André Hahn: "Hier nimmt sich keiner zu wichtig"
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André Hahn: "Hier nimmt sich keiner zu wichtig" Quelle: Getty Images / All rights reserved.

André Hahn: "Hier nimmt sich keiner zu wichtig"

Der Rückkehrer fühlt sich wohler als beim HSV

Sport Bild: Herr Hahn, am ersten Spieltag machten Sie sofort ein Tor für den FCA, gegen Gladbach überzeugten Sie am Samstag wieder. Welche Rolle spielt für Sie der Wohlfühlfaktor Augsburg?

André Hahn (28): Eine riesige Rolle. Es ist tatsächlich so, dass ich das auf dem Platz spüre: Der körperliche Zustand auf dem Rasen ist besser, wenn man sich wohlfühlt. Ich kann mehr aus meinem Körper herausholen und muss mich dazu nicht plagen. Ich denke mir nicht: „Oh nein, nicht schon wieder …“

So wie im vergangenen Jahr in Hamburg?

Es war kein glückliches Jahr, aber es hat mich als Mensch reifen lassen, da ich durch eine schwere Phase ging. Ich habe lernen müssen, mit Dingen umzugehen.

Wovon sprechen Sie?

Von Dingen wie plötzlich überhaupt keine Rolle mehr zu spielen. Leute aus der U 23 vor die Nase gesetzt zu bekommen. Vom Coach laufend gesagt zu bekommen: „Du trainierst super!“ – aber dann nicht im Kader zu stehen. Es gab in Hamburg so viele Entscheidungen, die ich nicht nachvollziehen konnte, aber ich musste sie einstecken, damit umgehen. Wenn du Woche für Woche nur auf der Tribüne sitzt, ist es nicht leicht, den Mund zu halten.

Zumal Ihnen Ihre Familie in dieser Zeit fehlte.

Richtig, es zeichnete sich schnell ab, dass es in Hamburg schwierig wird. Meine Frau blieb dann mit unserem zweieinhalb Jahre alten Kind in Mönchengladbach. Ich kam abends nach Hause und hatte niemanden zum Reden, ich konnte nicht meinen Sohn Julien in den Arm nehmen. Ich war allein, hatte zu viel Zeit, über die Situation nachzudenken, und keine Ablenkung. Es war eine harte Prüfung.

Ihr Teamkollege Michael Gregoritsch war ebenfalls in Hamburg nicht mehr erwünscht …

Wir haben uns über den HSV unterhalten, Micki hängt noch etwas mehr an Hamburg. Wir sind aber einer Meinung: Der HSV ist ein großartiger Verein mit viel Potenzial, einem tollen Stadion und Super-Fans. Ich hoffe, dass sie nach dem Abstieg in die 2. Liga wieder die Kurve kriegen.

Bereuen Sie, jemals aus Augsburg – wo Sie 2013/14 mit zwölf Toren und neun Vorlagen Ihre beste Saison hatten – weggegangen zu sein?

Nein, der Schritt war vollkommen richtig, ich bereue nichts. Ich hatte drei schöne Jahre in Mönchengladbach, durfte Euro League und Champions League spielen. Ich möchte diese Zeit nicht missen.

Was ist hier anders?

Wir sind eine geschlossene Truppe, keine alternden Stars. Hier ist jeder gleich, keiner nimmt sich zu wichtig. Man bekommt eine enorme Wertschätzung auf dem Platz, das wirkt sich auf jeden Spieler aus. Zudem ist hier im Süden die Landschaft schön, das Wetter öfter gut – ich fühle mich hier einfach wohl.

Das führte 2014 dazu, dass Sie in Augsburg Nationalspieler wurden (Ein Einsatz im Freundschaftsspiel gegen Polen, 0:0). Denken Sie noch an das DFB-Team?

Im Moment ist das nicht so in meinem Kopf, ich habe ein unschönes Jahr hinter mir. Aber im Endeffekt liegt es an mir. Ich weiß, was in mir steckt, und will nun einfach Gas geben. Was mich bei der aktuellen Kader-Nominierung aber schon überrascht hat: dass Philipp Max nicht dabei ist. Er hätte es nach der großartigen Vorsaison wirklich mehr als verdient gehabt.