José Mourinho: "Bayern ist ein Gigant"

Autor : Christian Falk | 10.04.2019

Der Weltklasse-Trainer schwärmt von der Bundesliga und spricht über sein persönliches Verhältnis zu Dortmund und zum FC Bayern.

Er hat in seiner Trainer-Karriere unglaubliche 37 Titel gesammelt, war in Spanien Meister mit Real Madrid, in England mit dem FC Chelsea, in Italien mit Inter Mailand. José Mourinho (56) ist einer der größten Namen im Welt-Fußball – und verfügbar.

Seit seinem Aus bei Manchester United am 18. Dezember sucht der Portugiese eine neue Herausforderung. Was viele überraschen wird: Auch die Bundesliga reizt ihn!

SPORT BILD: Herr Mourinho, die Bundesliga ist im Viertelfinale der Champions League mit keinem Klub mehr vertreten. Was sagt das über Ihre Qualität im Vergleich zu den anderen Top-Ligen in Europa aus?

JOSÉ MOURINHO (56): Ich denke, dass die Champions League ein sehr schwieriger Wettbewerb ist und in der K. o.-Phase normalerweise immer eine enorme Wahrscheinlichkeit besteht, einen sehr mächtigen Gegner zugelost zu bekommen. Oft spiegelt dann das Ergebnis nicht die Realität der heimischen Liga wider. Sowohl der FC Bayern gegen Liverpool als auch Dortmund gegen Tottenham hatten 50:50-Duelle gegen zwei gute Mannschaften aus der englischen Premier League. Die Bundesliga liefert für mich einen spannend zu verfolgenden Wettbewerb, gerade auch durch die Mannschaften im Tabellen-Mittelfeld, die sich ständig verbessern und dadurch einen insgesamt schönen Konkurrenzkampf schaffen.

Volle Stadien, tolle Organisation, gute taktische Ansätze bei vielen Teams – ich finde die Bundesliga wirklich interessant.

Sie wurden als Trainer mit Ihren Klubs Meister in Portugal, England, Italien und Spanien. Würden Sie gerne Ihrer Karriere auch den Titel „Deutscher Meister“ hinzufügen?

Wenn ich darauf jetzt mit „Ja“ antworte, werden Sie und die öffentliche Meinung sofort eins und eins zusammenzählen und daraus folgern: José möchte in die Bundesliga kommen. Ich kann daher nicht mit „Ja“ antworten. Ich kann nur sagen, dass ich meine neunte Meisterschaft und meinen dritten Champions-League-Titel gewinnen möchte. Ob mich ein neues Abenteuer denn motiviert? Ja, das tut es. Aber ein neues Abenteuer kann auch in einem Land stattfinden, in dem ich bereits die Meisterschaft gewonnen habe.

Dortmund-Boss Hans- Joachim Watzke hat Sie 2016 zu einem Spiel des BVB bei Hertha BSC (0:0) eingeladen. Woher kennen Sie sich so gut?

Wir haben uns bereits vor langer Zeit kennengelernt. Herr Watzke vertraute mir genug, um mich nach meiner Meinung über einen Spieler und einen Trainer zu fragen, die ich gut kenne. Ich war ehrlich, gab ihm meine bestmögliche Einschätzung. Seitdem haben wir diesen gegenseitigen Respekt füreinander beibehalten.

Ich bewundere die Arbeit des BVB und seinen Versuch, mit einem Giganten wie Bayern zu konkurrieren.

Der FC Bayern ist wie Ihre Ex-Klubs Real Madrid oder Chelsea einer der Top-Klubs in Europa. Würde Sie der Verein im Falle eines Angebots denn reizen?

Ich habe Niko (Kovac; d. Red.) getroffen, als wir in der Vorbereitung ein Freundschaftsspiel ausgetragen haben, und ich mochte ihn auf Anhieb. Ich fühlte eine gute Verbindung zwischen uns und gegenseitigen Respekt. Ich respektiere ihn, so wie ich viele andere Kollegen respektiere. Wie könnte ich daher etwas zu dieser Frage sagen oder Sie in irgendeiner Form kommentieren? Das kann ich nicht. Ich kann nur sagen: Bayern ist natürlich ein Gigant. Ich versichere Ihnen ehrlich, dass ich hoffe, dass Niko seinen Job behält, weil er sehr hart gearbeitet hat, um dieses Niveau zu erreichen .

Niko Kovac hat mit Bayern im Titelrennen gerade Dortmund mit 5:0 besiegt und die Tabellenführung übernommen. Bayern oder Dortmund – wer ist für Sie nun der Favorit auf die Deutsche Meisterschaft?

Jetzt muss der Favorit natürlich FC Bayern heißen; denn er hat sein Schicksal selbst in der Hand.

Es stehen noch drei Auswärtsspiele an, gerade jenes in Leipzig dürfte nicht leicht werden – dennoch ist es schwer vorstellbar, dass Bayern den Titel noch verspielt.

Denn gleichzeitig muss der BVB nach diesem Ergebnis und dieser enttäuschenden Leistung jeden Punkt gewinnen und warten, bis die Bayern ausrutschen. Das wird nicht einfach werden, weil Bayern die Erfahrung hat, sein Schicksal zu kontrollieren.

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