Karl-Heinz Rumme­nigge: „Kovac kann auf uns bauen“

Autor : Tobias Altschäffl | 12.06.2019

Sport Bild: Herr Rum­me­nigge, wie haben Sie den Champions-­League-Sieg des FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur (2:0) erlebt?

Karl-Heinz Rummenigge (63):  In einem nicht berauschenden Finale war Liverpool die bessere Mannschaft. Für Jürgen Klopp habe ich mich gefreut, er hat sich diesen Triumph verdient.

Klopp ist der König von Liverpool. Wie belastet ist dagegen das Verhältnis zwischen Ihnen und Niko Kovac, dem Sie lange keine Jobgarantie ausstellten?

Wir haben nie ein belastetes Verhältnis gehabt. Wir sind immer gut, seriös und ehrlich miteinander umgegangen. Niko weiß spätestens seit November, seit diesem grotesken 3:3 gegen Düsseldorf, dass er hier auf die Führungscrew bauen kann.

Besteht die Gefahr, dass bei der ersten Krise der neuen Saison die Diskussionen von vorne losgehen?

Ich habe meine Äußerungen bewusst getätigt, um einen Kontrapunkt zu setzen. Eine Woche später haben wir in Nürnberg fast verloren (1:1; d. Red.). So ganz unrecht hatte ich mit meinem Gedanken nicht, darauf zu achten, dass wir fokussiert bleiben. Uli Hoeneß hat schon immer zu mir gesagt: „Kritik muss man anbringen, wenn der Erfolg da ist.“ Nur so ist sie glaubwürdig.

Also haben Sie mit Ihrer Kritik auch im Sinne von Uli Hoeneß gehandelt?

Der FC Bayern wollte das Double gewinnen. Das haben wir erreicht.

Der FC Bayern hat mit 118 Mio. Euro in diesem Sommer schon so viel investiert wie nie zuvor. Stößt der Verein bei Leroy Sané in neue Dimensionen vor?

Das gilt es noch herauszufinden. Ein Transfer ist immer ein Drei-­Parteien-Geschäft. Erst muss sich der Spieler entscheiden, wo er seine Zukunft sieht.

Welche Rolle spielt Leverkusens Supertalent Kai Havertz bei den Planungen?

Ich hatte vor Wochen aus Interesse ein Gespräch mit Rudi Völler. Ich habe mit ihm in der Nationalmannschaft jahrelang zusammengespielt, wir haben ein ganz sauberes Verhältnis. Ich habe ­Rudi gefragt, wie Leverkusen mit Kai Havertz plant. Er sagte mir: Es gibt in Leverkusen einen Beschluss mit dem Aufsichtsratschef, Herrn Werner Wenning, dass der Spieler auf jeden Fall in der nächsten Saison in Leverkusen spielt.

Für diesen Sommer ist das Thema also erledigt. Kommt Havertz dann 2020 zur übernächsten Saison?

Ich weiß nicht, ob Kai Havertz eines Tages in München spielen wird. Ich bin kein Freund davon, Dinge im Voraus zu bestimmen, wenn dazwischen zwölf Monate liegen.

Das ist nicht so einfach zu managen. Kai Havertz ist ein guter Spieler, darüber brauchen wir nicht zu sprechen. Aber er hat einen Vertrag bis 2022.

Kommt Timo Werner sofort oder 2020 ablösefrei?

Leipzig will Timo Werner nicht 2020 ablösefrei gehen lassen, das verstehe ich. Mein Verhältnis zu Leipzigs Oliver Mintzlaff ist gut, ich habe vor sieben, acht ­Wochen zu ihm gesagt: Wenn wir seriöses ­Interesse an Timo Werner haben, werde ich auf ihn zukommen. Daran halte ich mich.

Wir geht es mit Jérôme Boateng weiter, den Uli Hoeneß trotz Vertrags bis 2021 aufgefordert hat, den Klub zu wechseln?

Ich habe ein bisschen Verständnis für Jérôme, dass er mit der abgelaufenen Saison unzufrieden ist. Wir hatten Jérôme bzw. seinem Berater Christian Nerlinger vor der WM 2018 einen Betrag genannt, für den wir bereit sind, ihn abzugeben, wenn er das wünscht. Dann kam die unsägliche WM ­dazwischen, die den Preis leider nach unten bewegt hat. Danach waren wir in Gesprächen mit Paris Saint-Germain. Ich erinnere mich ziemlich genau an die Situation.

Wie stellte sie sich dar?

Am 28. August 2018 gab es ein Angebot von PSG, das wir akzeptieren wollten. Der Trainer hat sein Veto eingelegt. Und dann hat Niko Jérôme mitgeteilt, dass er ihn um Verständnis bittet: Er könne ihn nicht freigeben, da er in der Innenverteidigung drei gestandene Spieler brauche. Das hat Jérôme nicht gefallen, das habe ich damals gespürt. Aber wir hatten Verständnis für Nikos Sicht.

Was passiert, wenn Boateng bis zum Trainingsauftakt Anfang Juli keinen neuen Verein hat?

Wenn Uli Hoeneß eine Aussage bezüglich eines Spielers tätigt wie zuletzt bei Jérôme („Im Moment wirkt er wie ein Fremdkörper. Ich würde ihm als Freund raten, sich einen neuen Verein zu suchen“; d. Red.), hat er sich das gut überlegt.

Ich glaube, wir müssen eine für beide Seiten seriöse und faire Lösung finden. Das halte ich grundsätzlich für möglich.

Bleibt Renato Sanches?

Ich finde, er hat sich in diesem Jahr gut entwickelt, der Trainer ist grundsätzlich mit ihm sehr zufrieden. Aber auch Renato möchte kontinuierlich spielen.

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Änderungen können Sie in ihren Browsereinstellungen vornehmen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite Datenschutz & Cookies
Weiter