folgt Löw ak­tu­ell in der Bun­des­li­ga.

„Dass mit Fans und Zu­schau­ern eine an­dere At­mo­sphäre herrscht, ist doch klar“, sagt Löw. „Mir aber macht das Zu­schauen Spaß. Ich bin froh, un­sere Na­tio­nal­spie­ler wie­der auf dem Platz zu se­hen. Das macht Hoff­nung dar­auf, dass im Herbst auch wie­der Län­der­spiele statt­fin­den kön­nen.“

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