"Ich will der beste Coutinho sein, der ich nur sein kann"

Autor : MANschaftsbus.de-Team | 11.09.2019

Zehn Tage lang begleitete SPORT BILD die Brasilianer auf ihrer Länderspielreise durch die USA. Erst Miami, dann Los Angeles – natürlich wegen des neuen Bayern-Stars Philippe Coutinho.

SPORT BILD: Herr Coutinho, Sie sind jetzt erstmals als Bayern-Spieler zur Seleção gereist. Haben Sie mit den Jungs über Ihren neuen Klub gesprochen?

PHILIPPE COUTINHO (27): Ja klar, es haben mich viele Mitspieler gefragt, wie es bei Bayern läuft. Ich habe ihnen gesagt, wie glücklich ich dort bin. Ich kann mich nur bei allen bedanken: Mitspielern, Klubs, Fans, Medien, wie toll sie mich aufgenommen haben. Ich möchte das mit Toren und Leistung auf dem Platz zurückzahlen.

Roberto Firmino, mit dem Sie beim FC Liverpool zusammenspielten, kennt die Bundesliga aus seiner Hoffenheim-Zeit sehr gut. Was hat er Ihnen erzählt?

Wir haben vor allem über die Intensität der Bundesliga und die engen Spiele gesprochen. Er hat mir einiges über die verschiedenen Bundesliga-Teams erzählt.

Ist es gut, dass in der Bundesliga eher körperbetont gespielt wird wie in England?

Ja, ich habe ja einige Jahre in Liverpool gespielt. Und ich habe schon in den ersten Spielen mit Bayern gemerkt, dass es da ähnlich rauf und runter geht wie in England, sehr intensiv. Viel mehr als in Spanien oder Brasilien. Das ist gut für mich.

Als kleiner Junge in Brasilien – wie haben Sie den FC Bayern damals wahrgenommen?

Der Verein ist weltweit bekannt. Jeder kennt Bayern. Wenn man in Brasilien Kinder auf der Straße spielen sieht, tragen viele Bayern-Trikots. Als ich klein war, habe ich Bayern als einen der ganz großen Klubs gesehen, die es in der Welt gibt. Deshalb bin ich auch so glücklich, jetzt ein Teil davon zu sein.

Hatten Sie früher als Kind einen europäischen Lieblingsklub ? Sie müssen nicht Bayern sagen…

(lacht) Es gab eigentlich nicht DEN Klub. Ich habe viel Champions League gesehen. Und es war einfach immer mein Traum, selbst in Europa zu spielen. Ich habe dort all meine Idole gesehen. Mein größtes Idol war immer Ronaldinho bei Barcelona. Mein größter Moment war, als ich selbst in Europa ankam. Aber es ist ja noch längst nicht vorbei, ich habe immer noch große Ziele und Träume.

Jürgen Klopp hat gerade erst erzählt, dass er Ihnen persönlich zum Wechsel gratuliert hat. Was hat er gesagt?

Er hat mir eine Nachricht geschickt und mir viel Glück gewünscht. Und geschrieben, dass Bayern ein großer Klub ist und die Bundesliga eine tolle Liga. Und dass er sehr glücklich ist, mich dort zu sehen.

Wie wichtig war Klopp für Ihre Karriere?

Er ist einfach ein großartiger Trainer, einer der besten der Welt. Ein richtiger Anführer. Ich habe so viel von ihm gelernt, gerade auf mentaler Ebene.

Er hat Liverpool verändert. Dem Klub neues Leben eingehaucht, ihn wieder richtig stark gemacht. Es war eine Ehre, mit ihm zu arbeiten.

Was macht Klopp so einzigartig ?

Seine Mentalität ist einzigartig. Er findet irgendwie immer die richtigen Worte, sowohl vor dem Spiel als auch während des Spiels. Er arbeitet sehr hart und ist dabei so extrem fokussiert. Das Training ist sehr intensiv. Und er schafft es immer, einen wieder optimal auf den nächsten Gegner einzustellen. Deshalb ist er auch so erfolgreich.

Sie spielen mit Neymar für Brasilien, haben mit Messi in Barcelona gespielt. Bringen Sie ein bisschen was von den beiden Superstars mit nach München?

Von solchen Top-Spielern kann man immer etwas lernen. Ich bewundere die beiden, und man kann immer etwas mitnehmen. Was ich vor allem mitnehme, ist ihre überragende Mentalität. Wie gierig sie sind, wie erfolgshungrig. Wie sie immer versuchen, die Besten zu sein – um dem Team zu helfen.

Neymar, Messi in München sind Sie jetzt der Superstar. Wie wohl fühlen Sie sich in dieser Rolle?

Ich fühle mich überhaupt nicht als Superstar. Ich möchte in München einfach gut ankommen und meinen besten Fußball zeigen. Ich will der beste Coutinho sein, der ich nur sein kann. Ich will gewinnen und habe große Ziele die gleichen Ziele wie mein Team.

Sie sind erst einmal für ein Jahr ausgeliehen. Wie gehen Sie damit um? Kann es auch mehr werden? Wollen Sie Deutsch lernen?

Ich habe Unterricht, ja. Eine Einheit hatte ich bisher. Ich werde auf jeden Fall Deutsch lernen, wenn ich frei habe in München. Ich weiß, es ist erst mal nur ein Jahr. Aber ich will in diesem Jahr alles geben für Bayern. Im Fußball kann so viel passieren. Jetzt gerade kann ich zu meiner Zukunft wenig sagen. Was ich sagen kann:

Ich bin sehr glücklich, in München zu sein, und will ein tolles Jahr hinlegen.

Was war denn das erste Wort auf Deutsch?

(auf Deutsch) Servus, ich bin Philippe!

Sehr gut! Wir bringen Ihnen noch eins bei: „O Mágico“ heißt „der Zauberer“…

Zauberer… ich versuche, es mir zu merken.

Der FC Bayern hat den großen Traum, wieder die Champions League zu gewinnen. Wie wäre es damit: Wenn es klappt, werden Sie länger bleiben…?!

Das wäre nicht schlecht, das würde mir gefallen…

Vergangene Saison scheiterte Bayern im Achtelfinale an Liverpool. Kann Bayern mit Ihnen Liverpool schlagen?

Ich hoffe es. Mein Traum ist es, die Meisterschaft zu gewinnen, den DFB-Pokal und die Champions League. Egal, gegen wen wir spielen. Ich will einfach nur dem Team helfen.

Also ist der Champions-League-Sieg auch Ihr großer Traum?

Ja. Es ist ein ähnlich großer Traum wie der Gewinn der Weltmeisterschaft.

Es wurde viel über Ihre Ablösesumme von Liverpool zu Barcelona gesprochen. Mit rund 145 Millionen Euro die zweithöchste nach Neymar, der für 222 Millionen zu Paris St-Germain ging. Wie sehen Sie diese aktuellen Summen im Fußball?

Die Summen sind natürlich ein bisschen verrückt. Aber ich denke nur darüber nach, Fußball zu spielen. Ich will auf dem Platz Spaß haben, ich denke nicht so sehr über Ablösesummen oder Ähnliches nach.

Also setzt Sie Ihre Ablöse auch nicht unter Druck?

Überhaupt nicht, nein. Ich will nur auf dem Platz stehen und es genießen. Die großen Spiele spielen, Titel gewinnen. Diese Zahlen sind für mich nur ein Randaspekt.

Vor einigen Tagen stand Ihr Mitspieler Richarlison mit einem Samba-Tamborim in der Mixed Zone, für uns Deutsche typisch brasilianisch. Wie typisch brasilianisch ist Coutinho?

Ich mag den Samba-Rhythmus. In Brasilien ist immer Samba, wenn ich bei meiner Familie und meinen Freunden bin. Für mich ist sowieso das Wichtigste, dass meine Familie immer bei mir ist.

Können Sie denn ein Instrument spielen? Der ehemalige Bayern-Star Rafinha hatte immer diese kleine Ukulele…

Die kenne ich gut! Leider kann ich sie nicht spielen wie Rafinha. Ich spiele ab und zu ein bisschen auf Samba-Trommeln. Aber ich bin nicht wirklich gut. Ich höre lieber nur zu und genieße die Musik.

Sie sind in der Nähe des Maracanã -Stadions in Rio de Janeiro aufgewachsen. War das eine Extra-Motivation, Fußballer zu werden?

Ja, total. Wir konnten zu Hause die Gesänge und Musik der Fans hören. Und man konnte hören, wenn ein Tor gefallen war. Es war immer ein Traum von mir, eines Tages im Maracanã zu spielen. Ich habe mir immer vorgestellt, wie die Fans eines Tages meinen Namen rufen, wenn ich im Maracanã ein Tor schieße. Es war eine Riesen-Motivation für mich.

Neymar und Sie sind fast gleich alt, spielten schon als Jugendliche gegeneinander…

Gegner waren wir in der Jugend nur einmal. Aber wir spielen zusammen für die brasilianischen Jugend-Teams, seit wir etwa 15 waren. Wir haben uns gegenseitig zugeschaut, wie wir immer besser wurden. Es ist eine lange Freundschaft.

Wenn Sie nach Deutschland zurückkommen, ist bald Oktoberfest. Sind Sie bereit?

Ich habe schon mitbekommen, dass das ein wichtiger Teil der bayrischen Kultur ist. Jeder, der da war, hat mir erzählt, wie toll das ist. Ich freue mich drauf, dabei zu sein.

Trinken Sie denn Bier?

Zur passenden Gelegenheit, ja.

Bei der Lederhosen-Anprobe schienen Sie viel Spaß mit Ur-Bayer Thomas Müller zu haben. Wie ist der Eindruck von ihm?

Er hat mich toll aufgenommen. Er ist ein absolutes Idol in München und in Deutschland. Und ein Spieler, den jeder in der Welt kennt. Er hat so viele Titel gewonnen. Es ist eine riesige Freude, mit ihm in einem Team zu sein. Und er hat den Start für mich sehr angenehm gemacht.

Es wird viel über die Konkurrenz mit ihm diskutiert. Können Sie auch zusammen auf dem Platz stehen?

Klar geht das. Aber es ist Sache des Trainers, das zu entscheiden.

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