Boateng-Wende wegen Flick!

Autor : Christian Falk | 06.05.2020

Wer Jérôme Boa­teng (31) in die­sen Tagen im Bay­ern-Trai­ning be­ob­ach­tet, liest fast alles aus der Ge­fühls­welt des Ver­tei­di­gers her­aus. Trai­ner Hansi Flick (55) hatte den Welt­meis­ter be­reits vor zwei­ein­halb Wo­chen in die A-Mann­schaft neben David Alaba (27) be­för­dert. Seit­her fällt Boa­teng mit selbst­be­wuss­ten Fall­rück­zie­hern, Hack­en­to­ren und jeder Menge Spaß bei den Ein­hei­ten auf. Beim Fuß­ball-Ten­nis ver­gan­gene Woche brach es dann aus ihm her­aus, nach­dem er Rück­stände gegen Serge Gna­bry (24) und Jos­hua Kim­mich (25) ge­dreht hat­te. Boa­teng schrie: „Ich bin immer wie­der hoch­ge­kom­men!“

Das trifft auch auf sein Stan­ding beim FC Bay­ern zu. Boa­teng ver­spürt ge­rade wie­der ein Hoch und mel­det sich zu­rück – dank Trai­ner Hansi Flick!

„Ich ver­danke Hansi Flick sehr viel. Wäre er nicht jetzt Trai­ner, wäre ich viel­leicht nicht mehr beim FC Bay­ern“,

sagt Boa­teng. Im Som­mer sollte der In­nen­ver­tei­di­ger ver­kauft wer­den, er selbst wollte lie­ber heute als mor­gen weg aus Mün­chen. Jetzt sagt er zu sei­ner Si­tua­tion: „Mein Ver­trag in Mün­chen läuft noch bis 2021. Unter Trai­ner Hansi Flick kann ich mir vor­stel­len, ihn zu er­fül­len.“

Vor­aus­ge­setzt: Der Ver­ein will das auch!

In­tern wurde im Klub die sport­li­che Re­naissance des Welt­meis­ters zur Kennt­nis ge­nom­men. Boa­teng stand in 13 der ver­gan­ge­nen 18 Pflicht­spiele in der Start­for­ma­tion. Die ver­gan­ge­nen vier Spiel­zei­ten hatte der Ver­tei­di­ger auf­grund von Ver­let­zun­gen nie mehr als 20 Liga-Spiele be­strei­ten kön­nen. Diese Sai­son steht er be­reits bei noch neun aus ste­hen­den Par­tien bei 16, bei wei­te­ren fünf saß er ein­satz­be­reit auf der Bank.

SPORT BILD weiß: Die an­stei­gende Form­kurve von Boa­teng ist ein Grund, warum der Klub einen Ver­kauf des In­nen­ver­teidi­gers nicht mehr als alter­na­tiv­los an­sieht. Auch, dass Boa­teng noch ein Jahr Ver­trag hat, lässt die Münch­ner im Wer­ben um Leip­zigs Ver­tei­di­ger Dayot Upa­me­cano (21) entspann­ter vor­ge­hen. Der Markt in die­sem Som­mer wird für Trans­fers schwer.

Der FC Bay­ern und Boa­teng sind wie eine On-Off-Be­zie­hung. Ge­prägt von Liebe wie von Ent­täuschun­gen. Im Klub hat man nicht ver­ges­sen, dass Boa­teng die Meis­ter­feier 2019 schwänz­te. Der Profi hat die Worte des Ex-Präsi­den­ten Uli Hoe­neß noch im Ohr, der im na­he­leg­te, sich einen neuen Klub zu su­chen. Am Ende geht es um das Wort, das zu­letzt auch an­dere Füh­rungsspie­ler wie Ma­nuel Neuer (34) und Tho­mas Mül­ler (30) rund um ihre Vertrags­ge­sprä­che be­nutz­ten: Wert­schät­zung.

Boa­teng spielt seit 2011 bei Bay­ern, also schon neun Jah­re. Als Münch­ner wurde er 2014 Welt­meis­ter. Er zählt zum Kern des Teams, das sie­ben­mal in Folge Deut­scher Meis­ter wur­de. Aber: Boa­teng fiel auch immer wie­der neben dem Platz auf, sei es durch Be­zie­hungs-Pro­bleme oder zu­letzt eine nicht ge­neh­migte Au­to­fahrt, dazu nicht im Dienst­wa­gen.

Manch­mal hätte sich Boa­teng ge­wünscht, dass der Klub ihn öf­fent­lich ver­tei­digt, als er Ge­gen­wind be­kam. So, wie das auch bei an­de­ren Spie­lern der Fall war. Aber: Er ver­langt es nicht.

„Ich habe kein Pro­blem da­mit, dass ich mir die Steine in mei­ner Kar­riere selbst aus dem Weg ge­räumt ha­be“, sagt Boa­teng. „Ich weiß, dass der Ver­ein viel für mich getan hat. So wie ich weiß, was auch ich für den Ver­ein ge­leis­tet habe. Der Klub wird für mich immer etwas Be­son­de­res blei­ben. Die Kom­bi­na­tion aus Stadt, Fans und Fa­mi­li­en­ge­fühl rund um die Mann­schaft ist wahr­schein­lich ein­zig­ar­tig.“

Das Ende der Ge­schichte Boa­teng und Bay­ern muss noch nicht ge­schrie­ben sein. Geht sie wei­ter, wird der Wen­de­punkt auf ein Ge­spräch vor der Win­ter­pause zu­rück­zu­füh­ren sein. Trai­ner Flick riet Boa­teng: Er solle sei­nen schwie­ri­gen Sai­son­start, bei dem er unter Ex-Trai­ner Niko Kovac trotz guter Vor­be­rei­tung die ers­ten sie­ben Wo­chen auf der Bank saß, ver­ges­sen. Er solle an sich selbst glau­ben, sich hun­dert­pro­zen­tig fit ma­chen und würde im Trai­nings­la­ger in Doha eine faire Chance be­kom­men. Flick hielt Wort. Und darum blüht Boa­teng jetzt auf­…

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Änderungen können Sie in ihren Browsereinstellungen vornehmen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite Datenschutz & Cookies
Weiter