Hoeneß macht Brazzo stark

Autor : Christian Falk | 29.04.2020

Im Mai wird Uli Hoe­neß (68) of­fi­zi­ell wie­der das Wort beim FC Bay­ern ha­ben. Dann tritt der Auf­sichts­rat des Re­kord­meis­ters zu sei­ner vier­tel­jähr­li­chen Sit­zung zu­sam­men, um mit dem Vor­stand über alle wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen des Klubs zu be­ra­ten und über sie ab­zu­stim­men. Chef des neun­köp­fi­gen Gre­mi­ums ist Her­bert Hai­ner (65). An sei­ner Seite sitzt sein mäch­ti­ger Stell­ver­tre­ter, Vor­gän­ger und Freund Hoe­neß.

Der große Bay­ern-Pa­tron hat sich seit sei­nem Rück­tritt als Prä­si­dent und Auf­sichts­rats-Chef lange be­wusst mit Äu­ße­run­gen zu­rück­ge­hal­ten. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen mel­dete er sich aber immer häu­fi­ger wie­der zu Wort. Er rief in der TV-Sen­dung „Dop­pel­pass“ an, spricht sich im „kicker“ für eine Ver­trags­ver­län­ge­rung von Ma­nuel Neuer (34) aus und ver­tei­digt die Ver­pflich­tung von Alex­an­der Nübel (23). Die Wort­mel­dun­gen stüt­zen stets einen Mann be­son­ders: Sport­di­rek­tor Hasan Sa­liha­mid­zic (43).

Hoe­neß macht Brazzo stark!

Der Pa­tron scheint den Ein­druck zu ha­ben, dass Sa­liha­mid­zic bei sei­nen Vor­ha­ben Un­ter­stüt­zung braucht. Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nigge (64) legte zu­letzt alle Trans­fer­vor­ha­ben auf­grund der Co­rona-Krise auf Eis. Umso mu­ti­ger ist vor die­sem Hin­ter­grund der Vor­stoß von Sa­liha­mid­zic zu wer­ten, der nun in der „Welt am Sonn­tag“ einen „in­ter­na­tio­na­len Star“ sowie ein „Top-Ta­lent aus Eu­ro­pa“ an­kün­dig­te. Der Sport­di­rek­tor kämpft seit Mo­na­ten im Klub, um sei­nen Kö­nigs­trans­fer Leroy Sané (24) end­lich per­fekt zu ma­chen. Mit Er­fol­gen.

Nach SPORT BILD-In­for­ma­tio­nen kam es vor ein paar Wo­chen zu einem Te­le­fonat von Hansi Flick (55) mit Sané. Trai­ner und Spie­ler sol­len sich 30 Mi­nu­ten aus­ge­tauscht ha­ben. Flick galt lange als skep­tisch, was den Mil­lio­nen-Trans­fer be­traf.

Die Span­nun­gen, die es auch wegen Sané zwi­schen Sa­liha­mid­zic und Flick gab, wur­den auf Be­trei­ben des neuen Vor­stands Oli­ver Kahn (50) bei­ge­legt. Die Rück­ho­lak­tion des Ti­t­ans in den Klub ist eine wei­tere Hoe­neß-Per­so­na­lie. Das gilt eben­falls für Flick. Zwar will Hoe­neß selbst gern den Ein­druck er­we­cken, dass Ex-Trai­ner Niko Kovac (48) die Idee zu sei­nem As­sis­ten­ten Flick hat­te. Tat­säch­lich schob der Pa­tron ge­schickt im Hin­ter­grund die Flick-Ver­pflich­tung mit an.

Auch die Macht von Brazzo hatte Hoe­neß recht­zei­tig für die Zu­kunft ge­si­chert. Im De­zem­ber 2019 über­raschte der Auf­sichts­rat mit der Mit­tei lung, dass ein­stim­mig be schlos­sen wor­den sei, Saliha­mid­zic mit Wir­kung zum 1. Juli 2020 in den Vor­stand zu be­ru­fen. Über­ra­schend war der frühe Zeit­punkt, da der Ver­trag des Sport­di­rek­tors noch eine Lauf zeit bis Ende Juni 2020 hat­te. Dahinter steck­te: Es war die letzte Sit­zung, in der Sa­liha­mid­zic-För­de­rer Hoe­neß der Boss des Gremi ums war.

Sa­liha­mid­zic weiß, dass er vom Auf­sichts­rat die Rücken­de­ckung für seine Trans­fer­phi­lo­so­phie hat. Ins­be­son­dere Hoe­neß stärkt ihn, in enger Ab­spra­che mit Hai­ner. So war es be­reits bei der Ver­trags­ver­län­ge­rung von Tho­mas Mül­ler (30), die auch früh­zei­tig den Segen des Auf­sichts­rats be­kam. Jetzt steht die Ent­schei­dung um Sané an.

Was Sa­liha­mid­zic die Per­so­na­lie Sané nicht leich­ter mach­te, ist die Ent­wick­lung des 80-Mil­lio­nen-Trans­fers Lucas Hernán­dez (24). Wie Sané musste sich der Fran­zose ver­gan­ge­nes Jahr einer Kreuz­band-OP un­ter­zie­hen, kommt seit­her nicht rich­tig in Tritt, hat kei­nen Stamm­platz.

„Dass er ver­let­zungs­be­dingt kei­nen guten Start bei uns er­wi­scht hat, ist be­dau­er­lich, aber so etwas pas­sier­t“, sagt Sa­liha­mid­zic über Hernán­dez. „Lu­cas hat die Qua­li­tät und den Wil­len, aus so einer Si­tua­tion ge­stärkt her­vor­zu­ge­hen. Sein Trans­fer wurde auf Vor­stands-und Auf­sichts­rat­sebene ein­stim­mig be­schlos­sen, wir sind über­zeugt, dass er un­se­rer Mann­schaft noch sehr hel­fen wird.“

Der Ver­weis auf den Auf­sichts­rat ist wich­tig. Das Gre­mium muss Trans­fers ab einem Ge­samt­vo­lu­men von 25 Mil­lio­nen Euro ab­seg­nen. Das würde auch einen Kauf von Sané be­tref­fen.

Im Vor­stand hat Rum­me­nigge das Sa­gen. Er war es, der Hoe­neß die An­stel­lung von Sa­liha­mid­zic bei einer Ta­xi­fahrt auf einer Asien-Reise vor­ge­schla­gen hat­te. Der da­ma­lige Prä­si­dent bat sich eine Nacht Be­denk­zeit aus. Tat­säch­lich dürfte Rum­me­nigge of­fene Türen bei Hoe­neß ein­ge­rannt ha­ben. Sa­liha­mid­zic pflegte be­reits zu Spie­ler­zei­ten einen engen Draht zu ihm, saß gerne im Büro des da­ma­li­gen Ma­na­gers. Seit sei­nem Kar­rie­reende 2012 zählt er zu den Schaf­kopf-Stamm­spie­lern in Hoe­neß‘ Haus am Te­gern­see. Über den Rück­zug des eins­ti­gen Prä­si­den­ten sagte Sa­liha­mid­zic jetzt: „Uli Hoe­neß sitzt na­tür­lich bei wich­ti­gen The­men mit uns am Tisch.“

Und stärkt ihm den Rücken!

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