Kahn schwört Bayern sogar per E-Mail ein

Autor : Christian Falk | 12.02.2020

SPORT BILD zeigt, wie der Vorstand arbeitet, worauf er beim Kader achtet und was er allen Mitarbeitern schrieb

Das Schrei­ben ging ver­gan­gene Woche an den in­ter­nen Mail-Ver­tei­ler des FC Bay­ern. „Liebe Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, der erste Monat in mei­ner neuen Funk­tion beim FC Bay­ern Mün­chen ist vor­über“, schrieb Oli­ver Kahn (50). Zum 1. Ja­nuar trat der neue Vor­stand sei­nen Dienst an der Sä­be­ner Straße an. Wäh­rend sich Prä­si­dent Uli Ho­ne­neß (68) ohne eine Ab­schieds-Mail zu­rück­zo­gen hat­te, gab es von Kahn eine re­gel­rechte An­tritts­er­klä­rung.

Kahn: „Uns ste­hen in­ten­sive Wo­chen und Mo­nate be­vor, in denen wir auf und neben dem Platz große und wich­tige Auf­ga­ben be­wäl­ti­gen wer­den. In der Bun­des­liga ste­hen wir wie­der dort, wo wir hin­ge­hö­ren: an der Ta­bel­len­spit­ze. Das wird viel po­si­tive Ener­gie bei un­se­rer Mann­schaft frei­set­zen. Die Emo­tio­nen, der Er­folgs­hun­ger und die starke Ver­bin­dung zwi­schen den Fans und dem Ver­ein – das macht den FC Bay­ern Mün­chen so ein­zig­ar­tig, und das habe ich wirk­lich ver­misst.“

Wir stehen, wo wir hingehören: an der Tabellenspitze

Der eins­tige Tor­wart-Ti­tan macht in sei­nen Wor­ten klar, was er in­tern im Klub ge­rade ver­stärkt vor­lebt und ein­bringt. Kahn setzt auf den Team-Ge­dan­ken. Der Plan sieht vor, dass Kahn bei sei­ner Ein­ar­bei­tung alle Ab­tei­lun­gen durch­läuft. Wel­che im Klub dabei die wich­tigste ist, daran lässt er wenig Zwei­fel. In der Vor­stands­sit­zung, die jeden Mon­tag statt­fin­det, wirkt Kahn sehr aktiv auf die Ka­der­pla­nung ein. Das neue Ele­ment, das er bei der Be­wer­tung von Spie­lern ein­bringt: Der Cha­rak­ter muss zum FC Bay­ern pas­sen.

Ex­pli­zit sucht Kahn in den Pro­fi­len der Spie­ler nach Hin­wei­sen auf ihre Men­ta­li­tät. Immer mit der Fra­ge: Hat der po­ten­zi­elle Zu­gang die Fä­hig­keit, die für Bay­ern nö­tige Mia-san-mia-Qua­li­tät zu ent­wi­ckeln? Im Klar­text: Hat er das Sie­ger-Gen?

Der FC Bayern darf sich nicht treiben lassen von den Summen, die heute gezahlt werden

Sei­nen An­tritts­be­such bei der Mann­schaft hatte Kahn be­reits im Trai­nings­la­ger in Doha ge­macht. Der Vor­stand beließ es nicht da­bei, sich vor­zu­stel­len. „Beim FC Bay­ern zählt nur ei­nes: der ma­xi­male Er­fol­g!“, impfte er den Pro­fis in sei­ner Rede im Team-Be­spre­chungs­raum noch ein­mal ein, für was der Klub steht.
Als ehe­ma­li­ger Bay­ern-Ka­pi­tän weiß Kahn, wie er mit den Spie­lern spre­chen muss. In sei­ner Zeit nach der ak­ti­ven Kar­riere hat der 50-Jäh­rige als Ge­schäfts­mann ge­lernt, wel­che Ton­art er auf der Füh­rungs­ebene an­schla­gen muss.

„Der FC Bay­ern darf sich nicht trei­ben las­sen von den Sum­men, die heute ge­zahlt wer­den“, lau­tete seine Bot­schaft an den Ver­wal­tungs­bei­rat, als er sich dem Gre­mium bei der Sit­zung am Tag des Heim­spiels gegen Schalke (5:0) im See­haus vor­stell­te. Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, der ihn be­glei­te­te, kannte die Kahn-Vi­sion be­reits. Vor dem Auf­sichts­rat war Kahn noch deut­li­cher ge­wor­den.

Be­reits vor sei­ner Be­ru­fung hatte Kahn klar­ge­macht, wie er den Weg des FC Bay­ern in­ter­na­tio­nal in Zu­kunft sieht. Der An­spruch müsse laut Vor­stand Kahn sein, stän­dig unter den Top-5-Klubs in Eu­ropa zu ste­hen. Nicht aber al­lein durch den Kauf neuer Su­per­stars, son­dern auch mit ei­ge­nen Ta­len­ten wie sie der FC Bay­ern einst mit Phil­ipp Lahm (36) und Bas­tian Schwein­stei­ger (35) selbst ent­wi­ckelt hat­te. Deut­lich ver­wies Kahn auf die fa­mi­li­ären Werte des Klubs, die bei Bay­ern wie­der ver­stärkt ge­lebt wer­den müss­ten.

Kahn tut das in jeder Ab­tei­lung, die er be­sucht. Dabei stellt er den Mit­ar­bei­tern viele Fra­gen. Zwei davon lau­ten stets: Was be­deu­tet für dich die Bay­ern-Men­ta­li­tät? Was be­deu­tet „Mia san mia“? Dass er sich selbst seit jeher als Teil die­ser Bay­ern-Fa­mi­lie sieht, daran lässt er kei­nen Zwei­fel.

So schreibt Kahn in sei­ner Mit­ar­bei­ter-Mail: „Als ich 2008 meine Kar­riere als ak­ti­ver Spie­ler be­en­det habe, gab es für mich kei­nen Zwei­fel, dass ich mich un­se­rem Ver­ein wie­der an­schlie­ßen wer­de. Es ist ein be­son­de­res Ge­fühl, wie­der heim­ge­kom­men zu sein, und ich freue mich dar­auf, die ein­zig­ar­tige Er­folgs­ge­schichte des Clubs ge­mein­sam mit Ihnen fort­zu­schrei­ben.“

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