Philipp Max: "Ich habe immer vom Ausland geträumt!"
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Philipp Max: "Ich habe immer vom Ausland geträumt!" Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Philipp Max: "Ich habe immer vom Ausland geträumt!"

Der Shootingstar über seine rasante Entwicklung

Sport Bild: Herr Max, wir befinden uns im Café Ihrer Schwiegermutter in spe, mitten in der Augsburger Innenstadt. Autogrammwünsche müssen Sie aber nicht erfüllen ...

Philipp Max (24) : Wahrscheinlich haben hier einfach schon alle Autogramme von mir. Nein, im Ernst: Das Umfeld hier in Augsburg ist sehr unaufgeregt. Ich werde ab und zu mal von Leuten in der Stadt angesprochen, aber es ist nicht so, dass hier eine Hysterie ausbricht, wenn ich durch die Straßen laufe.

Sie haben in der Hinrunde zehn Tore aufgelegt. In ganz Europa kommt kein Abwehrspieler auf diesen Wert. Dabei war zu Saisonbeginn nicht einmal klar, ob Sie überhaupt spielen ...

Die Entwicklung ist wirklich verrückt. Wenn ich die Statistiken lese, kann ich es manchmal selbst nicht glauben. Aber es ist alles erklärbar: Ich habe im Sommer erstmals eine komplette Vorbereitung beim FCA durchziehen können. 2015 kam ich relativ spät vom KSC, 2016 war zuvor Olympia. Nun konnte ich alle Einheiten mitmachen und stand voll im Saft.

Wenn man mit Jugendtrainern oder Scouts spricht, dann hätte Ihnen kaum jemand diese Entwicklung zugetraut. Freut es Sie, dass Sie alle Experten eines Besseren belehren konnten?

Ach was, ich kann die Experten doch verstehen! Denn ich bin auf dem Platz schließlich ein Spät-Entwickler. Ich war nie der Überflieger, der schon in jungen Jahren um Klassen besser war als andere. Schon bei 1860 München musste ich mir anhören, dass ich nur in der Jugend mitspielen durfte, weil mein Vater (Martin Max; d. Red.) der Torjäger bei den Profis war.

Sie haben sich in den Fokus vieler Spitzenklubs gespielt. Wohin führt Ihr Weg? Ins Ausland?

Zunächst einmal habe ich einen langfristigen Vertrag beim FCA (bis 2022; d. Red). Aber im Fußball kann man nie etwas ausschließen. Ich gebe zu: Schon als Kind habe ich davon geträumt, einmal im Ausland zu spielen. Dieser Traum besteht nach wie vor. Ich denke, dass die englische Liga gut zu meiner geradlinigen Art auf dem Platz passen würde. Aber auch andere Klubs können reizvoll sein.

Selbst Pep Guardiola soll auf Sie aufmerksam geworden sein.

Ich habe das gelesen. Wenn wirklich der vielleicht beste Trainer der Welt Interesse an mir haben sollte, wäre das eine große Ehre.

Wie begleitet Ihr Vater Martin Ihre Karriere?

Das ist schon meine ganze Karriere über mein großer Vorteil: Ich bekomme aus meiner Familie null Druck. Meinem Papa war es nie wichtig, dass ich Profi werde. Meine Mama und mein Papa waren nicht diese ehrgeizigen Fußballer-Eltern, die ihr Kind antrieben. Das hat mir in meiner Entwicklung sehr gutgetan.

Was sagt Ihr Vater denn zu den heutigen Leistungen?

Er ist natürlich stolz, aber wir gehen nicht in die tief greifende Analyse. Klar gibt es mal einen Spruch, oder er sagt: „Da musste der Stürmer ja nur noch den Fuß hinhalten, den hätte ich auch noch gemacht!“ Aber er geht nicht mit mir meine Stärken und Schwächen durch.

Sie sind der Flankenkönig der Liga. Wie sieht eine perfekte Hereingabe aus?

Es hängt viel vom Timing ab. Das ist eine Übungssache, ich trainiere das seit Jahren intensiv. In dem Moment, wenn der Ball meinen Fuß verlässt, spüre ich schon: „Das Ding wird gefährlich!“

Wer war Ihr Flanken-Vorbild?

David Beckham. Ich wollte immer so Bananenflanken schlagen können wie er!

Auffällig ist, wie früh Sie den Ball oft in den Strafraum bringen.

Ich weiß, dass es vielleicht lehrbuchmäßiger ist, von der Grundlinie zu flanken. Aber ich schlage den Ball gerne schon aus dem Halbfeld in den Strafraum, hinter die letzte Verteidigungslinie des Gegners. Bei Flanken von der Grundlinie ist die Abwehr schon sehr weit zurückgerückt. So steht der Gegner noch offener, und ich kann für mehr Gefahr sorgen. Wenn Sie wollen, ist das die „Max-Flanke“.

Im Sommer könnten Sie auf der ganz großen Bühne für sich werben – wenn Jogi Löw Sie auf der Problem-Position des Linksverteidigers mit zur WM nehmen würde.

Durch Reden ist noch niemand ins Nationalteam gekommen. Ich war 2016 bei Olympia dabei, es war eine unglaubliche Erfahrung, für mein Land aufzulaufen. Ich mache mir aber überhaupt keine Gedanken, ob ich für Joachim Löw ein Kandidat sein könnte. Ich bringe einfach weiter meine Leistung. Wenn es dann irgendwann passieren sollte, wäre das ein Traum, das Allergrößte.