Matthäus: „Kovac kriegt die Stars in den Griff“
Aktuell aus
Matthäus: „Kovac kriegt die Stars in den Griff“ Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Lothar Matthäus: „Kovac kriegt die Stars in den Griff“

Der ehemalige FCB-Spieler spricht über alle Brennpunkte

Die Saison ist gerade erst vorbei, doch schon jetzt warten Experten und Fans gespannt auf den Trainingsstart bei den Bayern.

Zur Zukunft der Bayern habe ich zehn Thesen aufgestellt und werde sie hier erläutern!

Kovac kriegt die Stars in den Griff!

Ich kenne Niko Kovac noch als meinen Spieler aus Salzburg. Er dachte schon als Spieler wie ein Coach. Kovac hat die volle Unterstützung der Verantwortlichen im Verein und sich bei seiner Tätigkeit in Frankfurt schon vor dem Sieg im Pokalfinale über Bayern großen Respekt erarbeitet. Ich bin mir ganz sicher: Niko wird sich in München von keinem Spieler auf der Nase herumtanzen lassen. Weder von Robben noch von Ribéry oder Lewandowski. Denn er ist ein Trainer, der klare Vorstellungen hat, keinen Zickzack­ Kurs fährt. Hier ähnelt er Jupp Heynckes. Er ist fair im Umgang, aber wenn sich ein Star querstellt, hat Niko Kovac kein Problem damit, ihn aus dem Kader zu verbannen – egal, wie groß der Name ist!

Bayern wird die nächsten fünf Jahre Meister, aber nie Champions-League-Sieger!

Aufgrund der Überlegenheit in der Liga sind fünf weitere Meisterschaften keine Überraschung. International sehe ich aber sechs bis acht Vereine mindestens genauso gut, wenn nicht besser aufgestellt als Bayern. Die Bayern bräuchten bei Transfers und der Auslosung viel Glück, wenn es in den nächsten fünf Jahren zum Triumph in der Königsklasse reichen soll. Die englischen Vereine und Paris werden weiter nachrüsten, dazu gibt es die starken Spanier. Das sind Vereine, die wirtschaftlich andere Möglichkeiten haben. Erst wenn das Financial Fairplay besser greift und es im europäischen Fußball härtere Regeln und Strafen gibt, steigen die Chancen des FC Bayern wieder. Das wird in den nächsten fünf Jahren nicht der Fall sein.

Bayern würde ein 100-Mio.-Transfer guttun

Die Verantwortlichen sollten jetzt schon einen Betrag von 100 Mio. Euro investieren, wenn ein Spieler wie Paulo Dybala von Juventus Turin auf dem Markt wäre. Ich würde dann den Finger heben. Das Festgeldkonto ist prall gefüllt und durch den 46­Mio.­Abgang von Douglas Costa zu Juve noch einmal angewachsen. Um die internationalen Ziele zu erreichen, wäre es absolut sinnvoll, sich an einen Spieler heranzuwagen, der solch einen Betrag kostet.

Boatengs Wechselgedanken sind verständlich!

Jérôme Boateng hat seine Gedanken zuletzt mehrmals klar ausgesprochen, u. a. bei unserer Expertenrunde am Sky­Tisch: Er liebäugelt mit dem Ausland. Ich kann es ihm nicht verdenken, das ist verständlich. Wenn Bayern München einen gleichwertigen Ersatz findet, sollten sie ihm keine Steine in den Weg legen. Eine Alternative könnte Antonio Rüdiger sein, der in Chelsea eine Top­Entwicklung nimmt. Hoffenheims Kevin Vogt halte ich für die Position in der Mitte der Dreierkette – welche Kovac praktizieren möchte – für sehr geeignet, in der Viererkette sehe ich ihn eher weniger.

Es war ein Risiko, mit Robben UND Ribèry zu verlängern!

Der Traum der Bayern ist der Sieg in der Champions League. Deshalb war es ein Risiko, mit Robben (34) und Ribéry (35) zu verlängern. Beide sind verletzungsanfällig. Zudem hoffe ich, dass intern eines geklärt ist: Eine Einsatzgarantie kann es für keinen der beiden geben! Es darf nicht, wie zuletzt mehrmals der Fall, Unruhe wegen persönlicher Eitelkeiten geben. Öffentlich vorgetragene Unzufriedenheit wie von Ribéry, Lewandowski oder zuletzt Thiago haben meiner Meinung nach die Konzentration gestört, größere Erfolge in dieser Saison verhindert.

Coman und Gnabry können die neuen Robben/ Ribèry werden!

Beide haben die Geschwindigkeit, die Torgefährlichkeit und auch in den vergangenen Monaten bewiesen, was in ihnen steckt. Mittelfristig können die beiden Robben und Ribéry vergessen machen. Aber die Bayern­Verantwortlichen sollten dennoch daran denken, auch andere Spieler für 2019 im Blick zu haben, wenn Robben und Ribéry vermutlich aufhören werden. Unter anderem gefällt mir Leverkusens Bailey sehr gut, er muss jedoch konstanter werden. Die Dortmunder Pulisic und Sancho sollten die Verantwortlichen ebenfalls im Blick haben.

Torwart Neuer wird wieder der Alte!

Wenn ich die Bilder von Manuel Neuer im Trainingslager der Nationalmannschaft sehe, bin ich erleichtert: Er scheint seine Verletzung voll auskuriert zu haben. Ich bin überzeugt, dass er wieder zu alter Form finden wird – aufgrund seiner Qualiät, seiner Mentalität, seiner Einstellung. Manuel ist noch immer der beste Torwart der Welt und hat noch einige Jahre vor sich.

Die Reibung zwischen Hoeneß und Rummenigge ist Bayerns Stärke!

Mir wurden die Äußerungen der beiden Bayern­Alphatiere zuletzt ein bisschen zu sehr interpretiert und gegeneinander ausgelegt. Die beiden müssen sich ja kein Doppelzimmer teilen, aber ihre manchmal unterschiedlichen Meinungen tun dem FC Bayern gut. Sie werden keinen Streit so eskalieren lassen, dass es auf Kosten des Erfolgs geht. Zudem ist es elementar wichtig, dass sie geschlossen hinter Kovac stehen.

Lewandowski darf nur gehen, wenn es gleichwertigen Ersatz gibt!

Lewandowski wird sich sicher nicht wegstreiken können wie beispielsweise Aubameyang oder Dembélé aus Dortmund. Er muss intern offen und ehrlich die Kommunikation mit den Bossen suchen. Wenn die Verantwortlichen dann tatsächlich gleichwertigen Ersatz finden, ist ein Abschied möglich. Aber wer soll das sein? Timo Werner ist für mich potenziell der Top­Kandidat auf die Nachfolge, jedoch nicht sofort, sondern eher in ein paar Jahren. Er ist ein komplett anderer Stürmertyp als Lewandowski. Ansonsten gäbe es auf dem internationalen Markt Álvaro Morata von Chelsea, der Lewandowskis Position einnehmen könnte.

Für 60 Mio. sollte Bayern Thiago verkaufen!

Hoeneß sprach zuletzt offen an, dass der Kader verkleinert werden soll. Erster Kandidat ist für mich Thiago. Er würde mir zwar als Spieler für die Galerie fehlen, aber Bayern braucht ihn nicht, um die Champions League zu gewinnen. Er und James sind ähnliche Spielertypen, standen sich zuletzt sogar etwas im Wege auf dem Platz, da beide immer den Ball fordern. Wenn ein Verein - womöglich Barcelona oder Man City – 60 Mio. für ihn bietet, sollte Bayern nicht zögern und ihn abgeben.