Augsburg-Aufpasser Lehmann: Der neue Co-Trainer soll Härte zeigen

Autor : Tobias Altschäffl | 30.01.2019

Keine Disziplin, keine Stabilität: Der neue Co-Trainer Jens Lehmann soll Härte zeigen und die Abwehr wieder dicht machen

Es passte ins Bild, das der FC Augsburg aktuell abgibt: erst einmal kein Kommentar! Dabei wäre der Anlass endlich einmal wieder ein positiver gewesen. Am Montag um 14 Uhr vermeldeten SPORT BILD und BILD die Verpflichtung von Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann (49) als neuen Co-Trainer. Erst um 17.10 Uhr bestätigte der FCA den Coup. Lehmann soll dem angeschlagenen Trainer Manuel Baum (39) helfen, zudem ist er eng mit Manager Stefan Reuter befreundet (52). Seit Wochen liefen die Gespräche, auch Baum war eingeweiht, er legte kein Veto ein. Lehmann, in England und der Bundesliga Meister sowie Vize-Europameister 2008, soll durch seine Autorität den Spielern Disziplin beibringen. Auf dem Trainingsplatz liegt sein Schwerpunkt auf der Abwehr: Er soll die löchrige Defensive (33 Gegentore), die erst einmal in dieser Saison zu null spielte, wieder dicht bekommen.

Der 61-malige Nationalspieler muss den Augsburgern in der größten Krise seit dem Aufstieg 2011 helfen. Denn was den Verein normal auszeichnete Ruhe in jeder Situation ist nun völlig verloren gegangen. In Augsburg geht es drunter und drüber!

Seit Wochen wuchs der Ärger über den verschollenen Caiuby (30), der Mitspieler erzürnte, dann plötzlich wieder auftauchte und erst einmal Party machte. Am Montagabend wurde der Brasilianer schließlich freigestellt. Mit Martin Hinteregger (26) griff ein Führungsspieler nach dem 0:2 gegen Gladbach -der dritten Niederlage in Folge -Baum öffentlich an. „Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen“, sagte Hinteregger: „Die Entwicklung geht seit einem Jahr nach unten.“ Wie reagierte Reuter? Die Verantwortlichen versuchten, das Thema totzuschweigen. Dazu sage er erst einmal gar nichts, winkte Reuter ab und ging in Gladbach in die Kabine. Seit Wochen versucht der Manager, der seit seinem Amtsantritt am 27. Dezember 2012 in guten wie in schlechten Zeiten mit gleicher, ruhiger Tonalität und Mimik vor die Medien tritt, die Situation zu beruhigen. Die Disziplinlosigkeiten neben und die Schwäche auf dem Platz lässt sich jedoch nicht mehr weglächeln – sie fallen auch Reuter auf die Füße. „Anarchie in Augsburg“, titelte BILD am Montag. Schlagzeilen, die es rund um Augsburg nie gab – selbst dann nicht, wenn ein Trainer unter dubiosen Umständen und mit blauem Auge entlassen wurde, wie Dirk Schuster im Dezember 2016.

Nun sind es Hinteregger und Caiuby, die für Ärger sorgen. Verteidiger Hinteregger, Spitzname „Hinti“, ist in der Mannschaft für seine offenen Worte bekannt, er wird von vielen Kollegen dafür geschätzt. Ganz anders ist die Meinung über Caiuby: Diesen Brandherd versuchte Reuter über Wochen zu löschen („Caiuby interessiert mich aktuell überhaupt nicht“), im Team blieb er jedoch Gesprächsthema Nummer eins. Er brüskiert mit seinem Verhalten die eigenen Kollegen.

SPORT BILD erfuhr: Nur wenigen Mitspielern wie dem Venezolaner Sergio Córdova antwortete Caiuby zuletzt auf Anrufe oder WhatsApp-Nachrichten, die Kontaktaufnahme von anderen Spielern ignorierte er. Von Reuter bekommen die FCA-Profis keine Infos über Caiuby, seinen Spind in der Kabine hatte er bis Montag noch nicht geräumt. Als SPORT BILD ihn vergangene Woche per WhatsApp kontaktierte, kam von Caiubys Handy u. a. die Antwort: „Was los??“ oder auf die Frage nach seinem Aufenthaltsort:“Wie wo bin ich?“ Ein geplantes Interview wurde mit der Begründung, er habe „Training um die Uhrzeit“ verschoben, dann abgesagt. Am Ende vergangener Woche tauchte ein Video auf, wie Caiuby tatsächlich wieder in Augsburg war – beim Partymachen.

Augsburg im Chaos. Schon Mitte der vergangenen Woche gab es eine Sitzung der Führungsspieler, um die Krise zu analysieren. Das Ergebnis: Trotz kritischer Stimmen aus dem Team wird Baum nicht als Hauptschuldiger gesehen. Die Mannschaft sei in der Pflicht, es brauche wieder eine klarere Struktur. Für diese muss nun auch Reuter sorgen. Helfen soll dabei die Autoritäts-Person Lehmann. Was der wohl zur Maßnahme nach dem 0:2 in Gladbach gesagt hätte? Die auf dem Trainingsplan für 10.45 Uhr angesetzte Analyse wurde kurzerhand gestrichen. Stattdessen gab es jedoch kein Straftraining, sondern: frei.

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