Lieber zwei Topstars als fünf gute Spieler kaufen

Autor : Tobias Altschäffl | 03.01.2019

Der Torjäger über den Umbau bei Bayern, Wechsel-Gerüchte und neue Verantwortung

 

Sport Bild: Herr Lewandowski, Sie waren Ende November einer von nur vier Führungsspielern, die in der Krise mit den Bossen diskutierten. Zeigt es Ihre gewachsene Stellung im Verein?

Robert Lewandowski (30): Ich hatte auch früher immer meine eigene Meinung. Inzwischen bringe ich diese öfter ein. Ich kenne das Gefühl, Verantwortung zu tragen: Ich bin schon einige Jahre Kapitän der polnischen Nationalelf. Deshalb kann ich auch bei Bayern helfen, ich habe die Erfahrung. Ich weiß, was man sagen muss in gewissen Situationen und habe keine Angst, meine Meinung mitzuteilen.

Hat sich seit dem Sommer und dem Ende des Wechsel-Theaters etwas an Ihrem Empfinden geändert?

Ich spüre, dass ich – seit die ganzen Gerüchte und Probleme vom Tisch sind – mit ganzem Herzen beim FC Bayern bin. Zu 100 Prozent. Ich mag es nicht, wenn Dinge nicht geklärt, Probleme in der Luft sind. Jetzt ist die Situation eine andere, ich bin darüber erleichtert.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft? Wie weit gehen Ihre Planungen?

Ich habe einen Vertrag bis 2021. Wenn ich gesund bleibe, kann ich noch lange spielen. Ich fühle mich wohl bei Bayern München, ich will die Erwartungen erfüllen. Ein Wechsel ist nicht in meinem Kopf. Ich gebe es zu: Im Sommer waren andere Dinge ein Thema, aber das ist vorbei. Es ist gut möglich, dass ich noch sehr lange hierbleibe. Ich identifiziere mich voll mit dem FC Bayern. Wie lange ich noch auf Top-Niveau spielen kann, hängt von meinem Körper ab. Ich denke aber, dass man als Mittelstürmer länger spielen kann als beispielsweise als Flügelspieler.

Coman und Gnabry haben das Potential, Weltklassespieler zu werden

Beenden Sie Ihre Karriere in München?

Das ist eine Möglichkeit. Ich weiß nicht, ob ich bis zum Ende meiner Karriere das Top-Niveau habe, um bei Bayern zu spielen. Aber für mich ist es definitiv eine Option, bei Bayern meine Karriere zu beenden.

Arjen Robben, mit dem Sie nicht immer eine einfache Beziehung hatten, hat kürzlich seinen Bayern-Abschied verkündet. Wie sehr wird er Bayern fehlen?

Als ich hörte, dass es definitiv seine letzte Saison ist, fand ich das sehr schade. Arjen hat eine Ära bei Bayern mitgeprägt. Ich habe großen Respekt davor, was er hier in zehn Jahren geleistet hat. Er hat so oft gezeigt, was er alles mit dem Ball anstellen kann, gerade im Eins-gegen-eins. Er ist ein Spieler, der immer mit einer Aktion das Spiel für deine Mannschaft drehen kann. Ich wünsche ihm, dass er noch lange gesund bleibt.

Können Coman und Gnabry sein Weltklasse-Niveau erreichen?

Die beiden haben das Potenzial, Weltklasse-Spieler zu werden. Ich weiß nicht, ob sie solche Legenden wie Robben und Ribéry werden, aber ich wünsche ihnen, dass sie es schaffen. Sie können beim FC Bayern Stammspieler und Leistungsträger sein. Entscheidend für beide wird sein, über mehrere Jahre regelmäßig Leistung zu zeigen. Denn das zeichnet einen Top-Spieler beim FC Bayern aus: alle drei Tage die beste Leistung abzurufen.

Sie haben 100 Länderspiele, 50 Tore in der Champions League, können bald Claudio Pizarro als besten ausländischen Torjäger ablösen. Was bedeuten Ihnen diese Rekorde?

Am Anfang habe ich viele Tore geschossen, viele Spiele gespielt. Dann wurde auf einmal über Rekorde gesprochen, man realisiert erst Stück für Stück, was man leistet. Im Alltag kann man daran keine Gedanken verschwenden. Für mich ist es immer eine große Ehre, in der polnischen Nationalmannschaft zu spielen. Und es freut mich unheimlich, für so eine große Mannschaft wie Bayern so oft getroffen zu haben. Ich durfte hier schon einige Legenden in der Torjägerliste überholen. Das ist eine Ehre für mich. Ich stehe inzwischen in der Torschützenliste vor Namen wie Elber, Scholl oder Dieter Hoeneß – Spieler, von denen ich früher immer nur voller Ehrfurcht gelesen oder gehört habe. Ich bin sehr stolz darauf. Und ich bin noch nicht fertig, ich möchte hier die nächsten Schritte noch machen.

Wenn ein Spieler wie Arjen geht, benötigt man eben neue Topspieler

Gibt es einen speziellen Rekord, den Sie anpeilen?

Den Rekord von Claudio Pizarro als bester ausländischer Torjäger der Bundesliga-Geschichte würde ich mir gern schnappen, aktuell liege ich vier Tore hinter ihm. Es ist einfach ein Super-Gefühl, so etwas zu erreichen.

2019 soll das Jahr des Umbruchs werden beim FC Bayern. Ist das richtig und notwendig? Braucht Bayern neue Topstars?

Manchmal braucht es frisches Blut in der Mannschaft. So ist der Lauf der Zeit: Wenn ein Spieler wie Arjen geht, benötigt man eben neue Topspieler. Wir brauchen Spieler, die uns wirklich besser machen, uns nach oben bringen.

Das heißt: lieber ein, zwei Topstars als Spieler für die Breite?

Als FC Bayern kannst du auf Top-Niveau keinen riesigen Umbruch machen. Wir können ein, zwei Spieler einbauen, aber nicht die halbe Mannschaft austauschen. Ich denke, uns hilft es mehr, wenn ein oder zwei Topspieler kommen, als fünf Leute auf gutem Niveau.

In der Champions League trifft Bayern im Achtelfinale auf den FC Liverpool. Wie stehen die Chancen?

Es dauert noch lange, bis diese Top-Duelle stattfinden. Heute kann man schwer sagen, in welcher Form wir dann sein werden. Liverpool ist sehr stark in der Defensive, sie bekommen wenig Gegentore. Ich hoffe, dass alle unsere Verletzten bis dahin zurück sind, wir im Winter unseren Fußball weiter verbessern. Wenn wir mit der besten Elf antreten, gibt es in diesem Spiel keinen Favoriten.

Ist das Aufeinandertreffen mit Ihrem Ex-Trainer Jürgen Klopp noch etwas Besonderes?

Absolut. Wir haben vier Jahre zusammengearbeitet. Seine Mentalität ist etwas Besonderes, er überträgt sie auf das Team. Liverpool ist wie Klopp: Rock’n’Roll!

Text von Tobias Altschäffl und Heiko Niedderer

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