Coman: Sané ist für mich kein Problem, außer...

Autor : Tobias Altschäffl | 11.06.2020

SPORT BILD: Herr Co­man, nach je­weils zwei Meis­ter­ti­teln mit PSG und Ju­ve­n­tus Turin wer­den Sie aller Vor­aus­sicht nach mit dem FC Bay­ern jetzt zum fünf­ten Mal in Serie die Schale ho­len. Neun Meis­ter­schaf­ten – wann endet Ihre Se­rie?

KINGS­LEY COMAN (23): Ich hof­fe: nie­mals! Ich bin noch nicht satt und will mit dem FC Bay­ern immer wei­ter ge­win­nen. Nicht nur die Meis­ter­schaft, son­dern alle Ti­tel.

Sie haben diese Sai­son 20 Spiele in der Bun­des­liga ge­macht, waren acht­mal nicht im Kader wegen Ver­let­zun­gen: Wie be­ur­tei­len Sie Ihre Spiel­zeit 2019/20?

Es ist in Ord­nung. Ich den­ke, dass ich die meiste Zeit gut ge­spielt habe. Aber klar ist auch: Ich muss mehr Tore schie­ßen und As­sists sam­meln. Ich denke aber, dass ich ge­lernt habe, in Spie­len, in denen mir das nicht ge­lingt, zu kämp­fen und die Mann­schaft zu un­ter­stüt­zen. Den­noch will ich der Spie­ler sein, der den Un­ter­schied macht. Im Mo­ment fühle ich mich sehr gut, ich bin glück­lich.

Wie be­kom­men Sie mehr Kon­stanz in Ihre Leis­tung, und wann er­laubt es Ihr Kör­per ein­mal, eine Sai­son ohne Ver­let­zun­gen durch­spie­len?

Ich habe wäh­rend der Zeit in Qua­ran­täne sehr viel trai­niert, au­ßer­halb der Sä­be­ner Stra­ße. Ein pri­va­ter Fit­ness­trai­ner hilft mir, an mei­nen Schwä­chen zu ar­bei­ten und mei­nen Kör­per sta­bi­ler zu ma­chen. Ich will mich ver­bes­sern und in­ves­tiere dafür nun mehr Zeit.

Ver­trauen Sie Ihrem Kör­per in­zwi­schen? Oder ver­spü­ren Sie noch Angst?

Es gab ein Pro­blem, als ich zwei Ver­let­zun­gen am Sprung­ge­lenk in kur­zer Zeit hat­te. Aber das habe ich weit hin­ter mir ge­las­sen. Es kann immer etwas pas­sie­ren, das ist das Ri­siko un­se­res Jobs. Aber ich fühle mich gut, es gibt kein Pro­blem: Ich gehe immer ins Einsge­gen­eins, ich werde oft ge­foult. Kleine Bles­su­ren sind da nor­mal.

Zu­letzt haben Sie oft rechts ge­spielt. Ist dort Ihr Ab­schluss bes­ser?

Ich spiele lie­ber links als rechts, das Glei­che gilt aber auch für Serge Gna­bry. Des­we­gen wech­seln wir uns ab. Aber ich ge­wöhne mich gut an die rechte Sei­te, die Haupt­sa­che ist, dass ich auf dem Platz ste­he.

Auf wel­cher Seite sind Sie ge­fähr­li­cher?

Ich glaube links, weil ich dann nach innen zie­hen und mit rechts ab­schlie­ßen kann. Aber das hängt auch vom Geg­ner ab: Wenn wir gegen eine Vie­rer­kette agie­ren müs­sen, ist mir meine Po­si­tion egal. Spie­len wir gegen eine Fün­fer­ket­te, dann lie­ber links: Denn diese Teams ste­hen de­fen­si­ver gegen uns, für mich ist es ein­fa­cher, dann nach innen zu ge­hen, als wenn ich rechts spie­le.

Beim 1:0 in Dort­mund muss­ten Sie fast nur ver­tei­di­gen, hat­ten kaum Of­fen­si­vak­tio­nen. Was den­ken Sie als Stür­mer dann?

Dass es we­ni­ger Spaß macht, aber zu mei­nem Job ge­hört (lacht). Und am Ende haben wir ge­won­nen. Und das macht am meis­ten Spaß.

In Dort­mund glänzte mal wie­der Alphonso Da­vies. Lösen Sie das Rät­sel: Wer ist schnel­ler, Sie oder er?

Phon­zy! Wenn es um eine ge­rade Strecke, viel­leicht 40 Me­ter, geht, ist Phonzy schnel­ler. Wenn es um einen Sla­lom­lauf geht, kann ich aber gegen ihn ge­win­nen.

Wenn Da­vies und Sie ein Pär­chen auf links bil­den, dürfte dies das schnellste der Welt sein.

Das glaube ich auch, ja. Aber wenn Da­vies und Serge Gna­bry zu­sam­men­spie­len, ist das nicht viel an­ders: Gna­bry ist sehr schnell, Da­vies sehr, sehr, sehr schnell.

In der Bun­des­liga gibt es viele gute, junge Au­ßen­stür­mer. Wel­che ge­fal­len Ih­nen, wie fin­den Sie bei­spiels­weise Dort­munds Jadon Sancho?

San­cho ist ein Top­spie­ler, mir ge­fällt Ju­lian Brandt, ob­wohl er zen­tra­ler spielt. Le­ver­ku­sens Moussa Diaby ist eben­falls ein tol­ler Spie­ler, ge­nauso Leon Bai­ley. Es gibt in der Bun­des­liga au­ßer­ge­wöhn­lich viele Top-Flü­gel­spie­ler.

Bei San­cho hal­ten sich die Ge­rüchte von einem Wech­sel nach Eng­land. Wie geht es bei Ihnen wei­ter? Es gibt viele Mel­dun­gen: von einer be­vor­ste­hen­den Ver­län­ge­rung bis hin zu einem mög­li­chen Ab­schied …

Ich habe einen Ver­trag bis 2023, das heißt: Wir haben also Zeit. Ich möchte die Sai­son zu Ende spie­len, da­nach, im Som­mer, kann ich über meine Si­tua­tion nach­den­ken: Was ich ma­chen will, wel­che Ent­schei­dung gut ist.

Sie haben in Frank­reich, Ita­lien und Deutsch­land Titel ge­holt. Gibt es das Ziel, in allen fünf großen Ligen Meis­ter zu wer­den?

Wenn ich das er­rei­chen wür­de, wäre ich sehr glück­lich mit mei­ner Kar­rie­re. Titel in allen fünf großen Ligen zu ge­win­nen ist mit Si­cher­heit etwas Au­ßer­ge­wöhn­li­ches. Aber daran denke ich Mo­ment nicht.

Gab es ein­mal Kon­takt zu Pep Guar­dio­la? Hat sich Ihr Ex-Trai­ner ge­mel­det?

Nein, wir haben nicht ge­spro­chen. Aber Pep ist ohne Frage ein sehr, sehr guter Coach. Er bringt Spie­ler wei­ter. Aber auch mit Hansi Flick fühle ich mich sehr gut, er ist ein Top-Coach, wir ar­bei­ten unter ihm sehr gut.

Bay­ern möchte Leroy Sané zur neuen Sai­son ho­len. Was den­ken Sie über ihn?

Er ist ein sehr guter Spie­ler. Es ist nor­mal, dass der FC Bay­ern einen Spie­ler wie ihn holen will.

Sané, Gna­bry, Co­man, dazu wohl Pe­ri­sic: Es könnte eng wer­den auf dem Flü­gel.

Als ich zum FC Bay­ern ge­kom­men bin, hat­ten wir Franck Ribéry, Arjen Rob­ben, Dou­glas Costa und mich. Und ich war noch ein jun­ger Spie­ler, vor mir die Le­gen­den Ribéry und Rob­ben! Daran sehen Sie, dass das kein Pro­blem für mich ist. Es ist bes­ser für die Mann­schaft, wenn es viele Spie­ler auf die­sem Ni­veau gibt. Wenn Sané käme, wäre das kein Pro­blem! Außer der Klub sagt zu mir, dass sie mich nicht mehr brau­chen. Aber ich glau­be, dass der Ver­ein weiß, was er an mir hat. Die Si­tua­tion von Leroy Sané hat nichts mit mei­ner ei­ge­nen Zu­kunft zu tun.

Es gibt eine neue Ge­ne­ra­tion beim FC Bay­ern: Kim­mich, Go­retz­ka, Süle, Gna­bry. Wel­che Rolle neh­men Sie in die­ser Ent­wick­lung ein?

Ich liebe es, mei­nen Job auf dem Platz zu ma­chen. Zudem komme ich aus Frank­reich, die an­de­ren Jungs sind Deut­sche und haben da­durch au­to­ma­tisch einen sprach­li­chen Vor­teil. Aber wenn mir etwas auf­fällt, spre­che ich es an. Ich bin hier seit fünf Jah­ren, ich bin kein Kind, kein Youngs­ter mehr!

Bay­ern ist nach der Co­ro­na­-Pause gut zu­rück­ge­kom­men, in Top-Form. Kann der frühe Start der Bun­des­liga aber mit Blick auf die Cham­pi­ons League zum Nach­teil wer­den?

Ich hoffe nicht. Wir haben viel ge­ar­bei­tet, zwei Mo­nate lang. Aber im ers­ten Spiel hat uns das nicht ge­hol­fen, das haben wir alle ge­spürt. Wir haben zwar 2:0 bei Union Ber­lin ge­won­nen, aber wir alle haben ge­spürt, dass uns die Pra­xis ge­fehlt hat. Den­noch darf das keine Aus­rede sein: Wir wol­len die Cham­pi­ons League ge­win­nen.

Was den­ken Sie: Wer­den die Bay­ern-Spie­ler nach der Sai­son eine Pause be­kom­men, bevor die Vor­be­rei­tung zum Cham­pi­ons-League-Tur­nier auf­ge­nom­men wird?

Ich denke und hof­fe, dass wir eine Pause be­kom­men. Zwi­schen dem Po­kal­fi­nale und einem mög­li­chen Cham­pi­ons-League-Tur­nier wäre ver­mut­lich ein Monat Zeit. Wir hat­ten zu­letzt kei­nen Ur­laub. Viel­leicht zwei oder drei Tage, aber da­nach ging unser Pro­gramm voll los. Wir hat­ten keine Pau­se, haben fast jeden Tag trai­niert. Es war: Trai­ning, Trai­ning, Trai­ning, trotz Co­ro­na.

Das Thema Ge­orge Floyd be­herrschte zu­letzt auch die Bun­des­li­ga. Wie fan­den Sie die Ges­ten von Sancho, Thu­ram und McKen­nie?

Ich den­ke, wir Fuß­bal­ler haben sehr viel Ein­fluss. Durch die Auf­merk­sam­keit, die wir be­kom­men. Durch die Men­schen, die uns auf den So­cial-Me­dia-Kanä­len fol­gen. Was im Mo­ment pas­siert, ist sehr wich­tig für die Welt: Ich finde es rich­tig und wich­tig, dass Fuß­ball­spie­ler sich dazu äu­ßern und be­ken­nen.

Oli­ver Kahn er­klärte zu­letzt, dass der Ver­ein es be­grü­ßen wür­de, wenn Spie­ler sich öfter und kla­rer po­si­tio­nie­ren.

Ich ver­folge ge­nau, was in der Welt pas­siert, ich weiß, wel­che Be­we­gun­gen es gibt. Wir soll­ten zu­hö­ren, was die Men­schen auf den Stra­ßen nun zu sagen ha­ben. Aber: Das soll­ten wir nicht nur jetzt tun, son­dern das ganze Jahr über. Die­ses Thema be­schäf­tigt die Ge­sell­schaft im­mer, nicht nur ak­tu­ell. Ich ver­su­che, mich immer damit zu be­schäf­ti­gen und diese Men­schen zu un­ter­stüt­zen.

In wel­cher Form haben Sie in Ihrem Leben Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung er­lebt?

Ich selbst hatte damit noch keine Pro­ble­me. Aber wir haben zu Be­ginn der Sai­son ge­se­hen, bei­spiels­weise in Ita­li­en, dass es diese dum­men, schreck­li­chen Rufe immer noch gibt. Und dass Pro­bleme be­ste­hen. Ich bin nicht di­rekt in Pa­ris, son­dern etwas au­ßer­halb auf­ge­wach­sen. Da hatte ich den Ein­druck, dass Men­schen manch­mal auf­grund der Haut­farbe an­ders be­han­delt wer­den. Des­we­gen sage ich, dass ich diese Si­tua­tion schon seit Jah­ren ken­ne. Das ist lei­der nicht neu, das kann über­all pas­sie­ren. Das Gute ist: Die Welt be­wegt sich nun und tut etwas da­ge­gen.

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