Die Basketballer des FC Bayern mit Chip an der Hose
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Die Basketballer des FC Bayern mit Chip an der Hose. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Die Basketballer des FC Bayern mit Chip an der Hose

Durch den Sender werden die Profis gläsern

Importe aus der NBA sind bei den Basketballern des FC Bayern derzeit hoch im Kurs. So wurde nicht nur Flügelspieler Derrick Williams (27) von den Los Angeles Lakers verpflichtet.

Um alles für die Verteidigung des Doubles zu tun, importierte der Liga-Primus auch Technik aus der besten Liga der Welt in die bayerische Hauptstadt. 14 NBA-Mannschaften benutzen das System in den USA, das kurioserweise von der Münchner Firma Kinexon hergestellt wird.

In der Bundesliga sind die Bayern die Ersten, die es verwenden. Manager Marco Pesic (41) war höchstpersönlich bei den Philadelphia 76ers in den USA, um sich vor Ort darüber zu informieren. Die Spieler tragen seit der Vorbereitung einen 3x6 Zentimeter großen Chip hinten am Hosenbund, der alles aufzeichnet – im Training und bei den Heimspielen.

Münchens Assistenztrainer Philipp Köchling (41), der das Analysesystem betreut, sagt: „Die Spieler sind jetzt gläsern.“ Es wird jede Bewegung gemessen, die der Spieler auf dem Feld macht. Das funktioniert über eine Funkverbindung, mit der die Chips geortet werden.

Dafür wurden extra 13 WLAN-Router im Audi Dome angebracht. Köchling erklärt: „Wir können unter anderem messen, wie schnell ein Spieler läuft. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, wie hoch ist die Durchschnittsgeschwindigkeit? Wie oft und wie hoch er springt, wie oft er einen Richtungswechsel macht. Das wird alles in einer Statistik erfasst.“

Auch viele Fußball-Klubs trainieren mit einem Chip. Die Spieler tragen aber meistens einen Brustgurt. Dieses System läuft aber über GPS und hat so nur eine Genauigkeit von fünf bis zehn Metern. Köchling: „Bei uns in der Halle über Funk ist es auf den Zentimeter genau. Im Basketball sind ja Sprints selten länger als zehn Meter.“

Allerdungs gibt er auch zu: „Wir sind noch in der Kennenlernphase. Wir müssen letztendlich sehen, welche von den 30, 40 Daten wichtig und entscheidend sind. Ist es der Zentimeter beim Sprung? Ist es eher die Gesamtbelastung beim Laufen? Das müssen wir in den nächsten Monaten genau analysieren, um zu wissen, was Sinn für uns macht.“

Denn damit soll nicht nur die Trainingssteuerung besser klappen, sondern auch Verletzungen vorgebeugt werden, da man besser einschätzen kann, welche Spieler eine Pause wegen hoher Belastungen brauchen. Das ist wichtig, denn in Basketball-Bundesliga, Euroleague und Pokal können die Bayern auf bis zu 90 Spiele kommen.

Köchling ist überzeugt: „Ich bin mir sicher, dass wir einen Vorteil daraus ziehen werden, auch gegenüber den anderen Bundesligisten. Wenn wir in der Saison nur eine Verletzung weniger haben, hat es sich schon gelohnt.“

Auch Kapitän und Nationalspieler Danilo Barthel (27) sagt: „Das ist ein Fortschritt, dass man solche Technologien hat. Dadurch kann man gezielter trainieren.“

Das Vorbild der Bayern macht bereits Schule in der BBL: Alba Berlin startet in dieser Woche mit dem Kinexon-System.