Wer zeigt die deutschen EM-Spiele 2024?

Autor : Steven Jörgensen | 25.09.2019

Diese Mel­dung über­raschte die Me­dien­bran­che: Die Te­le­kom be­kommt die Über­tra­gungs­rechte für die Heim-​EM 2024!

Erst­mals wer­den ARD und ZDF bei einem großen Fuß­ball-​Tur­nier ge­schla­gen. Durch ein Ge­setz haben die Öf­fent­lich-​Recht­li­chen aber noch eine Chan­ce, zu­min­dest die wich­tigs­ten EM-​Par­tien zei­gen zu kön­nen.

Laut Pa­ra­graf 4, Ab­satz 2 des Rund­funk­staats­ver­trags müs­sen bei Fuß­ball-​Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten „alle Spiele mit deut­scher Be­tei­li­gung sowie un­ab­hän­gig von einer deut­schen Be­tei­li­gung das Er­öff­nungs­spiel, die Halb­fi­nal­spiele und das End­spiel“ live im Free-​TV über­tra­gen wer­den.

Die Te­le­kom si­gna­li­sierte be­reits Ver­hand­lungs­be­reit­schaft über eine Sub­li­zenz.

Neben ARD und ZDF wären aber auch Pri­vat­sen­der wie RTL po­ten­zi­elle Bie­ter. Das wird die be­gehrte Ware ex­trem teuer ma­chen.

Ak­tu­ell soll RTL rund zehn Mil­lio­nen Euro pro Län­der­spiel der DFB-​Elf zah­len, eine ähn­li­che Summe geben ARD und ZDF für die Par­tien in der Na­ti­ons League aus. Über­tra­gun­gen mit einer si­che­ren Quote zwi­schen acht und zehn Mil­lio­nen Zu­schau­ern haben eben ihren Preis.

Da bei einer EM TV-​Zu­schau­er­zah­len von 25 bis 30 Mil­lio­nen Fans zu er­war­ten sind, lie­gen die Preise dort deut­lich hö­her.

Bran­chen­ken­ner schät­zen, dass pro Spiel 20 Mil­lio­nen Euro auf­wärts fäl­lig wer­den könn­ten -​ je nach Bie­ter­kampf sogar noch mehr. Es geht um sechs bis acht Par­ti­en, die frei emp­fang­bar sein müs­sen: das Er­öff­nungs­spiel (mit Gast­ge­ber Deutsch­lan­d), die zwei wei­te­ren Grup­pen-​Par­tien des DFB-​Teams, die bei­den Halb­fi­nals (ei­nes mög­li­cher­weise mit Deutsch­land) sowie das End­spiel. Je nach­dem, wie weit Deutsch­land kommt, könn­ten ein Ach­tel-​und ein Vier­tel­fi­nale hin­zu­kom­men. In der Summe müs­sen die FreeTV-​Sen­der also mit Aus­ga­ben von 120 bis 160 Mil­lio­nen Euro rech­nen.

Dies könnte zu viel für ARD und ZDF sein. Zu­letzt ver­lo­ren die Öf­fent­lich-​Recht­li­chen die Cham­pi­ons League (S­ky/DAZN) und die Qua­li­fi­ka­ti­ons-​und Test­spiele der DFB-​Elf (RT­L), weil an­dere mehr bo­ten. Der Sport­rechte-​Etat der ARD be­trägt mo­men­tan rund 250 Mil­lio­nen Euro pro Jahr, beim ZDF sind es 180 bis 190 Mil­lio­nen. Damit müs­sen aber auch Olym­pia, Bun­des­li­ga, Win­ter­sport sowie viele wei­tere Rechte be­zahlt wer­den. ARD-​Sport­ko­or­di­na­tor Axel Bal­kausky be­schreibt die Si­tua­tion so:

Es gibt mitt­ler­weile Wett­be­wer­ber im Sport­rechte-​Markt, die über sehr viel hö­here fi­nan­zi­elle Mit­tel ver­fü­gen als wir Öf­fent­lich-​Recht­li­chen. Wir sind nicht in der Lage, stra­te­gi­sche Preise zu zah­len. Unser Etat ist ge­de­ckelt, und wenn er ver­braucht ist, ist er ver­braucht.

Das EM-​Pa­ket der Te­le­kom um­fasst 51 Tur­nier-​Par­ti­en. Diese sol­len beim In­ter­net-​An­ge­bot Magen­taS­port lau­fen, das über IPTV, SmartTV und über die Web­seite magen­tas­por­t.de zu sehen ist. Ak­tu­ell kos­tet es mo­nat­lich ab 9,95 Euro.

Wie viel die Te­le­kom zahlt, ist nicht be­kannt. Zu­letzt stie­gen die Kos­ten für EM-​Rechte ste­tig: von 115 Mil­lio­nen Euro (2008) auf 150 Mio. (2020) -​ je­weils bei ARD und ZDF. Die Li­zenz­summe des Te­le­kom-​In­vest­ments soll laut Bran­chen­krei­sen sogar über 200 Mil­lio­nen Euro lie­gen. Bis­her gab der Kon­zern eher klei­nere Be­träge aus: Bas­ket­ball-​Bun­des­liga (4 Mio.), Deut­sche Eis­hockey-​Liga (4-​5 Mio.) sowie 3. Liga (6-​8 Mio.). Offen ist noch, ob die Te­le­kom auch bei Bun­des­liga und Cham­pi­ons League an­grei­fen wird.

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