"Wir wollen unangenehm sein"

Autor : Tobias Altschäffl | 27.11.2019

Der Real-Star über die erfolgreiche Quali und wie sich das Löw-Team entwickeln muss

SPORT BILD: Herr Kroos, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das EM-Jahr 2020?

TONI KROOS (29): Ich freue mich darauf und möchte mit der Mannschaft neue Erfolge einfahren. Meine Hoffnung ist, dass wir die positiven Gefühle von unserem Länderspielabschluss trotz der langen Pause mitnehmen können. Wir werden im März zwei sehr wichtige Freundschaftsspiele gegen starke Gegner absolvieren. Diese Partien müssen wir nutzen, um uns auch auf absolutem Top-Niveau noch besser zu finden.

Welche Bedeutung kommt den letzten Tests gegen Spanien sowie einem weiteren, bisher noch nicht benannten Gegner zu, bevor im Mai die Vorbereitung für die EM richtig startet?

Das werden gute Testläufe Richtung Turnier, die wir unbedingt ernst nehmen sollten. Auch sind es die letzten Länderspiele, bevor der Bundestrainer sein vorläufiges EM-Aufgebot im Mai benennen muss.

Deutschland hat definitiv drei EM-Heimspiele in der Vorrunde in München. Ein Vorteil?

Ich hoffe, dass wir das nutzen können. Wir haben gute Chancen, das Publikum auf unsere Seite zu ziehen. Das ist auswärts schwieriger. Für uns ist das eine Super-Möglichkeit, für Deutschland allgemein hervorragend.

In der Offensive sieht das deutsche Spiel oft schon sehr ansprechend aus. Muss sich vor allem die Defensive verbessern, um bei der EM eine Chance zu haben?

Ja, wobei damit nicht nur die Abwehrreihe gemeint ist. Wir müssen insgesamt die Abläufe trainieren, wie wir anlaufen und attackieren wollen. Wir wollen unangenehm für die Gegner sein. Das wird beim Turnier deutlich schwieriger als in der Qualifikation. Wir hatten zuletzt oft Gegner, die nur bedingt mitspielen wollten und stattdessen eher aus der Ab-wehr heraus mit langen Bällen agiert haben. Damit sind wir gut umgegangen. Bei der EM werden wir aber auf Mannschaften treffen, die stärker nach spielerischen Lösungen suchen werden. Es ist umso wichtiger, dann gut positioniert zu sein.

Sind Mann­schaften wie Frankreich, England oder Belgien der deut­schen Mann­schaft wirk­lich einen Schritt voraus?

Das werden wir sehen, wenn wir aufeinandertreffen. Diese Nationen haben aber den Vorteil, dass sie in den vergangenen 15 Monaten keinen derart großen Umbruch hatten wie wir. Eingespieltheit ist immer ein großes Plus. Diese Teams haben eine große Qualität und in meinen Augen etwas bessere Voraussetzungen. Aber das heißt beim Turnier selbst nichts – das mussten wir 2018 ja am eigenen Leib erfahren.

Eingespieltheit ist ein Plus. Aber das heißt beim Turnier selbst nichts

Der Bundestrainer spricht häufig über Pa­rallelen zur WM 2010. Hat er darüber mit der Mannschaft auch intern gesprochen? Und was denken Sie darüber?

Intern hat der Bundestrainer nicht mit uns darüber gesprochen, aber wir wissen, was er damit meint. In Südafrika war damals eine recht junge Mannschaft da, mit viel Potenzial und auch ein paar Wechseln nach der EM 2008. Das Turnier war zwar gut, aber wir waren noch nicht fertig gereift. Das braucht alles seine Zeit, wie sich dann bei uns 2012 und 2014 gezeigt hat, als es noch besser aussah.

Was denken Sie über die Diskussionen be­züglich Stim­mung und Zuschauerzu­spruch bei den deut­schen EM­-Quali­-Spielen?

Ich fand den Abschluss sehr positiv. In Frankfurt waren beim 6:1 über Nordirland mehr als 40000 Fans im Stadion. Wir mussten nach der WM einiges gutmachen und möchten die Fans mit attraktivem Fußball wieder begeistern. Spiele wie gegen Nordirland oder auch das 4:0 gegen Weißrussland zuletzt sind da das richtige Mittel. Ich glaube nicht, dass es in den vergangenen Jahren deutlich spektakulärere oder viel bessere Quali-Spiele von Deutschland gab – wenngleich wir die Qualität unserer Gruppengegner einzuschätzen wissen.

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