"Wembley ist unser großes Ziel"

Autor : Tobias Altschäffl | 04.12.2019

Der Sturm-Star über die Chancen der deutschen Mannschaft, Parallelen zu 2010 und den Top-Favoriten der EM

SPORT BILD: Herr Wer­ner, nach einer Sai­son des Um­bruchs qua­li­fi­zierte sich die Na­tio­nal­mann­schaft am Ende sou­ve­rän für die Euro 2020. Wo steht das neue, junge Team ak­tu­ell?

TIMO WER­NER (23): Ich glau­be, dass die Qua­li­fi­ka­tion im Großen und Gan­zen in Ord­nung war. Wir haben gegen die Nie­der­lande in Ham­burg ein Spiel ver­lo­ren, an­sons­ten meist sou­ve­räne Leis­tun­gen ge­zeigt. Bis zur EM ist es noch Zeit, damit wir uns wei­ter fin­den und ein­spie­len. Spe­zi­ell vor dem Tur­nier müs­sen die Automatis­men trai­niert wer­den. Zu­letzt gab es in­ner­halb des Ka­ders viele Verände­run­gen. Wir bauen eine neue Mann­schaft auf, müs­sen Ge­duld ha­ben. Insge­samt be­ein­flus­sen viele De­tails das Tur­nier.

Ich hof­fe, dass wir mit der neuen Ge­ne­ra­tion viel er­rei­chen kön­nen

Was genau mei­nen Sie?

Es geht dar­um, wel­che ver­letz­ten Spie­ler zu­rück­keh­ren. Wel­che Spie­ler noch den Ver­ein wech­seln. Wer Spiel­pra­xis auf hohem in­ter­na­tio­na­len Ni­veau sam­melt. Es ist heute schwer, eine Pro­gnose ab­zu­ge­ben, wie unser Kader für die EM aus­se­hen wird. Aber eines steht für mich fest, auch wenn wir eine noch sehr junge Mann­schaft sind: Wir wer­den nicht mit stump­fen Waf­fen in die EM ge­hen.

Zählt Deutsch­land denn Ihrer Mei­nung nach zu den Fa­vo­ri­ten?

Wir wis­sen, dass wir nicht der ab­so­lute Top-​ Fa­vo­rit sind. Ich sehe Frankeich, den Welt­meis­ter, vor­ne. Aber das schließt nicht aus, dass wir alles ver­su­chen wer­den, um das Ma­xi­mum her­aus­zu­ho­len. Als deut­sche Mann­schaft haben wir immer die Am­bi­tion, Titel zu ho­len. Und das kön­nen wir mit un­se­rer Mann­schaft schaf­fen, auch wenn wir dies­mal nicht zum Kreis der großen Top-​Fa­vo­ri­ten zäh­len.

Jogi Löw zog bei der ak­tu­el­len Mann­schaft den Ver­gleich zur jun­gen DFB-​Elf 2010, die bei der WM in Süd­afrika alle über­raschte und bis ins Halb­fi­nale vordrang. Ein Vor­bild für die heu­tige Ge­ne­ra­tion?

Na­tür­lich gibt es da Par­al­le­len, ja. Von da­mals sind nicht mehr viele Spie­ler da­bei, dafür sind an­dere in ihre Fuß­stap­fen ge­tre­ten. Die­ses Erbe muss ein An­sporn für uns sein. In Deutsch­land sind immer genug Ta­lente nach­ge­kom­men. Das ist nun auch der Fall. Ich hof­fe, dass wir mit der neuen Ge­ne­ra­tion viel er­rei­chen kön­nen.

…dass ich den ak­tu­el­len Lauf fort­set­ze, bei dem Tur­nier viele Tore schieße und wir als Mann­schaft am Ende das Ma­xi­mum her­aus­ho­len.

Das Tur­nier fin­det erst­mals in zwölf ver­schie­de­nen Län­dern statt. Haben Sie sich mit dem Modus schon näher be­kannt ge­macht?

Es wird eine ganz neue Er­fah­rung, auf die ich sehr ge­spannt bin. Ich weiß, was ich mir wün­sche, Halb­fi­nale und Fi­nale fin­den in Lon­don, im Wem­bley-​Sta­dion, statt. Das ist unser großes Ziel, zu die­sem Zeit­punkt des Tur­niers noch dabei zu sein. Doch bis dahin liegt noch etwas Ar­beit vor uns.

Timo Werner kam in fünf EM Quali-Spielen zum Einsatz, erzielte zwei Tore. In der Bundesliga spielt der Leipziger bisher eine ganz starke Saison

Vor der WM 2018 haben Sie sich sehr viel vor­ge­nom­men, auch Druck auf­ge­baut. Das Tur­nier en­dete ent­täu­schend. Mit wel­chem Ge­fühl, mit wel­chen Zie­len gehen Sie in die Euro?

Ich will mein höchs­tes Ni­veau er­rei­chen, den best­mög­li­chen Fuß­ball zei­gen. Klar ist es mein Ziel, dass ich den ak­tu­el­len Lauf fort­set­ze, bei dem Tur­nier viele Tore schieße und wir als Mann­schaft am Ende das Ma­xi­mum her­aus­ho­len.

Bei Leip­zig läuft es unter Na­gels­mann für Sie noch bes­ser als zu­vor. Was hat sich für Sie per­sön­lich ge­än­dert?

Ich hatte mit Ju­lian Na­gels­mann schon Ge­sprä­che, bevor er unser Trai­ner wur­de. Ich habe nun eine etwas ver­än­derte Po­si­tion, agiere teil­weise auf der Zehn. Das hilft mir sehr, ich habe viele Frei­hei­ten. In der Bun­des­liga gibt es viele Teams, die gut ver­tei­di­gen. Oft muss man lange auf seine Chance war­ten, ge­dul­dig blei­ben. Aber ich habe mich da ent­wi­ckelt, mache mir nicht zu viele Ge­dan­ken, ob ich tref­fe. Ich gehe auf den Platz, haue alles raus und hof­fe, dass am Ende ein Tref­fer auf dem Konto steht, der im Ide­al­fall zum Sieg bei­trägt.

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